Test 2016: No-Cam Freeridesegel 6,5

10.11.2016 Surf Testteam - Ungleichen Paare: Viele Hersteller bieten in den wichtigen Größen zwischen sechs und sieben Quadratmetern gleich zwei Freeride-Modelle an – mit wahlweise sechs oder sieben Latten. Vier gemischte Doppel, aber auch vier Einzelkämpfer, haben wir gründlich gecheckt.

© Stephan Gölnitz
Links: Naish Sails Noa 6,4 | Rechts: KA.Sails Kojote 6,6
Links: Naish Sails Noa 6,4 | Rechts: KA.Sails Kojote 6,6

Alles ganz einfach, könnte man meinen: Ein NoCam-Freeridesegel ist ein Freeridesegel ohne Camber. Ende. Aber vergleiche mal ein NeilPryde Hellcat mit dem Ryde, oder ein Gaastra Savage mit dem Matrix. Da ist der Vergleich zum Unterschied zwischen dem Familienauto und der gleichnamigen Rallyeversion zumindest naheliegend. Und so haben wir innerhalb der 6,5er-NoCam-Segel drei verschiedene Typen ausgemacht.

• Manöversegel verwöhnen häufig bereits beim Aufbau mit geringeren Trimmkräften, auf dem Wasser bilden sie ein nicht ganz so tiefes Profil mit weniger Vorspannung in den Latten. Diese Segel eignen sich für Freerider, die gerne kürzere Schläge und viele Manöver fahren, aber ebenfalls ideal für Freeride-Aufsteiger und auch leichtere Surferinnen und Surfer, die nicht ganz so viel Dampf benötigen und mehr Wert auf Leichtigkeit und Handling legen. Wer auf seinem Board die Schlaufen eher etwas weiter innen und im Dreier-Set-up montiert, dürfte damit bestens beraten sein. Zu dieser Gruppe zählen Gun Sails Stream, Naish Sprint, NeilPryde Ryde und Gaastra Cross.

• Leistungssegel wirken – zumindest einige – etwas wuchtiger, mit gemäßigtem Handling, dafür sind diese Vertreter bärenstark oder sauschnell oder beides. Idealerweise werden die Leistungsträger auf schnellen Freerideboards oder sogar Freeraceboards gefahren, die Schlaufen möglichst im Vierer-Set-up und in den äußeren Positionen. Nur so lässt sich das gehobene Performance-Potenzial auch voll auskosten. Paradevertreter sind NeilPryde Hellcat, Gun Sails Rapid, Gaastra Savage, Naish Noa, Sailloft Cross, Simmer V-Max und KA Kojote.

• Allrounder bieten eine besonders ausgewogene Abstimmung zwischen guter Fahrleistung und dennoch leichtem Manöverhandling: Gun Sails Stream, NeilPryde Ryde, Gaastra Matrix, Naish Sprint  und North Sails E_Type sind typische Vertreter.

Die Testergebnisse dieser No-Cam Freeridesegel 6,5 finden Sie unten als PDF-Download: 

• Gaastra  Matrix 6,5
• Gaastra  Savage 6,6
• Gun Sails  Rapid 6,7
• Gun Sails Stream 6,4
• KA.Sails  Kojote 6,6
• Naish Sails  Noa 6,4
• Naish Sails Sprint 6,4
• Neilpryde Hellcat 6,7
• Neilpryde Ryde 6,5
• North Sails  E_Type 6,5
• Sailloft Hamburg  Cross 6,5
• Simmer Style V-Max 6,6

Ausstattung
Freeridesegel sehen selten Sechs-Meter-Brecher, müssen also nicht der Wucht einer gewaltigen Wasserwalze standhalten. Materialien und Verstärkungen dürfen also etwas filigraner ausfallen als bei den – meist teuren – Wavesegeln. Andererseits werden gerade Freeridesegel nicht immer nur am Sandstrand aufgeriggt, häufig auf Asphalt- und Schotterparkplätzen strapaziert, surfen oft auch lange Stunden unter sommerlichen UV-Beschuss und müssen nicht selten mal einen Schleudersturz inklusive Kniefall ins Segelfenster aushalten. Also Verstärkungen wieder rein? Ganz einig sind sich da auch die Designer und Produktmanager nicht, und so findest du vom abgespeckten Leichtgewicht bis zum Showmuster über den aktuellen Stand an Verstärkungsmöglichkeiten die gesamte Bandbreite der Segelmacherkunst. Leichte Segel wirken auch auf dem Wasser – meist – leichter, der Trend zur Materialdiät ist dabei insgesamt kaum aufzuhalten. Dennoch sind alle Segel an den Nähten unterhalb der Gabel gut gegen Durchscheuern geschützt. Durchgängig wird auch bei allen Marken im Bereich unter der Gabel dickeres Material eingesetzt als im Toppbereich. Je weiter Verstärkungen und dicke Folien nach oben und außen wandern, um so stärker wirkt sich jedes Gramm spürbar auf das subjektive Gefühl beim Surfen aus. 


Profil und Trimm
Ähnlich wie bei den Gabellängen ist auch bei den Profilen eine Linie zu erkennen, die – unabhängig von der Marke – die eher leistungsorientierten 7-Latter von den 6-Latten-Allroundern trennt. 

© SURF Testabteilung
No-Cam Freeridesegel 6,5 - Sailguide
No-Cam Freeridesegel 6,5 - Sailguide

AUF DEM WASSER

Auf vier Dinge kommt es den meisten Free­ridern an: Früh gleiten, lange hinhalten, dazwischen schnell über den Kurs und mühelos durch die Halse. In Manöverrunden, bei denen jeder Tester auf "seinem" Board bleibt,  wird das Halsen-Handling erspürt, Trimmvariationen werden ausprobiert. In langen Vergleichsfahrten auf identischen Boards gegeneinander ermitteln wir die Angleitpower, den Speed bei unterschiedlichen Windverhältnissen und die Kontrollierbarkeit im oberen Grenzbereich.

Gleiteigenschaften
In vielen Leichtwindrevieren zählt vor allem eines: Wie effizient wird auch der letzte Hauch Wind noch in Vortrieb umgesetzt. Ein tiefes Profil mit langer Gabel und tendenziell weiter hinten liegendem Druckpunkt sind die Zutaten für das Erfolgsrezept. Vor allem die 7-Latter lassen sich auch mit sehr locker eingehängtem Schothorn aufbauen, denn die minimal nötige Profilstabilität wird durch die zusätzliche Latte unterstützt. Das lockere Schothorn bringt vor allem früh etwas mehr Zug auf die hintere Hand, damit lässt sich die Finne frühzeitig und in Windlöchern sehr lange belasten, die Gleiteigenschaften wirken wie Turbo-geladen.

Manöverhandling
Zackige Outlines, kraftvolle Profile, viele stabilisierende Latten – alles, was ein Segel druckpunktstabil und schnell macht, wirkt in der Halse eher hinderlich. 

Speed
Das zweischneidige Schwert. Denn Speed ist zwar messbar, aber was genau soll man messen? Den punktuellen Max-Speed über eine Sekunde? Oder den Schnitt über den See bei wechselnden Windbedingungen? Oder vielleicht den "Durchzug" – wie schnell wird ein Segel knapp über dem Gleitlimit? Wir bieten euch die komplette Range an, vom Durchgleiten bis zum Top-Speed. Für jede Disziplin findest du hier hervorragende Segel.

Kontrollierbarkeit
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Denn alle Segel bieten bereits einen ausreichend großen Windbereich. Wenn ein Segel anfängt hinten zu ziehen, kannst du bedenkenlos auf die nächst kleinere Segelgröße wechseln, ohne Sorgen, dann vielleicht einzuparken. Wer weiter dichthalten will, greift zu den Tüchern, bei denen der Druckpunkt lange verankert bleibt und die Haltekräfte auch nicht allzu sehr ansteigen.

Fazit: Das Angebot an camberlosen Freeridesegeln ist sehr groß, viele Marken bieten sogar mehrere Modelle in diesem Segment an. Dabei muss man keinen kompletten Fehlkauf fürchten, jedes der getesteten Segel funktioniert auf großen Freeridern, schnellen Free­race- oder sogar Freemoveboards. Genaues Hinschauen lohnt sich aber auf jeden Fall, denn für maximalen Spaß und wirklich optimal auf deine Bedürfnisse abgestimmtes Material musst du nicht mehr ausgeben, lediglich aus dem umfangreichen Angebot das perfekt Passende herausfiltern. Vom Zusammenzählen der Noten raten wir dabei ab. Je nach Typ erscheint es sinnvoller, sich eine wichtige Notenkombination herauszufiltern. Für den Speedsurfer könnte die Kombination TopSpeed/Kontrollierbarkeit die wichtigste sein, ein Aufsteiger fährt vermutlich mit einem optimalen Mix aus Manöverhandling/Speed mittlerer Windbereich besonders gut. Häufig wenig beachtet wird unser "Härtemesser", der zwischen "gedämpft" und "straff" angibt, wie direkt ein Segel wirkt. Das sollte auch zu den persönlichen Vorlieben passen. Wir wünschen viel Spaß mit dieser Segelgruppe, die wie keine andere die Leichtigkeit und die rasante Geschwindigkeit des Windsurfens vereint.

© Ben Thouard
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 4/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen.
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