Redaktion

Vorfahrt & Sicherheit

15.04.2015

Windsurfen ist mit Sicherheit eine ungefährliche Sportart. Deshalb erklären wir hier die richtige Verhaltensweise auf dem Wasser bei der Begegnung mit Motorbooten oder Berufsschiffen und die wichtigsten Vorfahrtsregeln...

Berufsschiffsverkehr hat grundsätzlich Vorfahrt. Hierzu gehören Ausflugsdampfer, Fähren, Schiffe, die im Liniendienst verkehren, Binnenschiffe, aber auch Einsatzboote der Polizei und der Rettungskräfte. Auf Binnengewässern sind solche Schiffe meist mit einer weithin sichtbaren grünen Kugel auf den Schiffsaufbauten zu erkennen. 

Berufsschifffahrt hat Vorfahrt

Lange Zeit galt, dass Motorboote Seglern und Surfern immer ausweichen müssen. Das stimmt im Prinzip auf der ganzen Welt, nur nicht im Motorsportland Deutschland. Denn bereits 1998 würde vom damals noch CDU-geführten Bundesverkehrsministerium eine Gesetzesänderung durchgesetzt, nach der in Deutschland innerhalb der Drei-Meilen-Zone andere Gesetze gelten:

"Früher war es im internationalen Seerecht verankert, dass Motorfahrzeuge Segelfahrzeugen, zu denen auch Windsurfer gehörten, immer ausweichen mussten. Die einzige Ausnahme war und ist die Berufsschifffahrt. Durch die Gesetzesänderung haben Windsurfer in Deutschland seit 1998 allerdings den Status von Sportgeräten, was bedeutet, dass sie motorgetriebenen Fahrzeugen generell ausweichen müssen", erklärt Thomas Weinhardt vom Verband Deutscher Windsurfing und Wassersportschulen (VDWS). Ist man also selbst Schuld, wenn man bei drei Windstärken auf der Ostsee hin und herschippert und über den Haufen gefahren wird? Thomas Weinhardt klärt auf: "Das kommt auf die Situation an: Wenn man auf dem Wasser ein Motorboot auf Kollisionskurs sieht, ist man erst einmal verpflichtet auszuweichen, das Boot ist kurshaltepflichtig. Tut man das nicht, hat man bei einem Unfall erstmal Schuld. Allerdings gilt dies nicht, wenn man nur eingeschränkt manövrieren kann, beispielsweise bei wenig Wind oder wenn man gerade im Wasser liegt. Dann darf ein Boot einen Windsurfer natürlich nicht einfach platt machen und muss jederzeit ein Ausweichmanöver machen können.

Um Kollisionen zu vermeiden gibt es drei grundlegende Vorfahrtsregeln, die für alle segelgetriebenen Wasserfahrzeuge gelten, auch für Segelboote.

Sicherheit

1. Backbordbug vor Steuerbordbug. Kommen zwei Surfer aufeinander zu und haben unterschiedliche Hände vorne beim Mast (Surfer 1 hat rechte Hand vorne; Surfer 2 linke Hand vorne) muss Derjenige ausweichen, der die linke Hand vorne beim Mast hat. Die Faustregel "rechte Hand am Mast hat Recht" kann man sich leicht merken.

Sicherheit

2. Lee vor Luv. Haben zwei Surfer die gleiche Hand vorne beim Mast (hier beide die rechte), braucht man eine andere Regel, um Kollisionen zu vermeiden. Dann hat immer Derjenige Vorfahrt, der sich weiter in Lee befindet, in unserem Beispiel ist das Surfer Nummer 1. Surfer 2 wäre also ausweichpflichtig.

3. Kurshaltepflicht. Damit es bei den oben beschriebenen Situationen garantiert nicht zur Kollision kommt, muss aber nicht nur jeweils derjenige ausweichen, der KEINE Vorfahrt hat, sondern derjenige der Vorfahrt hat, ist auch verpflichtet, seinen Kurs und seine Geschwindigkeit beizubehalten. So wird verhindert, dass ungünstigerweise beide Surfer gleichzeitig ausweichen und es so erst zur Kollision kommt.

Wer noch keine Erfahrung mit Wassersport hat, unterschätzt leicht die Kräfte der Natur. Hierzu gehören speziell beim Windsurfen die Stärke des Windes, der Strömung oder auch die Gezeiten. Wer aber die folgenden Regeln beachtet, der bewegt sich stets auf der sicheren Seite.

Ausrüstung checken. Wie bei jeder anderen Sportart auch, sollte deine Ausrüstung in einwandfreiem Zustand. Angerissene Powerjoints, verschlissene Tampen oder Ähnliches können unter der Belastung beim Surfen brechen oder reißen und auf dem Wasser schnell zu einer Notsituation führen. Es empfiehlt sich immer, einen Ersatztampen dabei zu haben. Den kann man beispielsweise um seinen Trapezhaken wickeln. Auch auf angemessene Bekleidung sollte man unbedingt achten. Im Wasser oder auch im Wind kühlt der Körper um ein Vielfaches schneller aus.

Rissige Mastfüße immer sofort austauschen!

Bescheid geben. Grundsätzlich sollte man nie alleine aufs Wasser gehen, man sollte Orte wählen, wo auch andere Surfer sind. Einsteiger sollten nie weiter hinaussurfen, damit sie im Notfall aus eigener Kraft wieder zurückschwimmen können. Auch wenn man einen längeren Surfausflug plant, sollte man immer bei Bekannten oder an der Surfschule folgende Informationen hinterlassen: Ziel des Ausflugs, voraussichtliche Rückkehr, geplante Pausen unterwegs, Farbe deines Segels?

Strömungen. Strömungen sind vom Ufer aus schwer zu erkennen und können gefährlich sein, da man gegen sie kaum anpaddeln oder schwimmen kann, schon gar nicht mit dem Material im Schlepptau. Auch an Binnengewässern können Strömungen beispielsweise durch Zu- und Abflüsse entstehen. Lebensgefährlich kann es im Bereich der Wehre von Talsperren werden. Diese sind allerdings durch gut sichtbare Warntafeln gekennzeichnet. 

Erkundige dich daher vor dem Surfen, ob und wann in einem Revier starke Strömungen auftreten können.

An der Atlantikküste sind 12 Meter Tidenhub keine Seltenheit

Gezeiten. Am offenen Meer entstehen Strömungen vor allem durch Gezeiten. Bei ablaufendem Wasser (Ebbe) zieht es das Wasser aufs Meer hinaus, bei auflaufendem Wasser (Flut) drückt das Wasser wieder Richtung Küste. Die stärksten Strömungen entstehen, wo der Tidenhub (Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser) besonders groß ist, wo das Wasser um Inseln oder andere im oder gegebenenfalls auch unter Wasser liegende Hindernisse herumfließen muss, in jeweils der dritten und vierten Stunde vor und nach dem Hochwasser. 

Im Uferbereich kann die Strömung durch Hindernisse (Sandbänke, Inseln, Buhnen) umgeleitet werden und läuft daher nur selten tatsächlich direkt in Richtung der Gezeiten. Man kann sich also keineswegs darauf verlassen, dass die Strömung bei Flut zum Ufer und bei Ebbe zum Meer hin verläuft. 

Erkundige dich daher vor dem Surfen, ob und wann in einem Revier starke Strömungen auftreten können.

Was tun im Notfall? In jedem Fall gilt: Bleibe immer beim Brett, es ist deine unsinkbare Rettungsinsel! Wenn du nicht sicher bist, ob du das Ufer paddelnd erreichen kannst, lass das Segel im Wasser da es das Abtreiben wie ein Treibanker mindert. Zurückpaddeln solltest du nur dann, wenn du sicher bist, die Strecke problemlos zu bewältigen. 

Wasserdichte Hülle für Smartphones

Zum Paddeln musst du das Rigg unbedingt aus dem Wasser heben und mit der Gabel so auf das Heck deines Boards legen, dass es nicht mehr im Wasser hängt und bremst. Gegebenenfalls musst es auch abbauen oder sogar aufgeben, um dann nur noch mit deinem Board ans Land zurück Paddeln zu können. 

Sicherheit

Hilfe rufen. Hilfe zu rufen ist keine Schande! Das Notsignal muss deutlich und gut sichtbar gegeben werden, damit eine Rettung zügig eingeleitet werden kann. Du hast zwei Möglichkeiten: 

A) Du winkst sitzend, kniend oder stehend auf deinem Board mit deinen ausgestreckten Armen langsam auf und ab. 

B) Oder du winkst mit einen grellfarbenen Gegenstand, zum Beispiel mit deinem Trapez. 

Gib solange Notsignale, bis du sicher bist, dass Hilfe zu dir unterwegs ist. Zusätzlich solltest du in regelmäßigen Abständen dein Rigg aufziehen. Deine Retter können dich im Wellengang oder gegen gleißendes Licht so besser ausmachen. Bleibe in jedem Fall beim Board. So sparst du Kräfte und wirst von den Rettern schneller gefunden.

Anderen helfen. Wenn du einen anderen Surfer siehst, der Notsignale gibt, bist du zur Hilfeleistung verpflichtet. Wenn du selbst nicht helfen kannst, informiere umgehend andere Retter. Achte dabei darauf, den in Not geratenen nicht aus den Augen zu verlieren.

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