Technologie-Trilogie: Segelmaterialien

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Rafael Bach von der Shaka Loft in Torbole hat den Durchblick, was bei Segeln hält und was nicht. Weit über 500 Segel landen pro Saison auf seinem Nähtisch – mit unterschiedlichster Diagnose.

Wer mal die Chance hat, mit einem Segelmacher zu reden, sollte viel Zeit mitbringen. Nicht weil den Jungs permanent langweilig wäre. Ein Segel ist ein anspruchsvolles Gesamtwerk, das nicht so schnell zu erklären ist. In mehreren Folgen widmen wir uns den Fragen, woraus ein Segel gemacht ist, wie es am besten verarbeitet wird, was die unterschiedlichen Materialien aushalten und worauf man selber beim Segelkauf achten kann.

 

Gnadenlos schlitzt die Schere durch den spröden Film. Das Segel war zur Reparatur eingeliefert, die hatte Segelschneider Raffa dem Kunden allerdings ausgeredet. Und statt in kurzfristiger Symptombekämpfung eine Bahn zu ersetzen (siehe Interview auf Seite 38) das amtliche Ende dieses Segels verkündet. Diagnose: Komplett verstrahlt.

 

Die erste Probe ist schnell genommen und die Schere lässt sich auch durch die verzweifelten Zwischenrufe eines gewieften Internetverkäufers “das Segel bringt bei Ebay noch mindestens 100 Euro” nicht stoppen. Stück für Stück zerlegen wir das Segel, sezieren Nähte und untersuchen das, was sonst so häufig noch als Online-Schnäppchen den Besitzer wechselt. Das vielleicht fünf Jahre alte Segel hat schon viel Sonne gesehen und Monofilm versprödet unter extremer Sonnenbelastung – bis es beinahe von selber platzt. Je nach verwendetem Material früher oder später.

 

Doch nicht nur die Folien, ob Monofilm, X-Ply und vor allem in welchen Stärken, bestimmen die Lebensdauer eines Segels, sondern vor allem auch bei der Nahtverarbeitung und -verstärkung findet man feine Unterschiede. In drei Teilen werden wir versuchen, dem optimalen Segel auf die Spur zu kommen.

 

Episode 1 – So urteilen erfahrene Segelmacher und Reparaturwerkstätten. Und worauf man selber schon beim (Gebraucht-) Kauf achten kann.

 

Episode 2 – Was halten die Unterschiedlichen Materialien im Neuzustand? Wir prüfen Monofilme und verschiedene X-Ply-Laminate im Labortest.

 

Episode 3 – Was kann das Segel drei Jahre später noch wegstecken – wir simulieren im Zeitraffer langfristige UV-Belastung und zerreißen die unterschiedlichen Materialien erneut.

 

Dabei ist die Auswahl an Materialien, die großflächig in Segeln eingesetzt werden, eigentlich begrenzt: Zum einen wird Monofilm in Dicken von überwiegend vier, fünf und sieben “mil” verwendet. Ein “mil” – die klassische Einheit im Segelbau – ist ein tausendstel Inch, gleich 0,254 Millimeter. Daneben findet man die bekannten, allerdings deutlich teureren Gitterfolien. Das sind verklebte dünne Monofilme (bis drei Lagen, die einzelnen Folien zwischen 0,5 und 3 mil dick) mit Verstärkungsfäden, meist aus Polyester.

 

Diese stehen daher am Ende bis auf den zusätzlichen Kleber oder Farbpigmente dem Monofilm chemisch gesehen sehr nahe. “Gegenüber UV-Belastung sind diese Materialien alle nicht optimal”, gibt daher überraschenderweise auch Robert Kühnen, Vertriebsund Marketing-Chef bei Dimension Polyant in Kempen, offen zu.

 

Den gesamten Artikel findet ihr unten als PDF-Download.

 

Text: Stephan Gölnitz, Fotos: Daniel Simon, Ronny Kiaulehn, Stephan Gölnitz 

 

 

Trotz ordentlicher UV-Dosis lassen sich die Kevlarverstärkungen bei diesem stark gebrauchten Segel im Gegensatz zu Material mit Polyesterfäden nicht mit der Hand durchreißen.

  

So ein robuster „Rahmen“ schützt das Segel meist recht effektiv vor dem kompletten Durchreißen.

 

Sämtliche Nähte, besonders wie hier an Zonen mit hoher Spannung Lattentasche im Vorlieksbereich sind potenzielle Schwachstellen.

 

Schwachstelle Lattentasche.

 

Schwachstelle Schothorn.

 

 

 

 

 
15. Dezember 2011

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