Interview mit Daida und Iballa Moreno

19.12.2012 Steve Chismar - Wenn man die Moreno-Twins Daida und Iballa beschreiben will, dann fallen einem spontan einige Attribute ein – erfolgreich, stark, radikal, dominant, hübsch. Beste Voraussetzungen für ein sorgenfreies Leben. Doch hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. In diesem Interview packen die beiden besten Wave-Surferinnen der Welt einmal richtig aus. Sie sprechen offen über Krankheit, Frust, Macho-Gehabe, ewigen Kampf und warum sie trotzdem glücklich sind.

© John Carter

Manchmal steht das Leben auf dem Kopf. Spätestens nach dem Worldcup in Pozo, den die Moreno-Sisters im Auftrag der PWA selbst organisiert haben, ist es nicht zu verleugnen: Daidas Haare sind verdächtig kurz. Sie scheint schwer krank gewesen zu sein. Lange hat sie es verschwiegen. Vielleicht, um sich selber zu schützen. Jeder hat seine Art, mit einer kritischen Diagnose umzugehen. Das ist in Ordnung so.

Vor etwas acht Monaten diagnostizieren die Ärzte bei der 34-jährigen Ausnahmeathletin (17 Weltmeistertitel) einen Tumor in den Eierstöcken. Sie muss sofort operiert werden. Nach der OP erfährt sie von der Bösartigkeit des Geschwürs. Der Horror geht weiter. Sie unterzieht sich einer dreimonatigen Chemotherapie. Im Schockzustand erkennt sie nun ihre plötzliche Verletzbarkeit, hat Angst, gibt aber nicht auf. Ein hormonelles Problem und die Tatsache, dass sie drei Wochen lang wieder Laufen lernen musste, halten sie nicht davon ab, positiv zu denken – wie im Wettkampf weiter zu machen. Einen Heat nach dem anderen.

Vor Pozo, wo sie und ihre Zwillingsschwester Iballa surfen gelernt haben, vollbringt sie 2012 das Wunder: Sie verliert nur acht Monate nach ihrer Diagnose knapp gegen Iballa im Finale des Worldcups. Sie beweist, wie kopfstark sie für ihre Worldcup-Dominanz sein musste und wieviel stärker sie für den guten Umgang mit ihrer Krankheit und ihrem heimlichen Comeback bisher war.

Die Interviews dieser zwei erstaunlichen Frauen von Gran Canaria wurden kurz vor dem Pozo-Contest ohne Wissen der Diagnose geführt. Erst nach dem Worldcup erfuhren wir von Daidas Krankheit und fügten zusätzliche Fragen an die Interviews an.

AUSZÜGE DES INTERVIEWS MIT DAIDA MORENO

Was hat sich in den letzten zehn Jahren bei dir geändert?
Alles.

Du bist nicht die gleiche Person?
Natürlich nicht.

Du dominierst mit deiner Schwester den Worldcup nach wie vor, siehst für mich gleich us.
Ich glaube, es ist normal, sich dem Leben anzupassen und sich zu ändern. Es ist normal von guten und von schlechten Erfahrungen zu
lernen.

Schlechte Erfahrungen? Erzähl!

Meine Mutter ist vor acht Jahren gestorben, dann die Sache mit meinem Autoverleih, das läuft jetzt übers Gericht, die haben mich um 30000 Dollar geprellt. Der schlimmste Schlag war aber meine Krebsdiagnose Ende letzten Jahres. Ich hab’ es bis zum Worldcup Pozo niemandem erzählt. Wollte den Prozess alleine und mit der Familie durchstehen.

Uns waren deine kurzen Haare aufgefallen. Was haben die Ärzte diagnostiziert?

Sie haben einen 13 Zentimeter großen Tumor in meinen Eierstöcken gefunden. Sie mussten sofort operieren. Die Autopsie hat einen bösartigen Krebs ergeben. Die gute Nachricht: Er ha nicht gestreut, die schlechte: Ich musste drei Monate lang Chemotherapie machen.

Was hat dir während der Therapie am meisten geholfen?
Meine Familie und Freunde, aber auch die unglaublich guten Ärzte und Therapeuten. Mein Physiotherapiestudium hat mir ebenfalls viel geholfen, die Gedanken im Fokus zu halten.

© John Carter
Alles was die Industrie macht ist, uns mit den Jungs zu vergleichen. Das ist verrückt.
Alles was die Industrie macht ist, uns mit den Jungs zu vergleichen. Das ist verrückt.

AUSZÜGE DES INTERVIEWS MIT IBALLA MORENO

Wieviel wiegt eine Surfgöttin?

Bin ich das? Danke, ich wiege 60 Kilo, wie früher, aber ich bin viel fitter. Mit Windsurfen und SUP bin ich immer auf dem Wasser und war lange nicht mehr verletzt. Yippee!

Wie hast du die schwere Diagnose deiner Schwester weggesteckt?

Es war ein großer Schock, ein Albtraum. Aber wir haben zusammengehalten und sie hat es gut überstanden. Ich bin stolz auf sie. Sie war vor ihrer Diagnose als Surferin ein großes Vorbild und jetzt ist sie für uns und die Welt ein noch größeres Vorbild, wie man mit mentaler Stärke so einen Schlag gut wegstecken kann. In der Zwischenzeit habe ich viel für uns gemacht, bin gereist, und ich versuche, jede Minute meines Lebens zu genießen. Das Wichtigste ist: Wir beide surfen wieder zusammen und sind fit und gesund.

Und ganz nebenbei habt ihr den Event in Pozo mit riesigem Erfolg organisiert. Wie schafft ihr das bloß?

Wir waren wirklich am Ende. Aber es fühlt sich gut an, und die Fahrer, die PWA und die Zuschauer waren alle sehr zufrieden.

© John Carter
Ich fühle mich wie eine Heldin. (Daida)
Ich fühle mich wie eine Heldin. (Daida)

Schon lang ist’s her, seit unserem letzten Interview: Zehn Jahre um genau zu sein!

Es wurde Zeit! Ihr wolltet nichts mehr von uns hören oder von den Frauen.

Ich bin ganz gespannt, was du zu sagen hast. Sprich:

Die wichtigste Änderung war unser Sponsorwechsel zu Starboard/Severne. Das motiviert uns jetzt noch mehr.

Jetzt hör mir bloß mit Sponsoren auf. Wir haben uns zehn Jahre nicht gesprochen!

Wir fahren nach wie vor im Worldcup, seit drei Jahren aber nur noch das Waveriding. Das war immer unsere wahre Liebe.

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