Test 2017: Foils und Foilboards

28.12.2017 Surf Testteam - Welches Foil Anfängern Flügel verleiht und wo die Bruchlandung wartet, haben wir in einem ersten Test herausgefunden.

© Stephan Gölnitz
Starboard Foil 147 : Foil BIC : Tester Nicholas Slijk : Spot Torbole
Starboard Foil 147 : Foil BIC : Tester Nicholas Slijk : Spot Torbole

Es wird übertragen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Den einen erwischt es und wird nur noch schlimmer. Andere wirken immun dagegen. Foils werden klassisches Leichtwindmaterial nicht er-setzen, doch fortgeschrittenen Windsurfern bieten sie eine neue, ohne Zweifel faszinierende Herausforderung. surf liefert Praxis-Infos und einen ersten Vergleich der Systeme.

"Formula ist tot", sagt zumindest Werner Gnigler. Doch wenn der JP-Aus­tralia-Desig­ner das sagt, wurzelt die Einschätzung vermutlich in den Erfahrungen mit den Top-Fahrern und bezieht sich auf die Rennszene – mit Top-Fahrkönnen, viel Zeit zum Üben und dem Wunsch nach etwas Neuem. Wer weiterhin am Walchensee bei leichtestem Wind so früh wie möglich ins Gleiten kommen will, wird die Gleitgrenze mit dem Foil nicht nochmals nach unten drücken. Man kann zwar mit kleineren Segeln fahren, das nötige Fahrkönnen ist dafür eine Stufe höher, und ohne viel Üben wird man vom erzielten Speed erstmal enttäuscht sein. Dafür ist das subjektive Speedgefühl im unteren Gleitbereich neu und beeindruckend. Es gibt nur Dümpeln oder frei und nahezu widerstandslos dahingleiten. Und 35 km/h auf dem Foil fühlen sich an wie 45 auf dem Freerider – einen Versuch ist es wert. Damit das nicht komplett in die Hose geht, findest du den ersten Grundlagenteil. Detaillierte Einzeltests kommen dann in Folge. Kein Grund zur Panik: Viele Foils sind momentan noch nur in homöopathischen Dosen verfügbar – wenn überhaupt.
 

© Stephan Gölnitz

Die "richtige" Mastlänge

Vor dem Foilen kommen die Vokabeln. Die müssen neu gelernt werden – und klingen nicht immer einleuchtend. Der "Mast" ist beispielsweise das senkrechte, mächtige Hauptprofil, das mit dem Board verbunden wird. Zwischen 55 und 95 Zentimeter lagen die Mastlängen in diesem Test. Auf dem kürzesten Mast fliegt das Naish SUP- und Windsurf-Convertible im Tiefflug übers Wasser. Bis in den ersten Stock kannst du dich dann auf dem Starboard Carbonfoil mit 95 Zentimeter beamen (inklusive Fuselage gemessen sogar 99 Zentimeter, vier länger als NeilPryde). Noch mal Vokabeln lernen: Fuselage ist das Längsteil, das unten am Mast die beiden Flügel trägt. Welches ist die bessere Wahl? Klar ist: Der 55er-Mast ist optimiert für Stand-up-Paddling in der Welle. Beim Abreiten der Welle ist kein Chop im Weg, du willst knapp über der Wasseroberfläche "hoovern" und hast so auch noch eine Chance, in gebückter Haltung mit dem Paddel runter ins Wasser zu kommen. Ein extrem langer Mast dürfte vor allem dem Anfänger zu einigen Adrenalinschüben verhelfen.

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Ein schnelles High-End-Foil mit gestrecktem Flügel (F4) und langem Mast, sowie ein kürzeres Modell mit Alumast, decken bei NeilPryde alle Bedürfnisse ab.
Ein schnelles High-End-Foil mit gestrecktem Flügel (F4) und langem Mast, sowie ein kürzeres Modell mit Alumast, decken bei NeilPryde alle Bedürfnisse ab.

So wie auf unseren ersten Ausflügen auf der längsten Windsurfstelze. Zum Windsurfen auf dem Gardasee ist auch das Naish SUP-Allround-Foil zwar geeignet, doch wünscht man sich schnell etwas mehr Bodenfreiheit, um ungedrosselt über die Kabbelwellen zu kommen, auch wenn die gelegentlichen Aufsetzer sanft und harmlos wirkten. Für den Foil-Einsteiger dürften 70 bis 85 Zentimeter optimal geeignet sein, auch das eigentlich gut funktionierende BIC Foil erschien uns mit 70 Zentimetern schon nach kurzer Zeit als eher untere Grenze.

Mit zunehmender Sicherheit kommen die Vorzüge längerer Foils dann entspannter zum Vorschein. Auch größerer Chop lässt sich darauf stabil in gleichbleibender Flughöhe überqueren. Hat der lange Mast erstmal seinen Schrecken verloren und der Fahrer die Höhenangst abgelegt, reagierst du auf dem langen Foil gelassener auf Auf- und Abbewegungen des Foils – es ist ja nach oben noch Luft. Denn erst wenn der Mast "am Ende" ist, wenn das Foil die Wasseroberfläche durchstößt, reißt die Strömung ab und der Höhenflug ist jäh beendet. Top-Foiler kanten dazu das Board zunehmend – so wie die Kiter es extrem tun – nach Luv an. Das erfordert längere Masten – und ein Umdenken bei den Boardgrößen.

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Großflächige Frontflügel mit frühzeitig viel Auftrieb haben AHD FS-1 (1) und Naish (5), aber auch BIC (4). Die Profile von Starboard (2) und AHD FS-2 (3) sind stärker auf Speed und Höhelaufen ausgelegt.
Großflächige Frontflügel mit frühzeitig viel Auftrieb haben AHD FS-1 (1) und Naish (5), aber auch BIC (4). Die Profile von Starboard (2) und AHD FS-2 (3) sind stärker auf Speed und Höhelaufen ausgelegt.

Die "richtige" Boardgröße

Bei den Top-Fahrern der Worldcup-Teams ist dieses Umdenken bereits in vollem Gange: "Anfangs wollten alle das große Foilboard, jetzt nehmen die meisten den kleineren 135er" sagt JP-Shaper Werner Gnigler "einige richtig gute Jungs fahren extrem nach Luv gekantet und deshalb noch schmalere Boards mit 72 Zentimeter Breite." Für den Einstieg ins Foiling würden wir so extreme Experimente allerdings nicht empfehlen, jedenfalls nicht für die meisten Foils. Unser Referenz-Slalomboard RRD X-Fire 114 bietet zwar die verlockende Option, ein Mittelwind-Slalomboard auch als Leichtwind-Foilboard zu verwenden, doch als Foilboard entpuppt sich das 70 Zentimeter schmale Board als sehr anspruchsvoll. Angleiten und aufs Foil kommen gehen zwar flüssig, doch in der Luft wirkt das Board wie ein Schwebebalken, zum Ausgleichen und Steuern ist der Hebel über die geringe Heckbreite nicht gerade gewaltig.

Für die Halse auf dem Foil ist schon gute Übung erforderlich, ähnlich wie auf dem noch schmaleren AHD AFS-1. Während sich auf den gemäßigt breiten Naish-Boards auch ein 5,0er noch gut anfühlte, wirkt das Segel auf dem JP oder dem noch breiteren Starboard schon sehr verloren. Diese Boards sind eher für 6,8 und größer gedacht.

© Stephan Gölnitz
© Stephan Gölnitz
Für das Handling an Land und Ins-Wasser-Tragen müssen noch eigene Techniken entwickelt werden. Dabei sind auch die Gewichtsunterschiede, vor allem bei den Foils, deutlich stärker spürbar als auf dem Wasser.
Für das Handling an Land und Ins-Wasser-Tragen müssen noch eigene Techniken entwickelt werden. Dabei sind auch die Gewichtsunterschiede, vor allem bei den Foils, deutlich stärker spürbar als auf dem Wasser.

Das "richtige" Foil

Wie stabil gleitet ein Foil durchs Wasser? Wie früh kommt es raus? Als besonders stabile Low-End-Foils empfanden unsere Probanden beide Naish-Foils, das Starboard als "GT"-Version, mit den beiden großen Flügeln und der kurzen Fuselage, sowie das NeilPryde Aluminium-Foil und das AHD AFS-2. Das NeilPryde F4 wirkt sehr sportlich und leistungsorientiert. Während AHD (Vorserie), BIC und das AHD FS-2 in Vollcarbon-Konstruktion und mit Mast und Fuselage aus einem Teil, dazu mit filigranen, teils scharfkantigen Wings, sehr leicht gestaltet sind, setzen Starboard und NeilPryde (Alu) auf Zerlegbarkeit und Robustheit mit sehr solide wirken Verbindungen.

Starboard bietet mit einem Baukastensystem nahezu jede Kombination aus drei Mastlängen, zwei Front- und zwei Backwings, sowie zwei Fuselages an. Die "GT"-Version mit großem Flügel vorne und großem Back Wing, montiert auf der kurzen Fuselage, flog sich sehr stabil und sicher. Es kommt früh aus dem Wasser und war auch in der Halse besonders gut kontrollierbar. Statt des zum Test vorhandenen 95er-Masts hätten wir gerne den 85er probiert. Das Set-up lässt sich mit dem Starboard Foilboard auch Einsteigern gut empfehlen. Nimmt man vorne den kleineren Flügel (Set-up "Slalom), kommt das Board später aufs Foil, bleibt gut kontrollierbar und fliegt dann mit Mach 2.

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Starboard Foil 147 : Foil Starboard GT : Spot Torbole
Starboard Foil 147 : Foil Starboard GT : Spot Torbole

Das Top-Foil von NeilPryde, das "F4 Carbon", gibt es nur im Set mit zwei Front Wings und sowohl der Preis als auch die Tuningmöglichkeiten empfehlen es nicht unbedingt dem unbedarften Einsteiger. Auch mit großem Frontflügel kommst du erst ins Gleiten, dann geht das Board aufs Foil, die Fluglage ist nicht so stabil wie beim Alumodell. Über den Trimm des hinteren Flügels (+/- 1,5 Grad), kann man das leistungsoptimierte Foil sehr fein tunen,  aber auch viel verstellen. Es geht irre Upwind, wirkt sehr schnell, aber auch etwas anspruchsvoller – eher ein Tipp für bereits erfahrene Foiler, oder Surfer, denen auch beim Foilen Leistung über alles geht.

Das NeilPryde Alu-Foil ist nicht nur vom Preis der Knüller, sondern hinterlässt auch bei unseren Testfahrten einen sehr guten Eindruck. Es kommt schon bei recht geringem Speed aufs Foil, gleitet stabil und fehlerverzeihend, geht im NeilPryde-Board stabil durch die Halse. Die Wings aus GFK haben weniger scharfe Kanten und keine spitzen Flügelenden, was auch der potenziellen Verletzungsgefahr zugute kommt. Gespart wurde durch die Verwendung von Alu für den Mast und GFK bei den Flügeln. Die Verbindung von Mast und Fuselage (ebenfalls Alu) ist verschraubt und wirkt sehr stabil, für den Transport bleibt ein handliches Paket.

Ganz ähnlich gleitet das AHD AFS-2. Für uns ohne Frage die erste Wahl vor dem AFS-1. Das Foil liegt ähnlich stabil im Wasser wie das NeilPryde Aluminium, wirkt noch etwas softer gedämpft, sehr ruhig und ohne Tendenzen, plötzlich unvorhersehbare Dinge zu tun.

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AHD AFS-1 : Foil AHD AFS-1 : Tester Nicholas Slijk : Spot Torbole
AHD AFS-1 : Foil AHD AFS-1 : Tester Nicholas Slijk : Spot Torbole

Naish geht mit eher gedrungenen, großflächigen Flügeln einen eigenen Weg. Das Ergebnis ist der einfachste Zugang zum Foilen. Sehr frühzeitiger, gut zu bändigender Lift für stabile Fluglage und einfachste Halseneigenschaften. Kein Racefoil, sondern für entspanntes "Early Foiling" mit nicht zu großen Segeln.

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Naish Hoover  122 WS : Foil Naish Thrust WS : Spot Torbole
Naish Hoover  122 WS : Foil Naish Thrust WS : Spot Torbole
© Stephan Gölnitz
Naish Hoover 122 WS : Spot Torbole
Naish Hoover 122 WS : Spot Torbole

BIC bietet mit 1799 Euro ein verhältnismäßig günstiges Carbon-Foil an. Der Mast fällt mit nur 68 Zentimetern inklusive Fuselage sehr kurz aus. Das Foil fährt sich easy und stabil, allerdings vermissten wir etwas Reiseflughöhe. Die Bohrungen passten leider nicht mit dem BIC-Board überein, der Kopf war für die anderen Tuttle-Boxen ohne Nachbearbeitung zu dick und zu hoch.

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BIC Techno 147 : Foil BIC Windsurf Foil : Spot Torbole
BIC Techno 147 : Foil BIC Windsurf Foil : Spot Torbole
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JP-Australia Hydrofoil 135 : Foil NeilPryde Alu : Spot Torbole
JP-Australia Hydrofoil 135 : Foil NeilPryde Alu : Spot Torbole

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