Ägypten: Spot El Gouna

25.10.2016 Dirk Herpel - Unsereins träumt vom Reihenhaus, ägyptische Großindustrielle bauen sich gleich mal eine eigene Stadt. Gerade mal 30 Kilometer vom Flughafen von Hurghada entfernt, ist so eine Ferienstadt mit europäischem Flair entstanden. Kitern ist El Gouna schon länger ein Begriff. Doch nun lockt ein neues Center auch Windsurfer ins ägyptische Disneyland – feinstes Flachwasser, Windgarantie und Badewannentemperaturen inklusive.

© Surf-Station

Die Füße baumeln im warmen Wasser, ich hab mich für eine kurze Pause auf mein Board gesetzt. Interessanter Blick von hier aufs Land. Links Wüste, rechts Wüste und in der Mitte liegt etwas, das dem Millenium-Falken entfernt ähnlich sieht. Wären da nicht die türkisen Träger, könnte man meinen, Han Solo wäre mal kurz bei seinem Kumpel Luke für ein Bierchen gelandet. Auch wenn ich jetzt alle Star Wars-Fans enttäusche, ist natürlich nicht so. Das Raumschiff, das hier nördlich von El Gouna gelandet ist und von dem aus ich vor fünf Minuten auf eine Flachwasser-Entdeckungstour gegangen bin, ist die neue Element Watersports Station. Klar, es ist nicht die erste Station, die in dieser Ecke des Roten Meeres eröffnet hat.

Aber es ist die erste in El Gouna, die neben Kitesurfing auch auf Windsurfen setzt. Als Leihmaterial steht die komplette F2-Palette – Wave- und Freestyleboards, Freerider und Slalomheizer samt zugehörigen­ Riggs –­ zur  erfügung. Wer lieber sein eigenes Board unter den Füßen haben möchte, der kann es easy im großzügigen Boardstorage lagern. Betritt man die halbrund aufgebaute Station über den Mitteltrakt, ist die linke Hälfe für Windsurfer reserviert, in der Rechten befinden sich die Storage-Möglichkeiten und das Leihma­terial für Kitesurfer. Passend zum Spot, denn der Upwind-Bereich bietet Windsurffinnen deutlich bessere Entfaltungsmöglichkeiten als der sehr flache Bereich in Lee des Centers. Man wird sehen, wie strikt die Verteilung auf dem Wasser sich in Zukunft entwickeln wird. Den Windsurf- vom Kitebereich zu trennen macht bekanntermaßen ja immer Sinn.

© Media Agentur Hof

"Wollen wir uns heute Abend beim Italiener treffen?" "Wo?" "Beim Italiener! Macht super Nudeln... oder hast du Lust auf Sushi. Gibt am Hafen aber auch einen klasse Burger-Schuppen..." Kneift mich mal einer, ich bin doch in Ägypten. Da war ich bisher alles andere gewöhnt als eine Küche auf europäischem Niveau. Nun gut, ich hätte ahnen können, dass diese künstliche Lagune etwas mehr zu bieten hat. Schließlich ist sie der wahr gewordene Traum von Samih Sawiris, einem der reichsten Männer Ägyptens. Ein Traum, den nicht nur Touristen aus Europa gerne in Anspruch nehmen. Viele gut situierte Ägypter, die ihren Hauptwohnsitz in Kairo haben, besitzen auch noch ein Haus hier. In den Marinas schaukeln teure Yachten, Alkohol wird problemlos in allen Varianten ausgeschenkt und natürlich gibt es auch einen Golfplatz. Von der Müllabfuhr über die Polizei bis hin zu Tuk-Tuks, die man für kleines Geld als Taxi nutzten kann, das Ganze ist gut durchorganisiert. So wundert es mich nicht weiter, als Daniel, Stationsleiter und einer von drei Geschäftsführern des Centers, zwischen zwei Gabeln Spaghetti erklärt: "Weißt du, wenn es El Gouna nicht geben würde, wäre Ägypten sicher nicht der richtige Ort für mich, an dem ich länger bleiben würde. Hurghada zum Beispiel ist mir viel zu laut und wuselig. Hier dagegen habe ich meine Ruhe, wenn ich möchte, und ich bekomme alles, was man als Europäer benötigt."

© Media Agentur Hof

Daniel ist jetzt seit vier Jahren in Ägypten. Aufgewachsen ist der Sohn deutscher Auswanderer allerdings in Spanien, in Barcelona. "In Deutschland habe ich noch nie gelebt. Nach Ägypten bin ich über das Kiten gekommen. Zuerst als Lehrer, dann als Organisator von Kite­reisen. Die Idee, hier ein eigenes Center zu eröffnen, hatte ich schon länger. Aber selbst als ich endlich den richtigen Spot dafür gefunden hatte, hat es mit den Genehmigungen noch mal über ein Jahr gedauert, bis ich mit meinen Partnern dann wirklich loslegen konnte. Eigentlich darf man  ier kein Gebäude mehr so nah am Wasser errichten. Deshalb besteht unser Center aus Modulen, die man, wenn nötig, auch relativ schnell wieder versetzen kann. So haben wir nach langem Hin und Her endlich das Go bekommen." Nach dem Essen gönnen wir uns noch auf großen gemütlichen Sofas unter dem Sternenhimmel einen Cocktail im Bartender. Vor uns die beleuchtete Marina. O.k., fühlt sich nicht nach Ägypten an, ist aber ein netter Traum.

© Nicolas Chibac

Am nächsten Morgen holt der Wecker mich früh aus den Federn. Früh? Das sind doch Kites da am Himmel. Die letzten Tage hatte der Wind sich eine kleine Auszeit genommen, und da die Thermik hier morgens gerne noch mal eine Windstärke draufpackt, sind schon eine ganze Menge echter Frühaufsteher unterwegs. Ich gönne mir erst mal ein leckeres Frühstück im Hotel. Das Mosaique ist ein eher kleines, überschaubares Haus, in dem viele Wassersportler unterkommen. Von hier aus ist man in zehn Minuten per Shuttle, der alle 30 Minuten vor der Tür haltmacht, oder per Tuk-Tuk an den Stationen. In Zukunft soll das Hotel mit Videoabenden und anderen speziell auf Wassersportlern ausgerichtete Events noch mehr Gleichgesinnte ansprechen. Sollten übrigens wirklich mal ein, zwei Tage Flaute angesagt sein, lohnt sich neben den obligatorischen Tauchausflügen ein Besuch im Wakeboard Center. Wer Lust hat, Eisen zu stemmen, geht ins ultramoderne Fitness-Studio "Lax Gym", gerade mal fünf Minuten entfernt.

© Nicolas Chibac

Ich klammere mich heute allerdings lieber an einen Gabelbaum. Die Lagune vor dem Center ist etwa einen Kilometer breit und so gut wie überall stehtief. Wer mit einer großen Slalomfinne aufs Wasser möchte, sollte sich auf jeden Fall das Revier genau erklären lassen. An einigen Stellen ist es schon sehr flach. So ist auch der Tidenkalender wichtig. Wenn die Ebbe sehr stark ausfällt, kann man schon mal ein, zwei Stunden nicht Windsurfen. Dafür kommen gerade Ein – und Aufsteiger auf ihre Kosten. Selbst wenn es ordentlich bläst, entsteht nur eine kleine Kabbelwelle. Dünne Schuhe sollte man allerdings einpacken. Auch wenn die Lagune Sandboden hat, kann sich hier und da mal eine fiese Muschel im Sand verbergen. Hübsch anzuschauen aber mit ordentlichen Zacken bewehrt, möchte man darauf nicht gerade barfuß absteigen. Ansonsten muss man auf die kleinen Riffe rechts und links von der Lagune achten. Hier sollen in Zukunft aber auch noch einige Bojen die Orientierung erleichtern. Ich musste wieder einmal feststellen, dass mit größeren Segeln Freestyleboards nichts für mich sind. Mehr als ein Willy Skipper ist nicht drin. Gilt das überhaupt als Freestylemove? 

© Nicolas Chibac

Am Abend holt mich Daniel für einen Kurztrip in die Berge vor El Gouna ab.  Hier findet ein ägyptischer Abend statt  –mit allem was dazugehört: Beduinenzelt, Bauchtänzerinnen und natürlich Kamelen. Voll touristisch, aber irgendwie am Ende doch ganz nett. Die Berge werden angestrahlt, es gibt einen kleinen Brunnen, am Ende der Schlucht steht das große Zelt. Uns hat es vor allem der Nachtisch angetan. Wir sitzen auf Kissen, löffeln das honig-triefende Dessert in uns rein und es fühlt sich ein klein bisschen so an, wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht. Zumindest bis die Bauchtänzerin Damen aus dem Publikum auffordert, es ihr gleich zu tun. Ich glaub’, wir fahren jetzt zurück und trinken noch einen Absacker in El Gouna.


 

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