Redaktion

Kaufberatung für Einsteiger – Das erste SUP

  • Stephan Gölnitz
12.08.2014

Sommer ist jetzt – ein Board muss her – hier findest du die wichtigsten Tipps und Infos für den ersten Boardkauf.

Nicht jeder hat eine Freundin, die sich bei der Boardberatung so gut auskennt. Arianne Scholl (links) bekommt Promi-Tipps von Sonja Duschek.

"Welches Board soll ich mir denn jetzt kaufen?" Wenn ich das nicht einmal einem guten Freund sofort beantworten kann, wie geht es dann erst den vielen SUP-Einsteigern, die diesen Sommer ein Board anschaffen. SUP-Begeisterte, die nicht das High-End-Raceboard suchen, oder ein Wellenboard für die dänische Nordsee. Sondern Familien und Fitnessfans, die auf dem See oder Fluss die Natur genießen wollen, die die unglaublichen Fitness-Möglichkeiten nutzen möchten oder einfach nur Paddel- und Badespaß mit der Familie suchen. Damit das keine trockene Abhandlung wird, haben wir uns "richtige" Probanden gesucht: SUP-interessierte ganz ohne, oder mit wenig Paddelerfahrung.

Hier ist der Profi am Werk: Für SUP-Racer Valentin ist auch auf schmalen Raceboards der enge Turn kein Problem. Das erste eigene Board sollte breiter ausfallen.

Petra Richter (mit Paddelerfahrung): "Das Fanatic Fly 11’ 32’’ war ganz gemütlich, das war auch leicht rückwärts und vorwärts zu fahren, so sicher wie auf dem Schlauchboot. Dann habe ich noch das schmale Raceboard probiert – da wird’s interessant, das ist dann eine Konzentrationsgeschichte, die innere Muskulatur wird aktiviert. Schon anspruchsvoll. Ich würde aber doch das gemütlichere nehmen, das kann ich dann auch für Yoga benutzen."

Zwei Tage konnten wir dafür den kompletten Fanatic-Testanhänger benutzen und an verschiedenen Spots an süddeutschen Seen an testwillige SUP-Einsteiger die unterschiedlichsten Boards ausleihen. Die Eindrücke und Erfahrungen sind dabei natürlich auch auf alle anderen Marken (die im Grunde zumindest vergleichbare Modelle anbieten) übertragbar. Für uns standen die grundsätzlichen Fragen bei der Kaufenstscheidung im Vordergrund, die sich in vier Schritten beantworten lassen.

Beide machen Spaß: Ähnliche Boards, einmal hart und einmal aufblasbar.

Step 1: Hardboard oder Aufblasbar Die wohl wichtigste Frage zuerst: Auch wenn mittlerweile nahezu ausschließlich Inflatables (aufblasbare SUPs) über den Ladentisch gehen, kommt für den einen oder anderen doch nur ein laminiertes Hardboard in Frage. Dabei funktionieren aufblasbare Boards mittlerweile nahezu so gut wie die (meist schwereren) laminierten Boards und sogar bei Rennen können Topfahrer mit speziellen Verdränger-Inflatables mit der Carbon-Konkurrenz zumindest mithalten. Der konstruktive Trick sind tausende Fäden, die zwischen Oberseite und Unterseite verwebt und verklebt sind und so ermöglichen, die Boards mit Hochdruck aufzupumpen, ohne dass diese zur runden Wurst werden. Das bringt eine Festigkeit und Steifigkeit, die vor einigen Jahren so nicht denkbar gewesen wäre. Race und Wave sind die letzten Bastionen von leichten Carbon-Boards, da wo es auf Millimeter in der Form und maximale Steifigkeit ankommt. Auf Seen und Flüssen überwiegen häufig die Vorzüge der "iSUPs" und für einige Visionäre sind Inflatables sogar die reale Zukunft des SUP-Racings und nicht nur Luftschlösser.

Vorzüge Inflatables:

Vorzüge Hardboards:

Ariane Scholl (SUP-Neuling): "Der Ray (Touring-Hardboard) fühlte sich am sportlichsten an und kam mir am flottesten vor. Das Brett ist kippstabil und trotzdem schnittig."

Handling und Transport: Hardboards erfordern zwar einen Dachträger, dafür ist das Board mit etwas Übung in einer Minute aus der Garage auf dem Autodach verzurrt und am Spot genau so schnell auf dem Wasser. Wer keine Garage oder ähnliches zur Verfügung hat, kommt aber einfach um ein Inflatable nicht herum, denn übliche Flachwasserboards sind zwischen 3,00 Meter und 3,80 Meter lang und gehen in kaum einen Keller.

Darf's etwas länger sein?

Step 2:  Die richtige Länge Diese Kaufberatung zielt auf die große Gruppe der Spaßpaddler, Tourenpaddler, Fitnesspaddler und Familien, die ein Board für den See, für das Meer ohne Wellen und den gemächlich dahinfließenden Fluss suchen. Experten, wie Wave-Surfer, Stromschnellen-Harakiris und Racer sind raus, die kennen sich selber aus. Damit ist auch die geeignete Länge schnell eingeschränkt. Längenangaben bei SUP sind meist "Fuß" und "Inch". Ein 11’2’’ ist dementsprechend 11 Fuß und 2 Inch lang. Ein Fuß ist 30 Zentimeter, ein Inch 2,54 Zentimeter. Leider etwas kompliziert, weil man nicht einfach 11,2 Fuß rechnen darf – ist aber so, muss man sich mit abfinden. Hier ein paar gängige Größen zur schnellen Orientierung:

Claudia Wendt (wenig SUP-Erfahrung): "Das 10’2’’er reicht mir von der Länge aus und ist etwas wendiger. Das Board mit 34' Breite ist deutlich stabiler als das längere mit 32 Inch. Ich suche ein Brett für die Familie, um hier am Starnberger See im Idealfall mal auf die andere Seite zu fahren und ansonsten hier auf und ab."

Zwischen 10’2’’ und 12’6’’ werden sich die Boards für SUP-Einsteiger meist einpendeln. Mehr Länge ist dabei etwas schneller und läuft besser geradeaus (es sind mehr Paddelschläge nacheinander auf einer Seite möglich) und trägt mit mehr Volumen auch besser das Gepäck für Touren. Faustregel: Wer beabsichtigt überwiegend in Sichtweite des Badestrandes paddeln zu gehen, kommt mit Längen zwischen 10’2’’ und 11’2’’ bestens aus. Schwerere greifen zu den etwas längeren Größen, leichte zu den kürzeren Boards. Ein 10’2’’ ist schön wendig, ein 11’2’’ schon gut Touren-geeignet.

Step 3: Die richtige Breite Unsere Probanden, ob schwer oder leicht, sportlich vorbelastet oder Einsteiger wählten am Ende meist Boards zwischen 32 und 34 Inch Breite aus. Zur Übersicht eine kleine Kassifizierung. 25 Inch breit: Reines Raceboard, vergleichbar mit Rennkanus, extrem kippelig und bei leicht unruhigem Wasser nur mit viel Übung überhaupt sicher (trocken) zu paddeln. 29 Inch breit: Ein sportliches Touring-Maß. Für sportlich veranlagte Paddler, die das leicht kippelige als Herausforderung sehen.

Dick oder dünn?

Meist wirken aufblasbare Boards wegen der runden, dicken Kanten etwas wackeliger als laminierte Bretter und sollten daher etwa 1-2 Inch breiter gewählt werden. Boards mit sehr runder, breiter Nase und breitem Heck sind natürlich kippstabiler als Bretter mit spitzer Nase und schmalem Heck.

Step 4: Die richtige Dicke Vier und sechs Inch Dicke sind die üblichen Standardmaße. In vier Inch sind häufig die günstigeren Angebote zu finden – und Kinderboards. Wir würden Bretter in vier Inch lieber sehr leichten Paddlern (« 60 Kilo) empfehlen, da sich diese Boards bei ähnlichem Fülldruck spürbar stärker durchbiegen, außerdem schwappt eher (im Frühjahr kaltes) Wasser übers Deck. Vorteile ist das etwas geringere Gewicht. Dafür spürt man hier wirklich das Gefühl auf einem aufblasbaren Board zu stehen, auf einem 6-Inch-Board könnte man das manchmal glatt vergessen. Für Kinderboards reichen vier Inch dagegen "dicke", die Kids stehen tiefer, dadurch kippstabiler und sind einfach näher am Wasser.

Am Ende unserer Testrunde standen zwei Boardmaße ganz oben auf der Liste: Für flotteres Touring-Paddeln die Variante in etwa 11’0’ mal 32’ und als Allround-Spaßbrett für die gesamte Familie die kippstabilere Version in 10’2’’ mal 34’. Die Hardboards gefielen zwar nahezu allen Probanden nochmals einen Tick besser – die Inflatables waren aber vom Feeling so nah dran, dass jeder wegen der Lagerprobleme auch gerne zum aufblasbaren Board greifen würde. Richtig Spaß hatten bei der "Test-Arbeit" jedenfalls zu 100 Prozent alle, selbst die bisherigen SUP-Skeptiker.

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