Jan-Moritz Bochnia

20.05.2016 Manuel Vogel - Slalom, Racing, Wave – beim Euro Cup Sylt 2015 landete der erst 19-jährige Kieler in allen drei Disziplinen in den Top Ten. Grund genug, ihn euch im Kurzporträt vorzustellen.

© Surf Medano
Jan-Moritz Bochnia in Aktion
Jan-Moritz Bochnia in Aktion

Jan oder Moritz?
Ich werde meistens Moritz genannt. Den Namen Jan habe ich, weil mein zweites Zuhause Holland war und meine Eltern mir auch noch einen holländischen Vornamen geben wollten.

Nach dem du mehrmals die Jugendwertungen im DWC gewonnen hattest, scheinst du jetzt auch bei den "Großen" angekommen zu sein. Was ist der Grund, dass es stetig bergauf geht?
Ich glaube, der Grund dafür ist, dass ich einfach ganz viel auf dem Wasser bin. Natürlich habe ich mit Vincent Langer auch den besten Trainingspartner gefunden. Vinci unterstützt mich in allen Bereichen, vom normalen Slalom- und Formula-Training bis zur Sponsorensuche. Im Winter war ich auch noch zwei Monate auf Teneriffa und konnte mit vielen Weltklasse-Windsurfern trainieren. Im Herbst gehe ich dann auch viel in die Welle oder zum Freestylen.

Du bist mit einigen der besten Fahrer der Szene unterwegs. Hast du dir bewusst solche Sparingspartner gesucht, oder hat sich das einfach ergeben?
Vincent Langer hat mich 2012 zur Formula-WM nach Lettland mitgenommen und seitdem sind wir sehr gute Freunde. Ich hole mir aber auch ganz bewusst Tipps und Tricks von anderen guten Windsurfern, um Fortschritte zu machen.

Was kannst du von den Top-Fahrern lernen?
Vor allem kann ich lernen, mein Material richtig einzustellen. Es kommen aber auch noch andere Bereiche wie Taktik auf dem Regattakurs, Technik und die Medienpräsenz hinzu. Die meisten Fahrer sind bei solchen Sachen sehr hilfs-bereit und geben gerne Tipps.

© Andrzej Józwik
Den letzten Winter verbrachte Jan-Moritz mit einigen Worldcuppern zum Trainieren auf Teneriffa. Auch seinem Level in der Welle hat das scheinbar nicht geschadet.
Den letzten Winter verbrachte Jan-Moritz mit einigen Worldcuppern zum Trainieren auf Teneriffa. Auch seinem Level in der Welle hat das scheinbar nicht geschadet.

Du bist als Münsteraner nicht unbedingt am "Nabel der Windsurfwelt" geboren. Was muss man als junger Kerl aus dem Binnenland machen, um trotzdem erfolgreich zu windsurfen?
Meine Eltern haben einen Wohnwagen am Ijsselmeer, wo wir früher nahezu jedes Wochenende hingefahren sind. Der Dümmer ist auch nur eine Stunde von meiner Heimat entfernt, also war ich, sobald der Wind zum Gleiten gereicht hat, am See. Da ich aber erst seit September 2013 selber Auto fahren darf, war ich auf meine Eltern oder Freunde angewiesen. Ansonsten hab ich einfach alles aufs Windsurfen ausgerichtet: Für die Schule gelernt wurde, wenn kein Wind war oder ich abends vom Surfen zurückgekommen bin. Auch die eine oder andere Party musste ausfallen. Ehrlich gesagt hatte ich auch oft kein Geld für andere Freizeit­aktivitäten, all mein Erspartes wurde in neues Material investiert.

Du bist gleich in drei Disziplinen aktiv, warst auf Sylt überall in den Top Ten. Insgesamt geht der Trend bei Contests aber zur Spezialisierung, kaum jemand kann in allen Disziplinen Top-Niveau erreichen. Kann man es sich noch leisten, alles zu machen?
Mein Fokus liegt eindeutig auf Slalom. Auf Sylt war das Niveau im Slalom ziemlich hoch, deswegen freue ich mich über diese Top-10-Platzierung am meisten. Im Zweifel lass ich auch mal einen Wellentag in Dänemark sausen und gehe Slalomfahren, um mich dort weiterzuentwickeln. Für mich ist Slalom einfach die spaßigste Disziplin. "Leisten" kann ich es mir auch nicht wirklich, alle Disziplinen gleich abzudecken. Mein Slalommaterial ist neu, der Rest teilweise schon älter. Da muss man Prioritäten setzen.

Du gehörst eher zu den stilleren Vertretern der Zunft. Gehen dir Leute mit großer Klappe auf die Nerven?
Ich höre da gar nicht richtig hin, wenn jemand eine große Klappe hat. Man muss aber auch selber aufpassen, was man sagt. Wenn man eine gute Regatta hat, passiert es sonst, dass man selbst derjenige ist, der große Töne spuckt.

Wie geht’s weiter? Profi oder Plan B?
Nach meinem Abi im letzten Jahr kann ich mich jetzt ein Jahr ganz auf das Surfen konzentrieren. Daher ist mein Alltag zurzeit entspannt. Aktuell bewerbe ich mich gerade an Unis, weil ich studieren möchte. Die nächsten Jahre möchte ich neben der Uni aber auch noch viel surfen. Die deutsche Tour und einige internationale Events sind in den nächsten Jahren fest eingeplant.

© Moritz Beck
Jan-Moritz Bochnia - sehr gelassen unterwegs
Jan-Moritz Bochnia - sehr gelassen unterwegs

INFO Jan-Moritz Bochnia

Alter: 19 Jahre
Geboren: 4.9.1995
Wohnort: Kiel
Beruf: Windsurfer
Größe/Gewicht: 180 cm/80 Kilo
Surft seit: 2004
Regattadebüt: 2010
Segelnummer: GER-9
Erfolge: Ranglisten-Sieger U17 2010-2012, Ranglisten-Sieger U20 2014, DWC Fehmarn 2015 6 Platz, Euro Cup Sylt 8. Platz 2015
Lieblingsspots: Heidkate, Hindeloopen, Klitmøller/Hanstholm
Lieblingsmove: Backloop
Ruhe oder Punkrock?: Vor dem Heat: Ruhe!
Inspiration/Vorbild: Vincent Langer, Helge Wilkens
Sponsoren: Point-7, RRD, GEARfreak.nl, LVM Versicherung, XCEL
Facebook: Moritz Bochnia Ger-9

© Sebastian Schöffel
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 6/2015 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen.
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