Gaastra Masten: Neue Biegekurve bei 2017er Masten

01.06.2017 Manuel Vogel - Gaastra-Segel funktionierten bisher nur mit einer sehr speziellen Mastkurve, die die Nutzung von Fremdmasten problematisch machte. Designer Peter Munzlinger erklärt, warum jetzt der Wechsel zur weit verbreiteten Constant Curve kommt.

© Stephan Gölnitz
"Bei unseren alten Hardtop-Biegelinien waren die Grenzen der Designmöglichkeiten ausgeschöpft. Daher haben wir uns entschieden, auf die weit verbreitete Constant Curve zu wechseln.” (Peter Munzlinger, Gaastra-Designer)
"Bei unseren alten Hardtop-Biegelinien waren die Grenzen der Designmöglichkeiten ausgeschöpft. Daher haben wir uns entschieden, auf die weit verbreitete Constant Curve zu wechseln.” (Peter Munzlinger, Gaastra-Designer)

Gaastra hat jahrelang auf eine recht spezielle Hardtop-Biegekurve gesetzt, jetzt kommt der Wechsel zur weit verbreiteten Constant Curve. Was ist die Überlegung dahinter?

Munzlinger: Richtig, wir haben lange Zeit an der Hardtop-Biegekurve festgehalten. Um die Biegekurve von Masten zu ermitteln, werden diese an den Enden fixiert (1) und in der Mitte mit 30 Kilo belastet (2). Vom Nullpunkt ausgehend wird dann die Durchbiegung gemessen und zwar bei einem Viertel, drei Viertel und genau in der Mitte. Bei unserer alten Hardtop-Biegelinie bog sich der Toppbereich im Verhältnis weniger stark durch als bei Constant-Curve-Masten, die Toppbereiche waren also steifer. Diese Mastkurve hatten wir ursprünglich von unserem früheren Segeldesigner Barry Spanier übernommen. Die Masten haben sehr gut funktioniert, weil sie ausgesprochen komfortabel zu fahren waren. In den letzten Jahren haben wir unsere Masten schon langsam etwas mehr in Richtung Constant Curve modifiziert. 2015 haben wir uns entschlossen, bei unseren Race-Masten mit 100 Prozent Carbon zu Constant Curve zu wechseln, weil ich die Designmöglichkeiten auf Hardtop-Masten schlichtweg ausgereizt hatte – ich war an der Grenze des Machbaren angekommen.

© Herstellerfoto
Peter Munzlinger, Segel-Designer
Peter Munzlinger, Segel-Designer

Was war hier der limitierende Faktor?
Die Constant-Curve-Biegekurve hat mir einfach ganz neue Möglichkeiten eröffnet, um die Segel weiterzuentwickeln. Es ist zum Beispiel immer schwierig, auf einem Hardtop-Mast ein schönes, bauchiges Profil im unteren Bereich des Segels zu generieren, weil das im Verhältnis weichere Unterteil immer etwas Profil aus dem Segel rauszieht. Unsere 2017er-Segel haben ein ausgeprägteres, harmonisches Profil im unteren Segelbereich. Dadurch erreichen wir bessere An- und Durchgleit-Performance bei gleichbleibend gutem Top-Speed. Der Wechsel zu Constant Curve war sehr erfolgreich, die Erfolge unserer Vapor-Racesegel der letzten zwei Jahre sprechen für sich. Also haben wir für 2017 beschlossen, alle Masten auf Constant Curve zu updaten. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir jetzt die am weitesten verbreitete Mastbiegekurve benutzen. So muss sich ein Endkunde, der bereits einen Constant-Curve-Mast hat und mit dem Gedanken spielt, sich ein Gaastra-Segel zuzulegen, weniger Gedanken um die Neuanschaffung eines passendes Masts machen.

Betrifft der Wechsel zu Constant Curve alle Segellinien von Wave bis Race? Wie läuft ein solcher Wechsel in der Praxis ab? Für das Designteam bedeutet dies doch, dass alle Segellinien neu entwickelt werden müssen, oder?
Ja, wir haben unsere gesamte Mast-Range mit Constant-Curve-Biegekurve neu designt. In der Praxis bedeutet das, dass wir bei allen Segellinien die Vorliekskurven modifiziert haben. Wir haben zwar ohnehin alle Segel neu designt, die Anpassung an die neue Biegekurve war aber eine beträchtliche Mehrarbeit. Der Aufwand hat sich aber definitiv gelohnt: Das Feedback von unseren Surfstationen, Importeuren, Teamfahrern, aber auch von Endkunden ist durchweg sehr positiv. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit unserer 2017er-Gaastra-Range.

Worauf sollten Gaastra-Kunden nun achten? Ein 2016er-Mast mit Segel von 2017 ist ja jetzt nicht ideal, oder? 
Wie bereits erwähnt, hatten wir unsere Mastbiegekurve innerhalb der letzten Jahre schon schrittweise etwas in Richtung Constant Curve bewegt. Der finale Wechsel war also gar nicht so radikal. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ein 2016er-Hardtop-Mast in einem 2017er-Segel problemloser funktioniert als umgekehrt.

Bedeutet also im Klartext: neues Segel mit altem Mast geht gut, altes Segel und neuer Constant-Curve-Mast ist weniger ein Tipp?
Ja genau, bei camberlosen Segeln verschlechtert ein 2017er-Mast in einem alten Gaastra-Segel die Lattenrotation merklich. Bei Cambersegeln gibt es da weniger Probleme: Durch die Spacer (Abstandshalter zwischen Latten und Cambern, die unterschiedlich dicke Mastdurchmesser ausgleichen können, die Red.) lässt sich der Lattendruck und so das Rotationsverhalten einfach anpassen. Man muss allerdings auch festhalten, dass gerade die Performancesegel wie das Racesegel Vapor, das Freestylesegel Pure sowie die Wavesegel Manic, Poison und IQ deutlich mastsensibler sind als beispielsweise unser Freeridesegel Hybrid. Bei den genannten Modellen empfiehlt es sich immer, den Mast zu benutzen, auf dem das Segel designt wurde, weil nur mit dem empfohlenen Originalmast die volle Performance der Segel abgerufen und genutzt werden kann.  Bei unseren Segeln für den Freizeit- und Hobbybereich, wie etwa den Freeridesegeln Hybrid und Cross, haben wir die Vorliekskurven etwas toleranter designt, so dass sie auch noch gut mit Fremdmasten funktionieren.

Ihr habt für Gaastra-Kunden eine Rabattaktion geplant. Was hat es damit auf sich?
Für unsere treuen Gaastra-Kunden haben wir eine besondere Aktion vorbereitet: Nach einer kurzen Registrierung auf unserer Homepage können in der gesamten Saison 2017 unsere neuen Masten mit einem Rabatt von 30 Prozent auf den empfohlenen Verkaufspreis über die Surfshops bezogen werden. So bleibt die Investition in einen neuen Mast überschaubar und niemand wird dafür bestraft, sich in der Vergangenheit perfekt passende Masten für unsere Segel gekauft zu haben.

© Herstellerfoto
Messung der Biegekurve von Masten
Messung der Biegekurve von Masten
© Herstellerfoto
30 Kilo belasten den Mast in der Mitte. Gemessen wird die Biegung bei 1/4 und 3/4 der Mastlänge sowie genau in der Mitte. Bei Hardtop-Masten biegt sich der Mast im oberen Teil im Verhältnis weniger als bei der Biegelinie "Constant Curve".
30 Kilo belasten den Mast in der Mitte. Gemessen wird die Biegung bei 1/4 und 3/4 der Mastlänge sowie genau in der Mitte. Bei Hardtop-Masten biegt sich der Mast im oberen Teil im Verhältnis weniger als bei der Biegelinie "Constant Curve".
© Basti Ulrich
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 9/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 9/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.
Kommentare zu diesem Artikel
comments powered by Disqus

Artikel empfehlen |  Artikel drucken

Das könnte Sie auch interessieren

Finnenreparatur
Windsurf-Finnen richtig reparieren 09.11.2017 —

Finnen sind mehr als schnöde Spurhalter, sie sind der Motor unter deinem Board. Und weil eine gute Finne auch oft kein Schnäppchen ist und sich Löcher im Profil direkt auf Speed und Spin-out-Anfälligkeit auswirken, darf man ihr gerne ein wenig Aufmerksamkeit schenken und zumindest die Spuren der letzten Grundberührung tilgen.

mehr »

Bulli-Ausbau: Camping-Module für Surfmobile: <p>
	Bulli-Ausbau: Camping-Module f&uuml;r Surfmobile</p>
Bulli-Ausbau: Camping-Module für Surfmobile 30.11.2016 —

Handwerkliches Talent? Fehlanzeige? Oder musst du deinen Surfbus auch als Pkw nutzen? Dann könnten diese Ausbau-Module die Lösung für dich sein! Schlafen, Essen & Wohnen gibt’s hier ohne endloses Getüftel und vor allem ohne die Sitzplatzoptionen endgültig zu verbauen.

mehr »

Test: Fußschlaufen-Tuning mit dem Steelpunk: Test: Fu&szlig;schlaufentuning mit dem Steelpunk Fotostrecke
Test: Fußschlaufen-Tuning mit dem Steelpunk 09.02.2017 —

Fußschlaufen in normalen Plugs doppelt verschrauben, das verspricht Steelpunk – kaputte Gewinde und abgerissene Schrauben sollen damit bei Windsurfboards der Vergangenheit angehören. Wir haben ausprobiert, ob die Idee hält, was sie verspricht.

mehr »

Mast verklemmt? So kriegen Sie ihn wieder auseinander!: Mast verklemmt? So kriegen Sie ihn wieder auseinander! Fotostrecke
Mast verklemmt? So bekommt ihr ihn wieder auseinander! 08.02.2017 —

Ein feiner Surftag ist vorbei, jetzt schnell abbauen und ab nach Hause. Weil aber die beiden Mastteile oft verklemmter sind als katholische Klosterschülerinnen, endete schon so manche Heimfahrt vom Spot mit viel Gefluche und einem Überlänge-Wimpel am Auto. Wir geben euch wertvolle Tipps für erfolgreiche Trennungsversuche.

mehr »

So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil: So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil
So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil 02.11.2016 —

Schnickschnack ist toll – aber nicht jeder kann für den Ausbau nochmal die gleiche Summe aufwenden wie fürs Auto selbst. Im zweiten Teil unserer Ausbau-Serie beschränken wir uns daher aufs Wesentliche: Surfen, Essen, Schlafen für kleine Budgets.

mehr »

Schlagwörter

GaastraMastBiegekurve

Diese Ausgabe SURF 1/2017 bestellen


Bestelle jetzt SURF für 10 Ausgaben!

Deine Vorteile:

  • Jedes Heft im Abo nur € 4,65* statt € 5,00
  • Keine Ausgabe mehr verpassen
  • Kostenlose Downloads auf surf-magazin.de
  • Portofreie Lieferung im Onlineshop (www.delius-klasing.de)*
  • Urlaubsunterbrechung bzw. –versand jederzeit möglich

(*gilt nur bei Lieferung innerhalb Deutschlands)

Jetzt bestellen!



Galerie

Neueste Downloads