Frisches Blut im World Cup: Interview mit Malte Reuscher

25.01.2017 Manuel Vogel - Wer hätte das gedacht – eigentlich ist er ein Hamburger Jung, und dann fährt er im Worldcup für Italien in den letzten Jahren Top-Ten-Ergebnisse im Slalom ein. Doch damit ist jetzt Schluss, Malte Reuscher hat seine Segelnummer ITA-7777 gegen GER-7777 getauscht und startet nun für Deutschland.

© John Carter/PWA
Malte Reuscher (GER 7777)
Malte Reuscher (GER 7777)

Beim Summer Opening, dem Auftakt der DWC-Saison, tauchte in diesem Frühjahr plötzlich ein neuer Konkurrent für Langer, Asmussen und Co auf. Malte Reuscher, der im vergangenen Jahr mit einem zweiten Platz beim PWA-Worldcup in Alaçati in die Weltspitze im Slalom vorgestoßen war, trat auf Sylt plötzlich unter neuer Flagge an. Statt ITA-7777 prangte in seinem Pryde-Segel plötzlich GER-7777 und zum Einstand gewann er gleich einmal den ersten Slalom der Saison. Beim ersten PWA-Slalom 2016 in Süd­korea fuhr er danach gleich mit Platz sechs das erste Top-Ten-Ergebnis seit langer Zeit für einen unter deutscher Flagge startenden Surfer ein.

Malte, wir kannten dich bislang nur als aufstrebendes Slalom-Talent aus Italien. Jetzt startest du plötzlich für Deutschland. Wie ist es dazu gekommen?
Dafür gibt es viele Gründe, sie jetzt alle aufzuzählen wäre zu lang. In erster Linie bin ich nun mal ein halber Deutscher. Ich bin in Hamburg geboren. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Italiener, aber ich habe einen deutschen Pass. Ich habe in den letzten fünf Jahren am PWA-Worldcup teilgenommen und da hat mich das Rennen auf Sylt immer fasziniert. Und dann kommt noch dazu, dass ich auf Sylt meine Freundin kennengelernt habe, das ist doch Grund genug.

Was ist jetzt plötzlich deine Motivation, auf der deutschen Windsurf-Cup-Tour zu starten?
Ich habe viele deutsche Surfer auf Sylt kennengelernt, die leider nicht am Worldcup teilnehmen. Mich mit denen mal zu messen, war schon immer mein Traum.

Wo bist du aufgewachsen?
Ich bin auf der Insel Elba groß geworden. Meine Eltern haben dort eine Surfschule, und das Surfen habe ich mit fünf Jahren gelernt.

Welche Verbindungen hast du zu Deutschland?
Viele – Familie, Freunde, Sympathie und Liebe.

© John Carter/PWA
Malte Reuscher (GER 7777)
Malte Reuscher (GER 7777)

Ist dein Trainingsrevier, wie von vielen anderen italienischen Racern und deutschen Hobbysurfern, der Gardasee?
Nein, den Gardasee liebe ich nicht besonders. Am liebsten surfe ich hier bei mir zuhause auf Elba – ein Traumplatz.

Bist du schon mal an anderen Spots in Deutschland als Sylt gesurft?
Leider nein. Ich habe schon von vielen guten Revieren in Norddeutschland gehört und möchte sie unbedingt mal ausprobieren. Allerdings bin ich durch den Worldcup an feste Termine gebunden und konnte deshalb auch den DWC nicht beenden.

In Italien gibt es sehr viele gute Slalomfahrer, die auch im Worldcup ganz vorne mitmischen. Aus Deutschland war in den letzten Jahren nur Sebas­tian Kördel regelmäßig auf der PWA-Tour dabei. Warum gibt es in Italien so viel gute Racer?
In erster Linie liegt das bestimmt am Klima. Wer kann schon jeden Tag auch im Winter in Deutschland surfen gehen. Und natürlich hilft in Italien auch die geographische Lage. Man ist von jedem Ort in Italien ziemlich schnell an der Küste.

Im letzten Jahr bist du in der PWA-Jahreswertung auf Platz 13 gelandet. Dein zweiter Platz in Alaçati war dabei das herausragende Ergebnis und hat dein Potenzial gezeigt. Was ist dein Ziel für 2016?
Klar möchte ich den Worldcup gewinnen, aber in den ersten zehn der Rangliste zu stehen, wäre natürlich auch schon toll.

PROFIL MALTE REUSCHER

© John Carter/PWA
Malte Reuscher (GER 7777)
Malte Reuscher (GER 7777)

Alter: 26Jahre
Geboren: 17. Januar 1990
Wohnort: Capoliveri/Elba
Größe/Gewicht: 190 cm/93 Kilo
Surft seit: 1996
Größter Erfolg: 2. Platz PWA-Slalom Alaçati 2015
Lieblingsspots: Lido di Capoliveri auf Elba und Alaçati in der Türkei
Lieblingsdisziplin: Slalom
Hobbies: Mountainbiken, Dronen fliegen
Sponsoren: JP-Australia, NeilPryde, NP Surf, Tce Elba
Website: facebook/malteReuscherGER7777
 

© Ronny Kiaulehn
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 7/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe ist leider vergriffen.
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