Redaktion

Comeback: der legendäre Windsurfer

  • Manuel Vogel
30.01.2019

Back to the roots: Weil Produzent Cobra und einige namhafte Hersteller an einem Strang ziehen, erlebt der legendäre Windsurfer sein Comeback. Edoardo Thermes erklärt im surf-Interview, wie es dazu kam.

Welch ein Anblick – Hunderte bunter Tuchsegel cruisen auf Longboards über den Gardasee. Niemand gleitet, aber alle haben Spaß. Was klingt wie eine Zeitreise zurück in die späten 70er, ist die Gegenwart.

Edoardo, du bist maßgeblich daran beteiligt, den Windsurfer wieder populär zu machen. Was treibt dich an?

Wir haben die Windsurfer Class bereits 2009 wiederbelebt, als ich und einige Mitstreiter feststellten, dass wir durch die Shortboard-Revolution einen Großteil der ursprünglichen Faszination verloren hatten. Seit Shortboards dominieren, geht es bergab. Früher sind die Leute bei drei Knoten auf dem See gecruist und hatten Spaß, heute warten alle auf mehr Wind. Weil die alten Windsurfer-Boards in Australien immer noch populär waren, begannen wir, diese von dort zu importieren und nach und nach eine Regattaklasse aufzubauen – mit überraschend großem Erfolg. Vor zwei Jahren habe ich Leuten wie Bruce Wylie, Verantwortlicher des Produzenten Cobra, die Entwicklung aufgezeigt und die Sache kam ins Rollen.

Jetzt gibt es den alten Shape von damals, neu aufgelegt?

Cobra hat sich der Idee angenommen und einen Shape-vorschlag gemacht: Wie das Original ist auch die neue Version 3,66 Meter lang, mit jetzt 74 Zentimetern fällt der Neue aber acht Zentimeter breiter aus. Die Idee dahinter ist, dass wir nicht nur Regatta­fans glücklich machen wollen, sondern das Konzept auch für Aufsteiger und Surfclubs interessant sein soll. Statt ursprünglich 22 Kilo wiegt es noch 15 Kilo, die Maße sind perfekt, um damit bei Flaute zu SUPen. Unterm Strich ist der Windsurfer ein richtiger Allrounder.

Wie sieht das Windsurfer-Set konkret aus?

Das Board hat ein Softdeck mit Klappschwert, es kommt mit einem Windsurfer-Segel aus Tuch in 5,7 qm, inklusive 4,60er-Carbonmast, einem Gabelbaum mit Verstellbereich von 180-240 cm sowie Verlängerung plus Mastfuß. Das Rigg ist bewusst ohne durchgehende Segellatten designt, damit es sich bei Leichtwind schon richtig füllt und Vortrieb liefert. Für Surfschulen und Surfclubs gibt es das Brett auf Wunsch mit etwas kleinerem Schwert. In der Race-Version hat es ein großes Klappschwert, damit man bei Leichtwind noch schneller kreuzt.

Was wird das Set kosten?

Wir wollen Windsurfen wieder einfach und für jeden erschwinglich machen! Über Cobra bieten wir ein und dasselbe Board für Marken wie GA, Naish, Tabou, Exocet oder Starboard an – weitere Marken könnten aufspringen. Äußerlich wird es immer als Windsurfer zu erkennen sein, die Marken können nur ihr eigenes Logo auf den Bug drucken, das war’s. Durch diese gemeinschaftlichen Anstrengungen können wir auch den Preis relativ niedrig halten, das gesamte Paket aus Brett und Rigg kostet inklusive Steuern und Lieferung in der Race-Version (mit großem Schwert) 1745 Euro. Natürlich gibt es auch einzelne Komponenten.

Edoardo Thermes hatte den Windsurfer beim surf-Festival dabei. Auch die surf-Redakteure ließen sich einen Ausritt nicht nehmen. Unser Fazit: Bei Leichtwind geht das Ding ab wie Schmidts Katze und kommt überraschend gut ins Gleiten – Länge läuft eben.

Die Robby-Naish-Farben des Segels sind kein Zufall, oder?

Nein, natürlich nicht. Robby ist eine Legende, er hat seinen ersten WM-Titel mit 13 Jahren auf einem Windsurfer-Class-Brett geholt. Es gibt das Segel aber auch noch in vielen anderen Looks, zum Beispiel als „German Sunset“ ganz bunt oder komplett weiß.

Wo wollt ihr das Konzept unter die Leute bringen? In klassischen Shops?

In erster Linie geht es uns darum, den Windsurfer in Surfschulen und Surfclubs im Binnenland zu bringen. Jeder noch so kleine See ist geeignet, man muss nicht ans Meer oder auf vier Windstärken warten, um Spaß zu haben. Über unkomplizierte Regatta­formate, die immer funktionieren, egal ob gerade zwei oder 20 Knoten Wind sind, sollen die Leute den Spaß am Longboarden wiederfinden. Es ist ja nicht so, dass man die Leute früher aufs Wasser prügeln musste. Es macht einfach Spaß über den See zu cruisen, wenn man ein Brett hat, das bei wenig Wind schon schnell wird. Durch die große Länge des Boards gibt es quasi überhaupt keine Gleitschwelle, das Brett wird auch dann schon schnell, wenn normale Freerideboards ohne Schwert nur träge dahindümpeln. Verkauft wird das Konzept über die Website www.windsurferclass.com , aber natürlich kann es sein, dass der Windsurfer über die angesprochenen Marken in die klassischen Surfshops kommt.

Auch ihr veranstaltet Regatten, an denen jeder Hobbysurfer teilnehmen kann. Wo und wann?

Bei unserem großen Event vom 19. bis 22. Juli am Gardasee in Torbole hoffe ich, dass wir die 150-Teilnehmer-Grenze sprengen. Wir werden drei Tage lang racen, entweder klassische Kursrennen oder Long Distance. Wir werden zahlreiche Charterboards und Riggs zur Verfügung stellen, wer will, kann also nur mit Neo und Trapez anreisen und an der Regatta teilnehmen. Auch hierfür findet man alle Infos auf unserer genannten Homepage. Unterm Strich sind unsere Events aber 50 Prozent Party, 50 Prozent Race – Windsurfer-Spirit eben!

Vielleicht wird es bald wieder regelmäßig Windsurfer-Regatten geben....


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 7/2018 können Sie in der SURF App ( iTunes  und  Google Play ) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier .

Weitere Stories

  • Comeback: der legendäre Windsurfer

    30.01.2019

    Back to the roots: Weil Produzent Cobra und einige namhafte Hersteller an einem Strang ziehen, erlebt der legendäre ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Kids on Board – Kaufberatung, Technik und Tipps für künftige Könner

    15.07.2016

    Mit den "Air"-Modellen weht eine frische Brise durch die Kinderboard-Abteilung. Nehmen die Aufblasbaren damit den ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Kids on Board – Interview mit Christian Winderlich

    14.07.2016

    Den eigenen oder befreundeten Kids den Spaß am Windsurfen zu vermitteln, kann so viel Spaß machen, wie selber surfen ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Kids on Board – Kaufberatung Kinderboards

    14.07.2016

    Hier finden Sie alle gefahrenen Kinderboards mit sämtlichen Infos (technische Daten, Preis und Herstellerinfos).

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • BIC Beach

    06.03.2013

    "Die bekannte Beach-Serie von Bic Sport dürfte, dank der herausragenden Stabilität und Schlagunempfindlichkeit, ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • F2 Ride School/Ride

    21.11.2012

    Ein breites Schulungsbrett erleichtert die ersten Schritte ins Windsurferleben ungemein.

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Fanatic Shark HRS 165 ohne Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: Klassisches Freerideboard für schwere Surfer und große Segel – oder auch für Leichtere zum Gleitenlernen. ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • JP-Australia Funster 160 ASA mit Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: Der Funster ist mit durchgehendem Deckteppich und Schwert absolut familientauglich und bringt die ganze Sippe ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • JP-Australia Fun Ride 160 ES ohne Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: Im JP-Vergleich bietet der Fun Ride deutlich mehr Potenzial für Gleitwind und fortgeschrittenes Fahrkönnen. ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Fanatic Viper 75 mit Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: Auf der Viper können leichtere Leute von Null anfangen, Gleiten lernen geht spielerisch. Empfehlenswert für ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Starboard Go 151 mit Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: Ein sehr gelungenes Kompromissboard, dass sowohl dem schon gleiterfahrenen Aufsteiger viel Spaß machen wird, ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Tabou Coolrider 160 mit Schwert

    25.08.2012

    FAZIT: In erster Linie ein Kinder- und Familienbrett und bedingt als Aufsteigerboard für leichtere Surfer zu ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined