Freeride-Dreifinner von Hejfly

06.01.2017 Manuel Vogel - Shaper Klaus Jocham hält sich nicht an Konventionen. Seine Windsurfboards waren schon immer anders – und das ist auch unter dem Markennamen Hejfly so geblieben. Seine Freerider mit den drei Finnen machen da keine Ausnahme. Wir wollten wissen, für wen er eigentlich diese Boards baut.

© Stephan Gölnitz
Drei Freeridefinnen mit viel Flex sind das Markenzeichen der DropInn-Modelle
Drei Freeridefinnen mit viel Flex sind das Markenzeichen der DropInn-Modelle

Du bist meist nicht glücklich, wenn deine Drop Inn-Boards gegen breite Freerider getestet werden. Warum?

Was mir dabei aufstößt, sind dann Bewertungen, dass das Board eher für Leichte ist. Wenn man am Gardasee testet, mit viel Welle und wenig Wind, dann brauchen vor allem schwere Surfer natürlich ein angleitstarkes Brett. Ich hab die Boards aber für eine ganz andere Käuferschicht ausgelegt. Da wollen wir gar nicht in Konkurrenz mit den breiten Brettern stehen. Ich möchte eine Lücke füllen. Wenn Leute, die schwer sind, bei fünf, sechs Windstärken surfen, dann wollen die ein manöverfreudiges Brett. Aber mit viel Volumen. In diese Lücke möchte ich eigentlich rein.

Wie sieht denn dann der typische Kunde für den 146er Drop Inn aus?

Ich bekomme immer super Feedback von den schweren Leuten mit 80, 90, 100, 110 Kilo. Vielleicht nicht die Supersportler. Die wollen ein Board für sechs Windstärken und da geht das extrem gut, weil es noch ein bisschen Rocker hat und sehr gut zu kontrollieren ist. Wo es nicht so auf Beschleunigung ankommt, weil da ist der 100-Kilo-Mann dann sowieso schnell.

Welche Segelgrößen sind denn dann am besten geeignet?

Ein 100-Kilo-Mann fährt da bei sechs Windstärken ein Sechser-Segel drauf. Dann gibt‘s auch natürlich Frauen (Red.: Vermutlich auch leichte Männer), die haben das entsprechende Fahrkönnen noch nicht, die fahren das Board auch bei sechs Windstären mit dem 3,7er. Das sind Boards, die können auch Leichte oder Kinder fahren. Ich will mich da nicht einschränken. Das fahren Jugendliche mit einem Fünfer- oder 5,6er-Segel, weil es natürlich gegenüber einem 80 Zentimeter breiten Brett viel leichter steuert und auch das Surffeeling rüberkommt, das ein Board aus meiner Sicht haben muss. Nicht nur Gleiten und Frühgleiten. An einem guten Nordwindtag am Gardasee will keiner ein Frühgleitbrett haben.

© Stephan Gölnitz
Klaus Jocham shapte viele Jahre für Hifly, heute setzt er bei Surfline Munich seine Philosophie um.
Klaus Jocham shapte viele Jahre für Hifly, heute setzt er bei Surfline Munich seine Philosophie um.

Für wen eignet sich dann der 116er?

Das ist ein Allrounder, ein Cruisingboard, das überall funktionieren muss. Kein Board, das irgendwie mit einem Slalomboard konkurrieren will. Jetzt am Wochenende habe ich ein Board verkauft an einen Surfer, der hat 90 Kilo. Der hat aber nicht das Fahrkönnen für ein 90-Liter-Board, der surft dafür noch nicht lange genug. Wenn der Wind aufhört, geht er unter damit.

Also ein Konzept für Leute, die auch bei stärkerem Wind mehr Volumen haben wollen, weil sie kleinere Boards nicht fahren können oder möchten?

Das ist ein Grund. Aber ich will da nicht in die Ecke geschoben werden, das wären Bretter für Leute, die nicht surfen können. Ich fahre die Bretter ja auch selber. Weil ich das Fahrgefühl mag. Ich wiege 65 Kilo und fahre alle Größen. Wenn ich auf Geschwindigkeit surfe, fahre ich mit der Singlefin und wenn ich am Gargagno bin, fahre ich den „S“ (Red.: Drop Inn mit 116 Liter), dann nehme ich oft kein größeres Segel bei wenig Wind, sondern statt dem Waveboard den Drop Inn S und mache nur zwei Finnen rein. Dann habe ich ein Board, das gut angleitet, noch gut durch die Brandung geht und mit dem man noch eine Welle abreiten kann. Da macht das Board dann richtig Spaß.

Also ein Board für viele Bedingungen?

Ja. Wenn ich jetzt zum Beispiel ein Slalomboard hätte, bräuchte ich in der Welle nix anzufangen. Wenn ich in den Urlaub fliege, kann ich nicht so viel Gepäck mitnehmen. Mit diesem Board bin ich auf der einen Seite immer von der Geschwindigkeit halbwegs dabei. Aber ich habe auch die Wahl, dass ich hinten nur zwei kleine Finnen reinschraube statt einer großen oder drei. Und habe dann ein Schwachwind-Waveboard oder ein Brett, das spielerisch zu halsen ist.

© Ronny Kiaulehn

Erfordern drei Finnen andere Finnenshapes als üblich?

Die sind vom Profil dünner und haben weniger Fläche.

Sind die Boardshapes für drei Finnen anders als für eine?

Das ist gleich. Die Boards sind ja so gedacht, dass sie für beides funktionieren. Wenn ich die hintere Finne rausnehme, sind die vorderen noch weiter vorne als früher bei den Twinsern, das heißt, ich habe ein noch mehr manöverfreudiges Board. Mit zwei Finnen fährst du es aber nur in der Welle.

Wie kann man deine Boardgrößen – deutlich länger und schmaler – mit den flachen breiten Formen wie JP-Australia Magic Ride oder Fanatic Gecko vergleichen?

Das geht nicht direkt. Ich hab so das Gefühl, die bauen alle nur noch Bretter für die schlechte Ora. Die müssen breit sein. Aber wer will denn, wenn es richtig Wind hat, noch ein 70-Zentimeter-Brett fahren? Das macht kein Mensch.

Für schwere Surfer sind auch die breiten, dicken Hecks gemacht, deine Boards sind aber auch hinten schmal. Was steckt dahinter?

Dann habe ich einfach mehr Kontrolle. Ich halte auch von dem ganzen Stubby-Kram nix. Ein Profi will es natürlich mega loose und mega radikal haben. Aber ich muss doch auch schauen, wo das Level der Surfer ist. Die meisten wollen das nicht, die wollen ein Board, das gut zu kontrollieren ist. Wenn du bei starkem Wind so ein hinten abgesägtes Brett fährst, da klappt jede zweite Halse nicht. Bei wenig Wind kann ein breites Brett natürlich auch einfach halsen. Wenn du mit wenig Geschwindigkeit reinfährst. Aber nicht wenn es richtig scheppert. Durch das Schmale wird das Board auch leichter zu drehen. Wenn zehn Leute auf dich zukommen, kannst du einfach schneller ausweichen, das Board reagiert einfach spontaner und hat kein Eigenlenkverhalten wenn es schnell wird. Das sehe ich problematisch bei den ganzen breiten Brettern.

Du machst die Boards dafür länger?

Ja. Und man steht nicht ganz so weit hinten. Dadurch habe ich mehr Kontrolle und es fühlt sich mehr an wie ein Waveboard. So wie man ein Board halt fahren will, wenn es nicht ausschließlich nur auf das Angleiten ankommt. Es gibt ja doch auch viele Reviere, wo das nicht im Vordergrund steht.

„Es war nicht so gedacht, dass diese Boards in Tests in Konkurrenz zu den breiten Brettern stehen. Diese Bretter sollen eine Lücke füllen.”        Klaus Jocham, Shaper Hejfly und Surfline Munich

Alle Infos und Vertrieb: www.hejfly.com

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