Wie gut halten leichte Segelmaterialien in der Praxis?

29.05.2017 Manuel Vogel - Handling, Manövereignung, Spaß – leichtere Segelmaterialien sollen von allem immer mehr bieten. Was hinter den ultraleichten Materialien steckt, ob die Haltbarkeit dabei nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wird, haben wir im Labor herausgefunden.

© Manuel Vogel
Wie gut halten leichte Segelmaterialien in der Praxis? (Im Foto: Goya)
Wie gut halten leichte Segelmaterialien in der Praxis? (Im Foto: Goya)

"Light is right" – beim Segeldesign scheint dies die Maxime unserer Zeit zu sein. Dass aus dem Kampf der Hersteller um den besten Segelschnitt längst auch ein Kampf um jedes Gramm geworden ist, belegt ein Blick in die Historie: 2010 wog ein Starkwindsegel in 4,7 qm zwischen 3,1 und 3,9 Kilo, heute bringen die gleichen Größen nur noch zwischen 2,6 und 3,5 Kilo auf die Waage, was einer Gewichtsreduktion um zehn bis 17 Prozent entspricht. Bei Freeride- und Cambersegeln zeigt sich dieser Trend in abgeschwächter Form ebenfalls.

Verunsicherte Endkunden

Dass es heute 5,0er Starkwindsegel gibt, die an der 2,5-Kilo-Marke kratzen, liegt, so suggerieren es die Marketingtexte der Hersteller, an "leichten und innovativen Materialien" mit ebenso vielversprechenden wie nichtssagenden Namen – Ultralight Scrim, Hyperspider, ODL, Forceline, PX-05, Space Light oder Spectra.

Bei all diesen Begriffen und mit jedem eingesparten Gramm auf der Waage drängt sich auch die Frage auf, was sich denn eigentlich hinter den Bezeichnungen verbirgt und ob "light" wirklich "right" ist, oder ob solch innovativ klingende Neuheiten nicht beim ersten Schleudersturz auseinanderfliegen. Eine repräsentative Umfrage auf der surf-Homepage, an der sich 440 Leser und Leserinnen beteiligt haben, ergab, dass das Segelgewicht für 83 Prozent der Befragten eine wichtige Kaufentscheidung und eine gewünschte Angabe auch in den surf-Tests ist. Nach dem Zusammenhang von Gewicht und Haltbarkeit gefragt, macht ein wesentlich uneindeutigeres Bild die Verunsicherung der Endkunden deutlich: 38 Prozent glauben, dass leichte Segel auf dem Wasser schneller kaputtgehen als schwere Segel, dem stehen 34 Prozent entgegen, die diese Meinung nicht vertreten, der Rest zeigt sich unentschieden. In jedem Fall salonfähig ist weiterhin die Annahme, dass Segel aus vergittertem X-Ply-Material robuster seien als solche aus Monofilm.

Wir wollten daher wissen: Muss ein auf Leichtigkeit optimiertes Segel auch zwangsläufig weniger stabil sein?

© Manuel Vogel
Severne (1)
Severne (1)
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Neilpryde (2)
Neilpryde (2)
© Manuel Vogel
Challenger (3)
Challenger (3)

Egal ob Severne (1), NeilPryde (2), Challenger (3), Goya (grünes Segel ganz oben) oder S2Maui (4) – viele Segelmarken verwenden in ihren Wave- und Starkwindsegeln einen bunten Mix unterschied­licher Materialien – meist mit dem Ziel, das Gewicht zu drücken.


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