Finnen-Tuning für Freestyle-Waveboards

28.12.2017 Manuel Vogel - Welche Finnengröße, welches Setup, was tun bei Seegras? Keine andere Brettklasse beim Windsurfen ist so sehr darauf ausgelegt, die Fahreigenschaften über die Wahl der Finnen zu verändern wie die der Freestyle-Waveboards. Alle Tipps findest du hier:

© Manuel Vogel
Singlefin oder Thruster? Bretter der Freestyle-Wave-Klasse bieten viele Möglichkeiten. Ein alternatives Finnenset kann mitunter eine komplette Segelgröße einsparen.
Singlefin oder Thruster? Bretter der Freestyle-Wave-Klasse bieten viele Möglichkeiten. Ein alternatives Finnenset kann mitunter eine komplette Segelgröße einsparen.

Eine Brettklasse, viele Konzepte

Bump & Jump, Freestyle-Wave, Cross­­over – so vielfältig wie die Begriffe für diese Brettklasse, so verschieden sind auch die Einsatzmöglichkeiten dieser Allrounder. In Größen zwischen 75 und 115 Liter sollen sie als Starkwindbrett zum Heizen auf Flachwasser, als Waveboard in der Ostseewelle, als Bump & Jump-Untersatz zum Springen und Loopen oder sogar für Basis-Freestyle-Manöver herhalten.

Unsere Testerfahrung zeigt, dass es innerhalb dieser Brettklasse große Unterschiede gibt und die Hersteller die Schwerpunkte teilweise sehr unterschiedlich setzen. Dies lässt sich nicht nur am Shape festmachen, sondern vor allem an der mitgelieferten Finnenbestückung. Singlefins oder Thruster (Dreifinner) sind auf dem Markt vertreten.

Boards wie ein Fanatic FreeWave, Goya One, Quatro Tetra, JP Freestyle-Wave oder NoveNove Style Wave werden mit Dreierfinnen-Set-up (Thruster) ausgeliefert und sind auch hinsichtlich der Shapes eher auf Drehfreudigkeit und Eignung in moderaten Wellen optimiert. Die Singlefin-Option besteht in diesem Fall immer, denn jeder Thruster lässt sich auch immer als Singlefin fahren.

RRD (Freestyle-Wave), Tabou (3S), Lorch (Offroad), Starboard (Kode FreeWave) oder Patrik (F-Cross) setzen auf die Singlefin, wobei viele (nicht alle!) dieser Bretter über zusätzliche Finnenkästen verfügen und dann ebenfalls als Thruster gefahren werden können.

Wer mit einem zweiten Finnen-Set-up den Einsatzbereich seines Brett erweitern will, steht vor folgenden Fragen: 

  • Was bringt der Wechsel zwischen Thruster und Singlefin generell?
  • Welche Finnengrößen sollte das alternative Finnenset haben?
  • Was gibt es bei der Wahl von Seegrasfinnen zu beachten?

Singlefin & Thruster – warum der Wechsel Sinn macht

Finnen beeinflussen Gleitleistung, Drehfreudigkeit und Kontrolle eines Bretts massiv und erweitern bei richtiger Abstimmung den Einsatzbereich.

Das Weglassen der Seitenfinnen (Seitenkästen verschließen!) und der Tausch der Thruster-Mittelfinne gegen eine größere Singlefin verbessert:

  • Angleiten, Durchgleiten in Windlöchern
  • Speed im unteren und mittleren Windbereich
  • Lift beim Absprung
  • freieres, sportlicheres Fahrgefühl
  • Eignung für große Segelgrößen

Ein Thruster-Set-up mit deutlich kürzerer Mittelfinne und kleinen Seitenfinnen verbessert:

  • Kontrolle bei Starkwind bedingt durch eine tiefere Wasserlage des Boards
  • Eignung für kleine Segelgrößen
  • Dreheigenschaften in Manövern und beim Wellenabreiten
  • seitlichen Halt (durch die Seitenfinnen) beim Wellenabreiten

Leistung und Drehfreudigkeit der Finnen hängen neben dem Profilverlauf vor allem von Fläche und Länge ab. Wichtigster Faktor ist hierbei die Finnenlänge – je länger, desto höhere Hebelkräfte wirken und desto mehr Auftrieb (=Gleitleistung) wird erzeugt.

Da eine Pauschalaussage nach dem Motto "beim Wechsel auf Thruster einfach immer drei Zentimeter kleinere Finnen montieren" in der Praxis nicht funktioniert und je nach Brettgröße andere Abstufungen Sinn machen, haben wir eine Grafik erstellt, welche die durchschnittlichen Kombinationen darstellt. Damit sollten dir die größten Schnitzer beim Finnenkauf erspart bleiben.  

© Manuel Vogel
Passende Finnenlängen beim Wechsel zwischen Singlefin und Thruster
Passende Finnenlängen beim Wechsel zwischen Singlefin und Thruster

Ein Beispiel: Du suchst Finnen für dein 95-Liter-Brett? Ziehe eine senkrechte Linie an dieser Stelle (1). Dort, wo diese die entsprechenden Linien der Finnen kreuzt, ziehe eine horizontale Linie, um die passende Größe abzulesen. In diesem Fall würden unsere Empfehlungsbereiche lauten:

  • Singlefin: 27-29 Zentimeter (4)
  • Thruster: Mittelfinne mit 23-25 Zentimeter (3), Seitenfinnen mit 11-13 Zentimeter (2).

Weil auch immer das Körpergewicht eine Rolle spielt, sollten Leichtgewichte (<70 Kilo) stets zum unteren Ende des Empfehlungsbereichs tendieren (in diesem Beispiel: Singlefin 27, Thruster-Mittelfinne 23, Seitenfinnen 11). Schwere Surfer (>90 Kilo), die zwangsläufig größere Segel im gleichen Windbereich fahren, orientieren sich eher am oberen Ende des Empfehlungsbereichs (29/25/13). Wer wie beschrieben wechselt, verschiebt zudem die Bandbreite der nutzbaren Segelgrößen um etwa 0,3 bis 0,5 qm nach oben (Singlefin) oder unten (Thruster).

Was es bei der Wahl der richtigen Seegrasfinnen zu beachten gibt, liest du auf der nächsten Seite!

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