Wetterphänomen El Nino

06.12.2016 Manuel Vogel - El Nino ist bekannt für ganz spezielle Wetterphänomene - Windsurfer freut das, Küstenbewohner eher nicht. Wir erklären, wie El Nino entsteht.

© Gilles Calvet
El Nino verursacht gewaltige Wellen
El Nino verursacht gewaltige Wellen

Der Auslöser

Das Phänomen entsteht im Südpazifik, zwischen der Küste Südamerikas und Asien/Australien. In "normalen" Jahren (oben links) drückt der konstante Südostpassat das warme Oberflächenwasser gen Australien und Asien, wo infolge des feuchtwarmen Klimas ergiebige Niederschläge fallen. An der Küste Südamerikas (Chile, Peru) ist es hingegen trocken, aus der Tiefe strömt kaltes Tiefenwasser nach oben, das für großen Fischreichtum sorgt. Während eines El Niño schwächt sich – durchschnittlich alle sieben Jahre und aus bisher weitgehend unbekannten Gründen – der Südostpassat ab oder kommt ganz zum Erliegen. Die inganggesetzte Kettenreaktion beeinflusst das Klima weltweit.

© SURF Magazin

Globale Folgen

Durch den ausbleibenden Südostpassat schwappt, wie in einer Badewanne, das warme Wasser vor der Ostküste Australiens zurück Richtung Südamerika und sorgt dort für teilweise verheerende Niederschläge (Grafik oben rechts) und dem Ausbleiben der Fischbestände. Das stets zur Weihnachtszeit auftretende Phänomen bekamen daher zuerst peruanische Fischer zu spüren, daher der Name "El Niño", das Christkind. Im Frühjahr 2016 lagen die Meerestemperaturen vor Peru etwa drei Grad höher als üblich (Abbildung Mitte rechts). Der trockenste Ort der Erde, die Atacamawüste, verwandelte sich in ein Blumenmeer.

Da die Meerestemperaturen maßgeblich für die Entstehung von Hochs und Tiefs sind, reichen die Folgen weit über den Südpazifik hinaus: Über dem Nordpazifik verstärken sich die Temperatur- und Druckgegensätze an der Frontalzone, wo bei entsprechend großen Gegensätzen Stürme entstehen (Abbildung rechts). Die Folgen: Ein Swell-Bombardement auf Hawaii und  lange ersehnte Regenfälle in Kalifornien.

Geringe Auswirkungen auf Europa

Während die Menschen in Zentral- und Südafrika, Brasilien und Teilen Australiens mit extremer Dürre zu kämpfen hatten, sind die Auswirkungen auf Europa vergleichsweise gering und selbst unter Wissenschaftlern umstritten. Ließen sich die Wetterphänomene in entsprechenden Jahren nur zu etwa 20 Prozent durch El Niño erklären, war der Verlauf des Winters 2015/2016 nahezu prototypisch: Einem stürmischen Spätherbst folgte ein stabiles Hoch über Skandinavien und eine gähnend lange Flautenperiode im Norden infolge der schwächeren Druckgegensätze, die durch den NAO-Index abgebildet werden. Tiefs zogen vermehrt Richtung Südeuropa, wo sie für viel Regen und Wind sorgten.

Ist der Klimawandel schuld?

Unter Wissenschaftlern herrscht weitgehend Einigkeit, dass ein Einfluss zwischen dem vom Menschen verursachten Klimawandel und dem Auftreten des El Niño-Phänomens nicht nachweisbar ist.

Kommt jetzt La Niña?

Oft schlägt das Pendel nach einem El Niño-Winter in die andere Richtung um, das Gegenereignis "La Niña" sorgte in der Vergangenheit zu stärkeren Temperatur- und Druckgegensätzen auf dem Atlantik, mehr Hurrikans in der Karibik und den USA und einer verstärkten Westwinddrift in Europa, während es im Nordpazifik, der Wellenmaschine Hawaiis, ruhiger zuging. Ob es tatsächlich so kommt, wissen aber nur die Götter – oder das Christkind. 

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