“Wenn Leute am Spot auftauchen, die mich nicht kennen, gibt’s schon mal Getuschel. Einige lachen mich eben sogar aus”, erklärt Bart, “am Anfang hat mir das weh getan. Die Typen haben ja keine Ahnung, wie Windsurfen bei mir früher ausgesehen hat!”
Früher ist vielleicht sechs oder sieben Jahre her. Damals galt der gebürtige Belgier als Favoritenschreck auf der PWA-Tour. Niemand freute sich, wenn er beim Worldcup in Pozo gegen den Teneriffa- Local antreten musste. Barts Windsurfstyle war einmalig. “Bei Bart sah alles immer mega-radikal aus”, erklärt Freund und Windsurfbuddy Dany Bruch, “er hat die Wellen damals regelrecht zerschlitzt. Als hätte er mit jeder einzelnen eine Rechnung offen!” Bart sprang schon doppelte Frontloops nahezu trocken, als diese in den Heats der Wave-Worldcups noch eine absolute Rarität waren.
Doch dann begann ein langer, quälender Leidensweg. Zunächst schlitzte er sich mit der Finne den kompletten Oberschenkel auf – der Grund für die imposante Narbe. Die riesige Wunde verheilte nur schleppend und entzündete sich immer wieder. “Sie wollten mir damals sogar das Bein abnehmen”, berichtet Bart. Als er sich schließlich fast von der schweren Verletzung erholt hatte, stellten die Ärzte starke Überlastungserscheinungen vor allem im rechten Unterschenkel und Fuß fest. Bart wurde erneut mehrfach operiert. Meist flog er dafür sogar nach Belgien, um eine bessere medizinische Versorgung zu bekommen. “Ich habe jetzt eine Art Manschette um die Knochen im Fuß. Die Knochen würden sonst ständig kleine Splitter verlieren. Natürlich war das Erste, was mir alle Ärzte einhellig sagten: ‚Nie wieder Windsurfen!” Die Belastung der Füße in den Fußschlaufen wären einfach zu groß gewesen.
Aber statt das Windsurfen aufzugeben, überlegte Bart wie er mit weniger Belastung für seine Füße doch wieder aufs Brett steigen konnte: “Zunächst nahm ich einfach eines meiner Surfing- Longboards und laminierte eine Mastschiene ein. Wellen abreiten ging damit echt gut und machte richtig Spaß. Ich war sowieso beim Wellenreiten immer schon auf Longboards unterwegs. Ich konnte sogar gleiten. Aber an Springen war damit natürlich nicht zu denken.” Bart entwickelte die schlaufenlose Technik weiter. Seine Boards wurden kleiner und er surfte auch wieder auf Windsurfbrettern.
Er klebte sich sogar Abflussrohre aufs Heck und shapte diese so lange, bis er seine Füße ein bisschen einkeilen konnte. Dadurch hatte er wieder mehr Kontakt zum Brett und fing sogar wieder an zu springen. “Schließlich fand ich diese aufgebogenen Footpads, die eigentlich auf Kiteboards verwendet werden. Das ist ideal. Ich habe damit einen super Halt und es belastet meine Gelenke kaum.”
Das gesamte Portrait von Bart David lest ihr als PDF
Text Florian Gebbert, Fotos: J. Stolz, BSP Media, L. Rutz
Um ein Haar wäre die Surfkarriere von Bart David beendet gewesen und sogar eine Beinamputation wäre beinahe nötig gewesen.
Den Kitern sei Dank: Anfangs mussten halbierte Abflussrohre als Schlaufenersatz herhalten. Aber die Kite-Keile sind natürlich viel bequemer und ermöglichen Bart radikales Windsurfen.
Ohne Schlaufen sieht der Cutback schon sehr radikal aus.
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