Rezension: "Boarderlines - Fuck You Happiness"

22.04.2016 Jenny Eschenbach - "Boarderlines - Fuck You Happiness", die Fortsetzung von Andreas Brendts Debütroman "Boarderlines" ist nun auch als Taschenbuch im Handel erhältlich. Wir haben für euch schon einmal vorgelesen.

© Andreas Brendt

"Fuck You Happiness" ist die Fortsetzung des Debütromans "Boarderlines" von Andreas Brendt. 1974 in Köln geboren, entdeckte er während des Studiums das Wellenreiten für sich, packte nach seinem Abschluss seine Taschen und reiste zehn Jahre kreuz und quer über den Globus. Um Abenteuer und Unbeständigkeit, pure Lebensfreude, Einsamkeit, besondere Freundschaften und Wellen ging es im ersten Roman. In einer spontanen Aktion bewarb er sich schließlich auf einen Referendariatsplatz in Köln und damit begann ein neuer Lebensabschnitt: Um sein Abenteuer Sesshaftigkeit mit festem Job und wiederkehrendem Alltag, um Deutschland im Selbstversuch, eine große Liebe, fernöstliche Philosophien, das Feiern des täglichen Lebens und das Straucheln, den immer wieder notwendigen Aufbruch, die Reisen und die Wellen geht es in seinem neuen, zweiten Roman.

Alles Neue ist spannend. Und so kann auch der Alltag Abenteuer sein: Mal gemütliche, mal ausufernde Abende mit alten Freunden, eine eigene Wohnung und ein fester Job. So startet Andi, mit ein paar Zweifeln, aber doch voller Motivation und gespannter Erwartung in sein zweijähriges Referendariat, frei nach dem Motto: "Hütte im Dschungel kann ja jeder."

Doch schon bald fragt er sich, warum er sein Leben auf Reisen aufgegeben hat. "Ich war reisemüde … oder einsam. Bereit für Neues. Aber auch bereit für eine Kehrseite? Was ist die Kehrseite? Dass ich gar nicht mehr ich selbst bin." In den Herbstferien surft er sich die Zweifel in Sri Lanka von der Seele, schwänzt den ersten Montag nach den Ferien, weil die Flüge sonst nicht bezahlbar wären und bekommt mit seinem ersten Verweis in seine Akte, "eine Ahnung, wie er funktioniert, der deutsche Beamtenapparat".

Aber wenn der Frust wächst und der Alltag um sich greift, "gewinnt eine andere Lebenskomponente an Schwung: Die Freundschaft. Geteiltes Leid ist halbes Leid, und mit Alex ist geteiltes Leid doppelt so lustig." So werden Regeln und Vorgesetzte, Unterrichtvorbereitungen und dröge Pädagogiktheorien erträglich, der Unvernunft sei Dank.

© AdrianBallosch&wearecity
Andreas Brendt - Autor von "Boarderlines"
Andreas Brendt - Autor von "Boarderlines"

Und dann lernt er Paula kennen. "Der kleine Zwerg mit dem großen Herzen und Andi, der nicht weiß, was Liebe ist. Er ist überwältigt, weil sein Leben einen Sinn bekommen hat. Sie überrumpelt, weil das vielleicht zu viel des Guten ist. Oder weil sie schon immer Angst vor Ketten hatte." Paula braucht Zeit und Andi strauchelt wieder. Silvester verbringt er alleine im Senegal und findet etwas zurück zu seiner Ruhe. "Es ist wunderbar, wenn man mit dem Alleinsein so zufrieden ist. Und in diesem Moment ist einfach alles in Ordnung." Und schließlich wendet sich das Blatt, die Liebe nimmt seinen Lauf und das Leben wirkt leichter.

Und so geht es auf und ab, wie das Leben eben seinen Lauf nimmt. "Das Einzige, was bleibt, das Einzige, was in den schweren Momenten zur Seite steht, ist das universelle Gesetz: Alles kommt, alles geht." Und so ist auch das Referendariat, wie jede einzelne Krise, irgendwann überstanden, das Experiment Deutschland zu Ende und Andi und Paula gehen gemeinsam auf Reisen. In Südamerika werden Kokosnüsse bezwungen, Wellen und Momente geteilt und das Leben geliebt.

Doch Paula muss irgendwann zurück und Andi entscheidet sich schließlich für ein geregeltes Leben "mit der Aussicht auf Aufbruch". "Weil alleine unterwegs zu sein auf Dauer langweilig wird und [er] aber auch Meer braucht, um den Kampf mit der Routine zu gewinnen." Und so wird er Berufsschullehrer. Sie ziehen zusammen, mal reisen sie, mal feiern sie den Alltag und das Leben, mal verzweifeln sie. Doch "alles kommt, alles geht". Und so geht auch ihre Beziehung zu Ende, Andi stürzt tief und reist und surft, um wieder das fliegen zu lernen. Die Reise führt ihn durch Meditationen, ein Vipassana – zehn Tage Gleichmut üben, zehn Tage ohne sprechen, zehn Tage nur für sich selbst sein, zehn Tage bis zur reinen Wahrheit – bis hin zu einer einmaligen Begegnung auf der hawaiianischen Insel Maui, die Andi schließlich zu sich selbst und zu innerer Zufriedenheit führt.

© Andreas Brendt

Unter dem Motto "Live is like a book. And those who just surf only know one page” steht dieser zweiter Teil von "Boarderlines”. Andreas Brendt nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen des alltäglichen Lebens, durch fesselnde Alltagstrukturen und die Leichtigkeit der Liebe, durch die Flucht vor sich selbst und zeigt seinen Weg zu sich selbst. So geht es um das Herz eines Surfers, um Gedanken, Gefühle und Lebensphilosophien.
Offen, ehrlich, direkt, mal spannend, mal lustig, mal verzweifelt, mal traurig, mal voller Lebensweisheit, dann wieder am Straucheln – der Leser kann mit fühlen, mit erleben und mit reisen. Ein absolut lesenwertes Buch, das sowohl zum Träumen als auch zum Nachdenken anregt.

© Conbook Verlag
"Boarderlines - Fuck You Happiness" von Andreas Brendt
"Boarderlines - Fuck You Happiness" von Andreas Brendt

Titel: Boarderlines – Fuck You Happiness
Autor: Andreas Brendt
Preis: 10,95 €
ISBN: 978-3-95889-117-3

Ab Mitte April 2016 ist das Buch als Taschenbuch auch im Buchhandel erhältlich. Weitere Infos zum Buch, Autor und eine Leseprobe findet ihr im Conbook Verlag und auf der Seite des Autors.

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