Gaastra Masten mit neuer Biegekurve

30.01.2017 Manuel Vogel - Gaastra-Segel funktionierten bisher nur mit einer sehr speziellen Mastkurve, die die Nutzung von Fremdmasten problematisch machte. Designer Peter Munzlinger erklärt, warum jetzt der Wechsel zur weit verbreiteten Constant Curve kommt.

© GA Sails

surf: Peter, ihr habt lange an der Hardtop-Biegekurve, bei der sich die Masten im oberen Bereich im Verhältnis weniger biegen, festgehalten. Warum jetzt der Wechsel?

Munzlinger: Richtig, wir haben lange Zeit an der Hardtop-Biegekurve festgehalten. Um die Biegekurve von Masten zu ermitteln, werden diese an den Enden fixiert und in der Mitte mit 30 Kilo belastet. Vom Nullpunkt ausgehend wird dann die Durchbiegung gemessen und zwar bei einem Viertel, drei Viertel und genau in der Mitte. Bei unserer alten Hardtop-Biegelinie bog sich der Toppbereich im Verhältnis weniger stark durch als bei Constant-Curve-Masten, die Toppbereiche waren also steifer. Diese Mastkurve hatten wir ursprünglich von unserem früheren Segeldesigner Barry Spanier übernommen. Die Masten haben sehr gut funktioniert, weil sie ausgesprochen komfortabel zu fahren waren. In den letzten Jahren haben wir unsere Masten schon langsam etwas mehr in Richtung Constant Curve modifiziert. 2015 haben wir uns entschlossen, bei unseren Race-Masten mit 100 Prozent Carbon zu Constant Curve zu wechseln, weil ich die Designmöglichkeiten auf Hardtop-Masten schlichtweg ausgereizt hatte – ich war an der Grenze des Machbaren angekommen.

© GA Sails
30 Kilo belasten den Mast in der Mitte. Gemessen wird die Biegung bei 1/4 und 3/4 der Mastlänge sowie genau in der Mitte. Bei Hardtop-Masten biegt sich der Mast im oberen Teil im Verhältnis weniger als bei der Biegelinie "Constant Curve".
30 Kilo belasten den Mast in der Mitte. Gemessen wird die Biegung bei 1/4 und 3/4 der Mastlänge sowie genau in der Mitte. Bei Hardtop-Masten biegt sich der Mast im oberen Teil im Verhältnis weniger als bei der Biegelinie "Constant Curve".

Was war hier der limitierende Faktor?

Die Constant-Curve-Biegekurve hat mir einfach ganz neue Möglichkeiten eröffnet, um die Segel weiterzuentwickeln. Es ist zum Beispiel immer schwierig, auf einem Hardtop-Mast ein schönes, bauchiges Profil im unteren Bereich des Segels zu generieren, weil das im Verhältnis weichere Unterteil immer etwas Profil aus dem Segel rauszieht. Unsere 2017er-Segel haben ein ausgeprägteres, harmonisches Profil im unteren Segelbereich. Dadurch erreichen wir bessere An- und Durchgleit-Performance bei gleichbleibend gutem Top-Speed. Der Wechsel zu Constant Curve war sehr erfolgreich, die Erfolge unserer Vapor-Racesegel der letzten zwei Jahre sprechen für sich. Also haben wir für 2017 beschlossen, alle Masten auf Constant Curve zu updaten. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir jetzt die am weitesten verbreitete Mastbiegekurve benutzen. So muss sich ein Endkunde, der bereits einen Constant-Curve-Mast hat und mit dem Gedanken spielt, sich ein Gaastra-Segel zuzulegen, weniger Gedanken um die Neuanschaffung eines passendes Masts machen.

Betrifft der Wechsel zu Constant Curve alle Segellinien von Wave bis Race? Wie läuft ein solcher Wechsel in der Praxis ab? Für das Designteam bedeutet dies doch, dass alle Segellinien neu entwickelt werden müssen, oder?

Ja, wir haben unsere gesamte Mast-Range mit Constant-Curve-Biegekurve neu designt. In der Praxis bedeutet das, dass wir bei allen Segellinien die Vorliekskurven modifiziert haben. Wir haben zwar ohnehin alle Segel neu designt, die Anpassung an die neue Biegekurve war aber eine beträchtliche Mehrarbeit. Der Aufwand hat sich aber definitiv gelohnt: Das Feedback von unseren Surfstationen, Importeuren, Teamfahrern, aber auch von Endkunden ist durchweg sehr positiv. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit unserer 2017er-Gaastra-Range.

Worauf sollten Gaastra-Kunden nun achten? Ein 2016er-Mast mit Segel von 2017 ist ja jetzt nicht ideal, oder?

Wie bereits erwähnt, hatten wir unsere Mastbiegekurve innerhalb der letzten Jahre schon schrittweise etwas in Richtung Constant Curve bewegt. Der finale Wechsel war also gar nicht so radikal. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ein 2016er-Hardtop-Mast in einem 2017er-Segel problemloser funktioniert als umgekehrt.

© Stephan Gölnitz

Bedeutet also im Klartext: neues Segel mit altem Mast geht gut, altes Segel und neuer Constant-Curve-Mast ist weniger ein Tipp?

Ja genau, bei camberlosen Segeln verschlechtert ein 2017er-Mast in einem alten Gaastra-Segel die Lattenrotation merklich. Bei Cambersegeln gibt es da weniger Probleme: Durch die Spacer (Abstandshalter zwischen Latten und Cambern, die unterschiedlich dicke Mastdurchmesser ausgleichen können, die Red.) lässt sich der Lattendruck und so das Rotationsverhalten einfach anpassen. Man muss allerdings auch festhalten, dass gerade die Performancesegel wie das Race-segel Vapor, das Freestylesegel Pure sowie die Wavesegel Manic, Poison und IQ deutlich mastsensibler sind als beispielsweise unser Freeridesegel Hybrid. Bei den genannten Modellen empfiehlt es sich immer, den Mast zu benutzen, auf dem das Segel designt wurde, weil nur mit dem empfohlenen Originalmast die volle Performance der Segel abgerufen und genutzt werden kann. Bei unseren Segeln für den Freizeit- und Hobbybereich, wie etwa den Freeridesegeln Hybrid und Cross, haben wir die Vorliekskurven etwas toleranter designt, so dass sie auch noch gut mit Fremdmasten funktionieren.

Ihr habt für Gaastra-Kunden eine Rabatt-Aktion geplant. Was hat es damit auf sich?

Für unsere treuen Gaastra-Kunden haben wir eine besondere Aktion vorbereitet: Nach einer kurzen Registrierung auf unserer Homepage können in der gesamten Saison 2017 unsere neuen Masten mit einem Rabatt von 30 Prozent auf den empfohlenen Verkaufspreis über die Surfshops bezogen werden. So bleibt die Investition in einen neuen Mast überschaubar und niemand wird dafür bestraft, sich in der Vergangenheit perfekt passende Masten für unsere Segel gekauft zu haben.

© GA Sails
Gaastra-Designer Peter Munzlinger
Gaastra-Designer Peter Munzlinger
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