So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil

02.11.2016 Manuel Vogel - Schnickschnack ist toll – aber nicht jeder kann für den Ausbau nochmal die gleiche Summe aufwenden wie fürs Auto selbst. Im zweiten Teil unserer Ausbau-Serie beschränken wir uns daher aufs Wesentliche: Surfen, Essen, Schlafen für kleine Budgets.

© Manuel Vogel
So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil
So wird aus dem Bulli VW T4 Surfmobil

Es gibt gute Gründe warum der VW T4 bei Windsurfern derart beliebt ist: Sparsam, zuverlässig, nicht zu groß, nicht zu klein und überaus wertstabil ist er wohl der Liebling der aufstrebenden Surfgeneration. Auch ich habe mir seit dem ersten Semester an der Uni den mittlerweile dritten T4 ausgebaut und bin, von einigen kleinen Anpassungen abgesehen, immer beim gleichen Grundprinzip gelandet – welches problemlos auch auf VW T5, Peugeot Boxer, Fiat Ducato, Renault Trafic oder Mercedes Viano adaptiert werden kann. Für mich als Nordlicht gab es stets zwei Nutzungsszenarien:

1) Tagestrip an Nord- oder Ostsee, wenn möglich zu dritt, um Spritgeld zu sparen. Eine Doppelsitzbank vorne war mir daher wichtig, ebenso wie die Möglichkeit, ein Fahrrad oder SUP durchladen zu können.

2) Wochenend- oder Roadtrips quer durch Europa, zwei Schlafplätze, Schrank, Kochgelegenheit und Stauraum für 7-8 Segel, Masten und Gabeln mussten es also sein.

Da der T4 kein wirklich großes Auto und durch die runde Konstruktion nicht gerade ausbaufreundlich ist, war von vorne he­rein klar, dass bei längeren Trips zumindest die Boards auf dem Dach landen würden – man verbaut sich sonst jeglichen Wohnkomfort.

Mein sauer verdientes Studenten-Budget ging damals fast komplett für den Bus drauf, mein Ziel war daher ein simpler und praktischer Ausbau für unter 1000 Euro.

Boden & Isolierung

Die 18mm Bodenplatte aus Holz war bereits drin, an dieser konnte der Ausbau verschraubt werden. Auf die Holzplatte habe ich PVC-Boden aus dem Baumarkt mit Pattex aufgeklebt. Wichtig: An den Rändern einige Zentimeter nach oben überstehen lassen und an den Wänden verkleben – so ergibt sich eine wasserdichte Wanne und der Holzboden bleibt trocken. Da ich keine Standheizung besitze, habe ich hinsichtlich Isolation nur das Nötigste getan – 12mm- Isolatormatten wurden im Dach und an den Wänden hinter die Verkleidung geklebt.

Der Ausbau

Mit einer Ladefläche von knapp über 2,40 m hat der T4 die nötige Länge, um Boards und Masten aufzunehmen. Eine große Kiste (ca. 240 x 85 x 45cm) reicht von der Hecktür bis hinter den Fahrersitz und dient als Materiallager (1 Board, 4-5 Segel, Zubehör) und gleichzeitig als Sitzbank oder Bett. Die gesamte Konstruktion der Kiste ist eine Rahmenkonstruktion, was bedeutet, dass ich einen simplen Rahmen aus Vierkanthölzern (50x50mm) und Dachlatten gebaut habe (1), auf den dann leichte und günstige Sperrholzplatten (Liegefläche 18mm dick, Seiten 5mm) aufgeschraubt werden. Die sechs senkrechten Kanthölzer habe ich mit Winkeln durch den PVC-Belag am Holzboden verschraubt.

© Manuel Vogel
Die Rahmenkonstruktion (Bild 1) sorgt für Stabilität, abgesehen von der Liegefläche reichen dann dünne Sperrholz- oder OSB-Platten für die Seitenwände und Schränke.
Die Rahmenkonstruktion (Bild 1) sorgt für Stabilität, abgesehen von der Liegefläche reichen dann dünne Sperrholz- oder OSB-Platten für die Seitenwände und Schränke.

Direkt hinter dem Fahrersitz wurde auf die Kiste ein kleiner Schrank aufgesetzt, dort steht ein 2-Flammen-Gaskocher, die Gasflasche (2,75 Kilo) befindet sich im Schrank und wird bei Bedarf angeschlossen (Achtung: Bei Betrieb sollte man für Belüftung sorgen, beim Fahren alles abdrehen). Auch zwischen Schiebetür und Hecktür habe ich einen schmalen Schrank per Rahmenkonstruktion gebaut, hier finden Vorräte und Geschirr Platz. Die exponierten Flächen wurden abschließend mit einem Bio-Harz eingeölt, um sie gegen Nässe zu schützen. Weil ich bei meinem ersten Ausbauversuch diverse Male kopfüber in die Kiste gekrochen war – die Mastverlängerung war mal wieder nach hinten durchgerutscht – habe ich diesmal einen Deckel eingebaut (5), sodass ich auch von innen an die Kiste komme. Cooler Nebeneffekt: Wertsachen wie Kamera oder Computer finden dort ein "sicheres" Versteck. Einige Kumpels fragten, ob sie es auch als Plumpsklo nutzen dürften. Die Antwort könnt ihr euch denken...

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Das Surfmaterial ist von außen nicht zu sehen, aus einer längs ausgerichteten Sitzbank mit Gang zum Durchladen wird bei Bedarf schnell ein Bett für zwei (Bild 2). 
Das Surfmaterial ist von außen nicht zu sehen, aus einer längs ausgerichteten Sitzbank mit Gang zum Durchladen wird bei Bedarf schnell ein Bett für zwei (Bild 2). 

Von der Bank zum Bett

Auf der Kiste haben 3-4 Personen Platz, um bei einem Bier den Surftag Revue passieren zu lassen. Der Umbau zum Bett mit Liegefläche (etwa 1,25 m) dauert keine Minute: Drei Holzteile schließen die Lücke zwischen Kiste und Schrank (3), diese lagere ich unter der Matratze und lege sie einfach auf die an Kiste und Schrank aufgeschraubten Leisten/Schienen (4). Das vordere Holzteil wird über einen Stützfuß gestützt (3). Dann einfach Matratze vorziehen, fertig. Das mittlere Holzteil kann darüber hinaus zum Tisch werden (6) und wird einfach unter eine am Schrank angeschraubte Holzleiste geklemmt (7).

© Manuel Vogel
Drei Holzteile machen die Bank zum Bett. Diese liegen auf kleinen Leisten auf. Vorne hilft ein Stützfuß (Bilder 3 & 4).
Drei Holzteile machen die Bank zum Bett. Diese liegen auf kleinen Leisten auf. Vorne hilft ein Stützfuß (Bilder 3 & 4).
© Manuel Vogel
Drei Holzteile machen die Bank zum Bett. Diese liegen auf kleinen Leisten auf. Vorne hilft ein Stützfuß (Bilder 3 & 4).	 
Drei Holzteile machen die Bank zum Bett. Diese liegen auf kleinen Leisten auf. Vorne hilft ein Stützfuß (Bilder 3 & 4).
 
© Manuel Vogel
Über eine Klappe gelangt man auch aus dem Inneren des Bullis an die Kiste (Bild 5).
Über eine Klappe gelangt man auch aus dem Inneren des Bullis an die Kiste (Bild 5).

Unterm Strich

Der Ausbau mit Isolierung, Holz, Winkeln und Schrauben hat mich etwa 700 Euro gekostet – bei einer Arbeitszeit von etwa drei bis vier Tagen. Abschließend gibt’s noch ein paar Tipps für einige sinnvolle Anschaffungen, mit denen sich Wohnqualität und Platzangebot noch mal spürbar verbessern.

© Manuel Vogel
(BIld 6)
(BIld 6)
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(Bild 7)
(Bild 7)

TOP-TOOLS

Gegen Regen: Wenn’s stürmt und regnet kann man beim Schlafen die Fenster trotzdem einen Spalt offen lassen. Auch wenn das Auto lange steht, entweicht die übliche Feuchtigkeit besser – das verzögert auch das Durchrosten. Gibt’s von ClimAir (9) und anderen Anbietern (ab 50 Euro).

Gegen Stromausfall: Eine zweite Batterie hatte ich mir damals ebenfalls gespart. Über den Zigarettenanzünder kann man Handys und Computer per Spannungswandler (12) laden. Wichtig: Nicht den Billigsten nehmen und darauf achten, dass das Gerät eine automatische Abschaltung bei Überhitzung und bei Spannungsabfall der Starterbatterie hat. Preis: Ab 30 Euro. Die Serienbeleuchtung habe ich gegen LED-Sofitten ausgetauscht (11), diese verbrauchen nur 5W und sind ähnlich hell (ca. 3,50 Euro).

Gegen Langfinger: Laut Statistik gehört der T4 zu den am häufigsten gestohlenen Autos. Wer sich auskennt, baut einen Schalter ein, der die Kraftstoffzufuhr kappt, bei mechanischen Systemen hat sich der Pedal Block (10) bewährt – hier müssen Diebe schon schweres Gerät auffahren. Gibt’s nicht im Handel, fündig wird man z.B. im T4 Forum unter dem Suchbegriff "Diebstahlschutz". Kosten: ca. 160 Euro.

Gegen Klaustrophobie: Drehkonsolen gibt’s auch für die Doppelsitzbank! Beim britischen Anbieter Kiravans.com erhält man diese Konsole (8), die einfach zwischen Boden und Original-Bank geschraubt wird. Auch für weitere Bus-Modelle verfügbar. Preis inklusive Versand: ca. 370 Euro.

© Manuel Vogel
Eine drehbare Drehkonsole für den Doppelsitz (Bild 8) ist Gold wert und sorgt für viel zusätzlichen Raum. Durch eine ausgeklügelte Kombination aus Drehen und Verschieben lässt sich die original VW-Bank dann auf dem Punkt drehen.
Eine drehbare Drehkonsole für den Doppelsitz (Bild 8) ist Gold wert und sorgt für viel zusätzlichen Raum. Durch eine ausgeklügelte Kombination aus Drehen und Verschieben lässt sich die original VW-Bank dann auf dem Punkt drehen.
© Manuel Vogel
(Bild 9)
(Bild 9)
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Diebstahlschutz (Bild 10)
Diebstahlschutz (Bild 10)
© Manuel Vogel
LED LIcht (Bild 11)
LED LIcht (Bild 11)
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Spannungswandler (Bild 12)
Spannungswandler (Bild 12)
© Ronny Kiaulehn
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 7/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe ist leider vergriffen.
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