Glattgebügelt

Teaserbild

Foto: Darrell Wong

Editorial aus SURF 9/1010:

1000 Peaks – 1000 Spitzen – heißt der Spot auf Maui, an dem Kai Lenny hier die Haltbarkeit seiner Zahnfüllungen testet. Solche Spots gibt’s aber auch in Europa zuhauf, da macht eine Federung Sinn. Da wird der Chop einfach glattgebügelt.

 

 

 

Vorletzte Woche hatte ich Urlaub und war wieder einmal in Dänemark. Am Ringkøbing Fjord, bei Südwest in Hvide Sande. Ich weiß ja eigentlich, was mich dort erwartet – Kabbelwasser vom übelsten – aber es war halt so schön bequem, zumindest die Anfahrt. Auf dem Wasser dagegen begrüßten mich die kleinen, kurzen Wasserspitzen mit ihrer bekannt unfreundlichen Art. Gerne hätte ich dort mal die neue gefederte Mastverlängerung von North oder ein anderes Dämpfungssystem ausprobiert. Doch die unterzogen die surf-Tester zum gleichen Zeitpunkt auf einer anderen, weltbekannten Starkwind-Kabbelpiste einem Härtetest: In Fuerte-Süd kann es bei Hack und bestimmten Windrichtungen auch ausgesprochen ungemütlich werden.

 

Die Frage bei diesem Test war relativ eindeutig – braucht man als Surfer wirklich eine Federung? Und wenn ja, funktionieren die Teile und sind sie ihren stolzen Preis von bis zu 370 Euro wert?

 

Dabei ist die erste Frage allgemein schon schwer zu beantworten. Als der Amerikaner Paul Turner 1988 auf der Bike-Messe in Long Beach den ersten Prototyp eines Fullys, eines vollgefederten Mountainbikes vorstellte, wurde er von Puristen auf offener Szene ausgelacht. Wer hier dann aber zuletzt gelacht hat, wissen wir alle heute - Paul Turner ist der Boss der weltbekannten Marke “Rock Shox” und eine Mountainbike-Welt ohne Fullys ist für die meisten Biker kaum mehr vorstellbar.

 

Nun bewegen wir unsere Boards natürlich nicht über Felsen und Baumwurzeln und ein Sturz ins Wasser ist auch nicht mit einem Abgang vom Bike im Gelände vergleichbar, aber trotzdem stellt das Geläuf unter unseren Füßen auch für Mensch und Material echte Herausforderungen dar.

 

Natürlich ist eine Vollfederung bei mittleren Winden auf einem Glattwasser-Revier ebensowenig notwendig wie ein Hightech-Fully zum Brötchen holen. Doch wie sieht’s eben im aufgewühlten Kabbelwasser oder beim Einsatz in der Welle und beim Freestyle aus? Immerhin versprechen die Prospekte neben mehr Komfort auch höhere Geschwindigkeiten und sogar besseres Absprungverhalten. All das haben verschiedene surf-Tester fast vier Monate in der Praxis geprüft und dann beim abschließenden Vergleich auf Fuerte auch Gästen in der Surfstation von René Egli zur Beurteilung gegeben. Mit dabei waren ganz unterschiedliche Dämpfungssysteme: Die North Sails Shox.XTR-Mastverlängerung, in der, ähnlich wie bei den frühen Federgabeln im Mountainbike, Elastomerelemente für die Federung sorgen – jetzt aber mit modernen, besser arbeitenden Hightech-Gummis. Dann Trapeztampen von Mystic mit eingebauter Stahl-Feder sowie Gabeln von North Sails und Tecno Limits, bei denen die Härte eingestellt werden kann (North) oder die aktiv im Kopf federn können (Tecno Limits).

 

Nach dem Test lässt sich die zweite Frage auch beantworten: Die Federung funktioniert bei fast allen Systemen gut, wie gut, und ob sie ihren Preis wert sind, lest ihr in diesem Heft. Und eines ist auch klar: Ausgelacht wurde von den Entwicklern der Surf-Fullys niemand – wer weiß schon, ob man nicht doch einen zukünftigen Big Boss vor sich stehen hat.

 

Viel Spaß mit dieser Ausgabe

 

Andreas Erbe
Chefredakteur

 

 

 
05. Oktober 2009

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