The Ocean Cleanup Project - Aufräumen im Ozean

  • Jenny Eschenbach
 • Publiziert vor 5 Jahren

Einen 17-Jährigen störte der Plastikmüll beim Tauchurlaub in Griechenland. Zwei Jahre später arbeiten 100 Wissenschaftler und Ingenieure mit ihm an seinem Projekt - einem Projekt, mit dem innerhalb von zehn Jahren fast die Hälfte des Plastikmülls aus dem Nordpazifik entfernt werden könnte.

"Die Geschichte des Menschen ist eine Liste von Dingen, die unmöglich waren, bis man sie möglich gemacht hat." - Boyan Slat

Mehr Plastikmüll als Fische

Vermüllte Strände und Meere gehören mittlerweile leider überall auf der Welt zum Alltag.

Boyan Slat, inzwischen 19 Jahre alt, sah bei seinem Tauchurlaub in Griechenland mehr Plastikmüll als Fische - das hat ihn so schockiert, dass er nach einer Lösung suchte - einer Lösung für ein seit Jahren bekanntes globales Problem. Weil er ohnehin gerade an einem Schulprojekt arbeitete und von klein an Technologie-interessiert war, kam ihm eine Idee: "Alle bisherigen Vorschläge basierten darauf, den Müll mit Schiffen und Netzen aktiv aus dem Wasser zu fischen. Aber warum über die Meere fahren und aktiv Müll fischen, wenn der Ozean mit seinen Strömungen den Müll automatisch anliefert", erklärt Boyan. Denn ein Großteil des Plastikmülls, der in den Meeren zirkuliert, konzentriert sich in bestimmten Meeresgebieten, den "Gyres" (auf Deutsch: Wirbel). Slats Projekt will sich dies zunutze machen und dort ein passives Filtersystem installieren.

Plastik zersetzt sich nicht vollständig

Die Gyres (=Strudel) bedecken große Meeresgebiete. In ihnen übersteigt die Menge an Plastik im Wasser die des natürlichen Plantons um teilweise das Sechsfache!

Jedes Jahr landen weitere acht Millionen Tonnen Plastik in unseren Ozeanen, von denen sich große Teile in fünf Meeresgebieten ansammeln und dort zirkulieren. Plastik zersetzt sich nicht vollständig, es zerteilt sich nur in immer kleinere Teile - und erreicht irgendwann die Größe von Plankton. So wird es von Fischen mit Futter verwechselt, diese Fische werden von größeren Fischen gefressen und schließlich werden die großen Fische von und Menschen gegessen. Dabei hat sich das Plastik, das auch Giftstoffe wie PCBs und DDTs an sich bindet, in der Nahrungskette immer weiter angereichert. Für uns Menschen ein Fluch, für Slats Projekt noch ein kleiner Bonuspunkt: Mit dem Plastik zusammen können große Mengen an giftigen Chemikalien mit aus dem Meer gefischt werden - quasi als Beifang. 

Plastikmüll im Meer kostet Geld, auf dem Weltmarkt bringt er Gewinne

Plastikmüll verursacht auch jetzt schon Kosten. Industrien wie die Fischerei, die Schifffahrt und der Tourismus machen aktuell jährlich etwa 13 Milliarden US-Dollar Verluste - nur durch den Müll in den Ozeanen und an den Stränden. Im Moment kostet es einen Staat zwischen 1500 und 25000 US-Dollar, um eine Tonne Plastikmüll von den Stränden zu entfernen. Mit dem Ocean Cleanup Projekt wird es voraussichtlich keine fünf US-Dollar pro Kilo entfernten Plastikmüll kosten. Und das gesammelte Plastik kann schließlich wieder auf dem Weltmarkt an die Recycling-Industrie verkauft werden.

Kann das wirklich funktionieren?

Um die Zweifel ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen, haben Boyan und 100 freiwillige unabhängige Wissenschaftler und Ingenieure ein Jahr lang an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. Diese bestätigt, dass auf diese Weise kosteneffektiv innerhalb von 10 Jahren die Hälfte des Mülls aus dem Nordpazifik entfernt werden könnte. 2014 stellte Boyan sie auf einer Konferenz in New York vor: 528 Seiten stark, der Einband der Printausgabe stammt aus recyceltem Meeresmüll.

Das große Aufräumen - so soll es funktionieren:

12 Bilder

The Ocean Cleanup Project

Weitere Informationen findest du unter www.theoceancleanup.com .

Leserfrage: Was hältst du von Boyans Projekt? Teenager-Träumerei oder geniale Idee? Schreib uns deine Meinung an redaktion@surf-magazin.de oder nutze die Kommentarfunktion.

Themen: BoyanGyreMüllOceancleanupOzeanPlastikPlastikmüllprojektSlat


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