"Mundpropaganda ist zeitlos"

25.10.2017 Manuel Vogel - Ed D’Ascoli, Gründer der Neoprenmarke XCEL, und Design-Chef Lance Varon über die Anfänge, den steten Aufstieg zu einem der angesagtesten Labels und die Neos der US Navy Seals.

© XCEL
Es begann im Hinterzimmer, heute gehört XCEL zu den weltweit größten Neopren-Marken
Es begann im Hinterzimmer, heute gehört XCEL zu den weltweit größten Neopren-Marken

Ed, vor 35 Jahren hast du in einem Hinterzimmer auf Oahu deinen ersten Neo zusammengeschustert. War das damals purer Eigennutz oder hattest du einen Business-Plan?

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Neopren-Pionier Ed D'Ascoli
Neopren-Pionier Ed D'Ascoli

Das erste Mal Wellenreiten war ich mit 14 in Longport, New Jersey. Ich war sofort süchtig. Dieses Jahr feiere ich also mein 50-jähriges Surferjubiläum. Nach der High School zog ich nach Florida, um mehr aufs Wasser zu kommen. Ich lernte wie man Surfboards baut, zog 1973 nach Kalifornien um, 1975 nach Hawaii. Dort gründete ich ein Surfboard-Label mit einem Freund aus Japan. In Japan traf ich auch die Eigentümer von Victory Wetsuits, importierte deren Neos und lernte, wie man Surfanzüge macht. Als ich gerade eine Produktion für Victory in Kalifornien aufgebaut hatte, stiegen die Japaner aus. Ich hatte noch 1000 Dollar in der Tasche und musste entscheiden, was ich machen sollte: Surfboards zu bauen war zu dieser Zeit nicht gerade ein gesunder Job mit all dem Staub und dem Gift, ein Wohnortwechsel kam nicht in Frage, also blieb mir nur Surfanzüge zu machen. Den ersten schneiderte ich bei mir zu Hause auf dem Küchentisch.

Der Aufstieg von XCEL verlief eher langsam...

...aber stetig. Ich wollte einfach meine Erfahrung von Warmwasserspots wie Hawaii und Kaltwasserrevieren wie Kalifornien oder Japan nutzen und in den perfekten Neo einbringen. Neue Schnitte und Materialien sollten ausschließlich an den Bedürfnissen der Surfer orientiert sein, denn unabhängig von Moden und Looks sind es doch immer die Grundbedürfnisse der Surfer nach Wärme und Bewegungsfreiheit, die an erster Stelle stehen sollten. Für Werbung hatte ich damals kein Geld, daher setzte ich auf Mundpropaganda und ich glaube, dass dies auch heute, in Zeiten von Internet und professionellem Marketing, noch am besten funktioniert. Über Mundpropaganda kam auch der Schritt in Märkte wie Tauchen, Kanu oder den Segelsport zustande. Irgendwann 1986 rief mal ein Typ bei mir an und wollte, dass ich zehn maßgefertigte Neos für ihn und seine Segelcrew machte. Erst hinterher bemerkte ich, dass es der Käpitän des legendären „Stars and Stripes“ America‘s Cup Teams war.

Lance, du bist seit langem Chef des Design-Teams von XCEL. Viele Leute denken „ein Neo ist ein Neo“. Sind heute richtige Innovationen wie vor 20 oder 30 Jahren überhaupt noch möglich?

Der größte Fortschritt der letzten Jahre war zweifelsohne der Stretch, also die Dehnbarkeit der Materialien. Vor Jahren war ein dicker Neo sehr sperrig, weshalb Wintersurfen für viele überhaupt kein Thema war. Das hat sich dramatisch verändert, heute kann man einen Neoprenanzug für Temperaturen deutlich unter zehn Grad anziehen und sich bewegen wie in einem Sommerneo.

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Stichwort „Innovationen“: Derzeit ist ja die Verwendung von umweltverträglicheren Materialien ein großes Thema. Woran arbeitet ihr gerade konkret?

Wir sind immer innovativ, was genau wir aber vorhaben, darüber darf ich derzeit noch nicht sprechen.

Zusätzlich zur Produktion in Asien habt ihr nach wie vor eine weitere auf Hawaii. Warum?

Was XCEL von anderen Neomarken unterscheidet ist, dass wir nichts aus der Hand geben. Wir haben unser eigenes Designteam und eine Herstellung in Haleiwa, Hawaii und kontrollieren auf diese Weise jeden Aspekt der Produktion. Dass wir 2016 erneut den wichtigen SIMA-Award der Wellenreit-Industrie für den „Wetsuit of the Year“ gewonnen haben, macht uns sehr stolz. Auf Hawaii produzieren wir auch unsere Anzüge für die Spezialkräfte.

Das US-Militär als Kunde zu haben ist eher ungewöhnlich. Wie kam dieser Kontakt zustande? Sowas stellt man sich etwas mysteriös vor.

Diese Partnerschaft entstand eher zufällig. Wir statteten Tauch-Shops mit unseren Neos aus, die wiederum bereits Kontakte zum US-Militär hatten, denn auch dort besteht ein gewisser Bedarf. Irgendwann war die Nachfrage so groß, dass wir eine eigene Produktion für die Navy Seals starten konnten. Wir statten aktuell diese Elitesoldaten mit Neo-Paketen aus, die Anzüge für die unterschiedlichen Missionen der Spezialkräfte enthalten. Dazu gehören etwa extrem flexible Schwimmanzüge oder Neos, mit denen man an extrem kalten Einsatzorten bestmöglich überleben kann. Insgesamt handelt es sich dabei um eine ganz normale Partnerschaft, es war also nicht so, dass da ein paar fiese Typen mit dunklen Sonnenbrillen bei uns in der Fabrik auftauchten und Ansagen gemacht hätten.

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