Interview: Caterina Stenta

29.09.2016 Andreas Erbe - Es ist ein Elend für die Damen im Wave-Worldcup. Daida und Iballa Moreno stehlen dem Rest des Feldes regelmäßig die Show, die Titel und das Preisgeld. Trotzdem gibt es ab Platz drei hochmotivierte und talentierte Surferinnen – eine von ihnen ist die Italienerin Caterina Stenta.

© Privatfoto

Es ist schon bewundernswert, dass es immer noch junge Surferinnen gibt, die in den Worldcup einsteigen. Seit über einem Jahrzehnt dominieren die Zwillinge Daida und Iballa Moreno die Wave-Disziplin nach Belieben. Wer in der ersten Runde eines Worldcups gegen eine der beiden antreten muss, kann sich eigentlich schon mal auf die Double Elimination konzentrieren. In der Realität geht es auf der Tour seit Jahren nur darum, wer den dritten Platz auf dem Podium ergattern kann. Aber auch daraus beziehen die Damen jede Menge Motivation und irgendwann, so hoffen sie, geht auch mal die Twin-Ära vorüber. Eine dieser hoch motivierten Surferinnen ist die 27-jährige Caterina Stenta aus Italien.

Ist es nicht frustrierend, dass es im Worldcup zwei Damen gibt, die praktisch unschlagbar für euch sind?
Klar ist das auf einer Seite frustrierend. Aber wir wissen das ja alle und wir wissen auch, dass Daida und Iballa einfach die besten Voraussetzungen haben. Sie können das ganze Jahr windsurfen und auch davon leben. Auf der anderen Seite gibt mir das auch Motivation, immer besser zu werden. Den anderen Mädchen auch. Wir versuchen immer besser zu werden und unser Niveau zu steigern.

Du stammst aus Triest in Italien, lebst aber zurzeit in Barcelona. Erzähl mal, was du dort machst.
Ich habe Ingenieurwesen für Materialkunde in Lissabon studiert und dort meinen Master gemacht. Jetzt habe ich für drei Jahre ein Dokorat in Barcelona und schreibe meine Doktorarbeit im Bereich Solarenergie. Ich mag es, wissenschaftlich zu arbeiten.

Bleibt da überhaupt Zeit, um für den Worldcup zu trainieren?
Das Stipendium verschafft mir die Möglichkeit, dass ich relativ viel trainieren kann. Im letzten Jahr habe ich mir überlegt, ob ich das Windsurfen mehr in den Hintergrund stellen soll, doch ich habe mich dafür entschieden, mich jetzt ein Jahr komplett auf das Surfen zu konzentrieren. Ich werde nach Südafrika zum RRD-Fotoshooting gehen und dann auf die Kanaren. Ich möchte mich auf jeden Fall weiter verbessern. 2015 habe ich in Pozo den sechsten Platz und auf Teneriffa den neunten Platz belegt. Leider konnte ich nicht zum Worldcup nach Maui, deshalb bin ich nur Zehnte in der Rangliste. Aber mein Ziel sind die Top Five.

Glaubst du, Diada und Iballa sind zu schlagen?
Sie haben die Möglichkeit, Windsurfen wirklich professionell zu betreiben. Wir anderen sind höchstens Semi-Profis. Wir brauchen alle einen Job, um uns das Surfen im Worldcup erlauben zu können. Ich glaube, wenn ich mich drei Jahre ausschließlich aufs Windsurfen konzentrieren könnte, hätte ich eine Chance.

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Ganz schön radikal, Frau Doktor. Caterina Stenta führt zwar (noch) nicht den Titel, ist aber auf dem besten Weg dorthin. Auch im Waveriding möchte die Italie­nerin mal einen Weltmeistertitel tragen.
Ganz schön radikal, Frau Doktor. Caterina Stenta führt zwar (noch) nicht den Titel, ist aber auf dem besten Weg dorthin. Auch im Waveriding möchte die Italie­nerin mal einen Weltmeistertitel tragen.

Das klingt selbstbewusst und ehrgeizig. Du warst vor deiner Windsurfkarriere Kunstturnerin. Hat dir das beim Windsurfen geholfen?
Ich habe geturnt seit ich fünf war und war ziemlich gut. Das hat mir sicher bei der Koordination und bei der Fitness geholfen. Aber beim Windsurfen hast du ja auch immer das Material, das du mit koordinieren musst. Allerdings hat mir das Turnen sicher ein bisschen die Angst vor dem Springen genommen.

Bei den Worldcups werdet ihr Damen, sagen wir’s mal vorsichtig, nicht immer bei den besten Bedingungen rausgeschickt. Nervt das?
Das ist natürlich nicht immer schön. Aber auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen. Bei den Männern herrscht einfach insgesamt ein viel höheres Niveau, da ist es verständlich, dass sie den Vorrang haben. Wir haben einmal mit der PWA überlegt, ob es getrennte Worldcups für die Männer und Damen geben könnte. Doch dazu gibt es zu wenig Sponsoren. 

Bekommst du von den Sponsoren genügend Geld, dass du die Tour finanzieren kannst?
Ohne meine Doktorantenstelle in Bar­celona würde es nicht gehen. Mein Hauptsponsor ist Roberto Ricci für meine Boards und Segel und von ihnen bekomme ich auch noch ein kleines Budget, weil ich viel für sie im Social-Media-Bereich mache. Dann habe ich mit Reptile-Masten und Maui Ultra Fins noch zwei Materialsponsoren – außerdem stellt mir eine Firma meine Bikinis (lacht).

Wer sind 2016 deine Hauptgegnerinnen im Worldcup?
Das ist schwer zu sagen. Steffi Wahl, Alice Arutkin, Justyna Sniady und Amanda Beenen sind immer schwer zu schlagen, mal sehen, wie sie sich weiter entwickeln. Sarah-Quita ist vor allem bei den Sprüngen sehr gut geworden. Aber da versuche ich gerade auch zuzulegen und vor allem den Backloop immer sicher zu stehen – wie gesagt, ich glaube die Top Five sind dieses Jahr drin.

© Privatfoto
"Wenn ich mich drei Jahre voll aufs Windsurfen konzentrieren könnte, glaube ich, dass ich Iballa und Daida schlagen könnte”
"Wenn ich mich drei Jahre voll aufs Windsurfen konzentrieren könnte, glaube ich, dass ich Iballa und Daida schlagen könnte”

Info:
Alter:
27 Jahre
Geboren in: Triest/Italien
Wohnort: Barcelona
Beruf: Doktorandin
Surft seit... sie zehn ist, seit sie 16  ist ernsthaft
Regattadebüt im Worldcup: 2013
Erfolge: 2015 Platz 6 beim Worldcup in Pozo, Platz 9 auf Teneriffa, 2014 Platz 5 in Pozo
Lieblingsspots: Pozo, Haagkat und Cape Point in Südafrika und Carro in Frankreich
Lieblingsmoves: Backloop und Taka. "Aber die kann ich nocht nicht perfekt"
Hobbies: Skitouren
Sponsoren: RRD (Board und Segel), Reptile (Masten), Maui Ultra Fins
Media: instagram.com/caterina_stenta/
twitter.com/catewind
www.caterinastenta.com

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