Windsurf Fahrtechnik Freestyle: Switch Stance

12.01.2018 Jeanette Kühn - Nur ein kleiner Schritt für einen Pro, aber ein großer Schritt für alle Trickser von morgen. Um fremde Trick-Galaxien zu entdecken, muss man zuerst die Switch-Stance-Rakete starten.

© Sebastian Schöffel
Switch Stance: Bilderserie von links nach rechts (1 - 5)
Switch Stance: Bilderserie von links nach rechts (1 - 5)

Wie du den Umstieg mit Warp 3 meisterst, zeigt dir Freestyle-Vulkanier Riccardo Marca: 

Die Eintrittskarte in die Galaxie der Big Moves löst du mit dem Switch-fahren – egal ob Puneta, Burner oder Skopu, ohne die Anfahrt in verdrehter Fußstellung geht im Freestyle nichts. Je glatter das Wasser, desto einfacher geht’s. Wenn du dann noch gut angepowert aber nicht überpowert bist, sind die Voraussetzungen perfekt.

1)  Sammle so viel Speed wie möglich auf Halbwindkurs und hake dich aus dem Trapez aus. Wenn es dir hilft, kannst du den hinteren Fuß schon mal aus der Schlaufe ziehen und ihn vor die Schlaufe setzen. Ein Wechsel von Schlaufe zu Schlaufe ist aber auch möglich, und von vielen Pros die bevorzugte Variante.

2-3) Häufigstes Problem während der Umsteigphase: Das Brett fällt aus dem Gleiten. Um dies zu vermeiden, musst du mit der Segelhand voll dicht halten und verhindern, zu sehr auf Raumwindkurs abzufallen. Warum? Wie bei einer Halse sinkt der Segelzug ab, je weiter du nach Lee steuerst, das Brett fällt aus dem Gleiten, für hochtrabende Move-Pläne fehlt dir dann die Power. Versuche stattdessen während der Umsteigphase konsequent die Luvkante des Boards zu belasten – du wirst spüren, wie dadurch das Segel weiterhin konstanten Zug entwickelt!

4-5) Warum viele Top-Freestyler ihre Schlaufen auf Elefantengröße fahren, merkt man spätestens an diesem Punkt – je größer eingestellt, desto leichter ist es schlicht und ergreifend, schnell und nahtlos in die Straps zu schlüpfen. Wenn du also Probleme mit dem schnellen Seitenwechsel hast, stelle deine Schlaufen so groß ein, dass der Fuß bis zum Spann reinrutschen kann.

Hast du am Ende des Umstiegs noch genügend Speed, kannst du dir ein geeignetes Plätzchen für den kommenden Absprung aussuchen. Bis dahin bleibt Riccardo konsequent auf der Luvkante (vorgedrückte Knie) und hält das Brett flach auf dem Wasser.


Knackpunkt: Need for speed!

Jeder, der Switch-fahren lernt, kennt es: In der Anfahrt ist noch alles gut, sobald die Füße aber die Stellung wechseln, sinkt der Powerpegel gen Null, für den Absprung fehlt dann oft die Geschwindigkeit. Mit diesen zwei Tricks hältst du den Speed beim Umstieg besser:

Brettbelastung: Egal ob schnöde Powerhalse oder der Umstieg auf Switch, wer das Gewicht zu sehr übers Heck bringt, würgt das Gleiten ab. Pros wie Riccardo schieben daher beim Umsteigen konsequent die Knie nach vorne (6). Dadurch belastest du das Brett weiter vorne, es läuft flach und ohne Speedverlust.
Ein weiteres Problem ist der ungewollte Schlenker nach Lee (9), der passiert, sobald du aus den Luvschlaufen auf die Leeseite des Bretts wechselst – erneut einhergehend mit dem Verlust an Speed und Segelzug. Auch hier helfen die konsequent vorgedrückten Knie und ein Nach-Luv-Kippen des Oberkörpers (8).

© Sebastian Schöffel
Bild 6
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© Eva Chiochetti
Bild 8
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© Eva Chiochetti
Bild 9
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Segelkontrolle: Ein weiterer Grund für den Speedverlust beim Umsteigen ist, dass beim Wechsel auf Switch die Segelstellung unbewusst geändert und das Segel aufgefiert wird. Der Grund: In Switch drehen sich Hüfte, Oberkörper und damit auch das Segel per Kettenreaktion mit. Ohne Speedverlust geht’s aber nur mit konsequent dichtgeholtem Segel, der Segelarm bleibt also maximal gebeugt (7).

© Sebastian Schöffel
Bild 7
Bild 7

surf-Tipp: Greife bereits vor dem Umsteigen mit der hinteren Hand weit nach hinten, das erleichtert das Dichthalten ungemein!


Mogelpackung: Halse into Switch

Sicher nicht die Ideallösung aber eine legitime Schummelei ist es am Anfang, statt des Umsteigens einfach eine Halse in den Schlaufen zu fahren (10-12) und dann Switch in die neue Richtung weiterzugleiten. Vor allem bei kabbeligen Bedingungen kann man auf diese Weise schon an den eigentlichen Moves üben, ohne das Umsteigen perfek-tioniert zu haben.

© Eva Chiochetti
Halse into Switch
Halse into Switch

Viel Spaß beim Üben, eurer Riccardo


© John Carter
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