Einzeltest 2016: Freeracesegel Naish X2

30.09.2016 Manuel Vogel - Ein 8,2er mit fünf Latten, dafür aber zwei Cambern – kann das funktionieren? Wir haben uns beim SURF-Festival unters Testvolk gemischt und das neue X2 ausgiebig Probe gefahren.

© Manuel Vogel
Einzeltest 2016: Freeracesegel Naish X2
Einzeltest 2016: Freeracesegel Naish X2

An Land: Das Ziel, ein leichtes, sportliches Freeracesegel zu bauen, setzt Naish mit einem Fünf-Latten-Konzept um – jede Latte weniger macht sich etwa mit 200 Gramm auf der Waage bemerkbar. Um dem X2 trotzdem Kontrolle und Druckpunktstabilität zu verpassen, sollen zwei Camber (Profilzangen, welche die Segellatten am Mast abstützen) das Profil stabilisieren. Auch die markante, unter der Gabel ansetzende und diagonal nach oben verlaufende untere Latte (Crossbatten) soll dem Segel die nötige Spannung verleihen – ein Prinzip, welches bereits bei Drei-Latten-Wavesegeln zum Einsatz kommt. Geriggt wird das X2 wie die meisten Cambersegel auch: Vorliek vorspannen, Gabel montieren und an der Trimmschot flachziehen, Camber anklappen, Vorliek voll durchsetzen. Die Trimmkräfte am Vorliek bleiben dabei überschaubar, auch ohne Trimmkurbel zieht man das nötige Loose Leech ins Profil. Erfreulich: Die Gabel­aussparung ist auch für große Fahrer und auf breiten Boards ausreichend lang und weit oben sitzend, das war bei Naish nicht immer so. Erhältlich in 5,8/6,4/7,0/7,6 und 8,2 qm für 949 bis 1079 Euro.

Auf dem Wasser: Das X2 vermittelt mit dem ersten Dichtholen ein komfortables und eher weiches Segelgefühl – sicherlich eine Folge des eher kurzen (und damit weicheren) Masts und der wenigen Latten. Wenn man dem Segel mit dem Vorliekstrimm viel sichtbares Loose Leech verpasst und es an der Gabel nur locker einhängt, wirkt es auch in den Händen schwerer Surfer allerdings keineswegs schwammig und lädt sich in der ersten Böe sofort auf – dementsprechend früh kommt man damit ins Gleiten, das tiefe Profil und der weit hinten liegende Druckpunkt sorgen für viel Leistung. Kontrolle und Druckpunktstabilität sind zwar erwartungsgemäß nicht ganz auf dem Niveau "echter" 2-Cam-Free­racesegel, bei denen das Profil von zwei bis drei Latten mehr stabilisiert wird, trotzdem macht das X2 auch in Böen wenig Zicken. Die große Stärke des Konzepts erkennt man in der Halse – leichter und fluffiger kann die Rotation eines Cambersegels nicht von der Hand gehen. Beim Wasserstart kann man die etwas breitere Masttasche hingegen nicht wegdiskutieren – wer hier noch Probleme hat, fährt mit einem No-Cam-Freeridesegel immer besser.

surf-Fazit: Ein interessantes Konzept, das durchaus eine Berechtigung hat! Wer sein 8,2er als größtes Segel im Sortiment haben will, bekommt mit dem X2 ein sehr gleitstarkes Segel mit Top-Handling und ordentlicher Kontrolle, welches obendrein den 490er-Mast überflüssig macht. 

© Manuel Vogel
Idealtrimm und Profilverlauf des X2 wirken durchaus Race-orientiert – mit sehr loosem Achterliek (Loose Leech) und wenig Spannung an der Trimmschot.
Idealtrimm und Profilverlauf des X2 wirken durchaus Race-orientiert – mit sehr loosem Achterliek (Loose Leech) und wenig Spannung an der Trimmschot.
© Manuel Vogel
Das Crossbatten-Konzept – die untere Segellatte kreuzt den Gabelbaum und endet weit oben – soll Spannung ins Profil bringen.
Das Crossbatten-Konzept – die untere Segellatte kreuzt den Gabelbaum und endet weit oben – soll Spannung ins Profil bringen.
© Ronny Kiaulehn
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 7/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe ist leider vergriffen.
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