Redaktion

Exocet Kona

  • Gunther Baade
05.09.2006

Mit dem Kona leitet Exocet eine neue Ära bei Leichtwindboards für Ein- und Aufsteiger ein. Leichteres Angleiten und vor allem mehr Spaß unterhalb der Gleitgrenze verdoppeln den Funfaktor trotz geringerer Brettbreite. Was Wellenreitern als kultige Malibu-Facette ihres Lifestyles gilt, könnten Boards wie der Kona in der Windsurfwelt etablieren: Longboard-Style für alle. (SURF 8/2006)

Zurzeit gibt es wohl kaum ein anderes Board auf dem Markt, das bei Leicht- bis Mittelwind so viel Spaß macht – die kultige Malibuform mit blumigem Hawaiidekor auf rutschfestem Softdeck und der tolleTragekomfort am exakt ausbalancierten Schwertknauf sind dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt. Nimmt der Wind zu, dann wird der Kona wie von selbst schneller, lange Arme gibt es nicht. Durch den breiten Bug und die dicken Kanten im Standbereich ist das Board kippstabil, auch Einsteiger kommen mit dem Kona sofort zurecht, speziell beim Wenden verzeihen das hohe Volumen und die lange Fläche vor dem Mastfuß so manchen Fehltritt. Ab zwei Windstärken kippt der Kona über das Schwert leicht auf die Leekante und zieht dann spielerisch Höhe.

Doch das Beste kommt erst noch, denn bereits eine Vierer-Böe bringt das Longboard nahezu übergangslos von der Verdränger- in die Gleitfahrt. Dank des langen und schmalen Pintails werden sogar stärkere Böen noch in Speed umgesetzt, das schlanke Heck reagiert schnelle und exakt auf Fußsteuerung. Die gutmütigen Halseneigenschaften – der Exocet Kona gleitet sehr gut durch – sind ein weiterer Pluspunkt. Shortboardfahrer müssen sich fahrtechnisch umstellen und mit geringerer Körpervorlage dafür sorgen, dass die langen Kanten nicht verschneiden. Ein ideales Einsteigerboard, aber zusätzlich ein tolles Zweitbrett für erfahrene Windsurfer zum entspannten Cruisen, und obendrein ein cooler Leichtwind-Freestyler.

Technische Daten:

Länge: 350 cm Breite: 70 cm Gewicht: 13,5 Kilo Volumen: 220 Liter Preis: 1035 Euro. Weitere Infos unter www.exocet-original.com

Kürzer, breiter, besser – nach dieser Formel sind in den letzten Jahren beinahe alle Shapes entstanden. Zum Glück: Denn Windsurfen ist so einfacher und radikaler zugleich geworden – vom anfänglichen Fußschlaufenfahren bis hin zu Fuß- und Hirnwindungen verdrehenden Freestyletricks haben gedrungene Formen unseren Sport revolutioniert. Im Sog dieser Entwicklung sind auch Einsteigerboards entstanden, die 230 Liter Volumen auf nur noch 2,65 Meter verteilen, einem Längenmaß, das vor wenigen Jahren noch der Traum versierter Funboardsurfer war. Der Traum der Shaper und Marketingstrategen heute: Die unzähligen Neueinsteiger – beim VDWS allein 35000 pro Jahr – sollen möglichst schnell auf kurze, kippstabile und scheinbar einfach gleitende Boards umsteigen – denn im Speed­rausch gedeiht der Windsurfvirus bekanntlich am besten.

 Deshalb sind die breiten „Wide Body“-Boards konsequent auf Gleitfahrt ausgelegt. Unterhalb der Gleitgrenze schiebt sich jedoch die gedrungene Form durchs Wasser, mit breiter Bugwelle, wie ein Hafenschlepper mit fetter Last an der Trosse. Das Wasser wird nicht elegant verdrängt, sondern baut sich bremsend vor dem Board auf. Auch ohne komplizierte, hydrodynamische Erklärungen zeigt ein Blick auf andere Wassersportarten: Wer mit möglichst wenig Energie vorankommen will, der benötigt Länge: Wellenreiter paddeln auf Malibu-Shapes (Longboards) nahezu doppelt so schnell wie Shortboarder – bei gleichem Kraftaufwand. Das Malibu-Board kommt mit dem geringsten Wellenschub ins Gleiten, ein kurzer Stick benötigt dagegen viel Erfahrung, eine steile, kraftvolle Welle und vor allem sehr exakte Brettbelastung, die man nur in vielen Jahren erlernt. Aus gutem Grund benutzen Kajakfahrer extrem lange Rümpfe, nur Brandungskajaks sind kurz und breit, und auch der Renn­ruderer sitzt auf einem wackeligen Einbaum im Zahnstocher-Look. Im breiten Kahn rudern nur Touristen über den Ententeich.

Der gleiche Effekt ist sofort spürbar, sobald im direkten Vergleich ein Wide Body-Board gegen ein Longboard neuester Generation getauscht wird: Das Segel fühlt sich angenehm leicht an und wandelt jeden Windhauch dank des geringen Wasserwiderstands in Geschwindigkeit um. So beschleunigt ein Longboard besser, kommt durch die bessere Eingangsgeschwindigkeit auch spürbar früher ins Gleiten und zwar selbst bei grob fahrlässiger Brettbelastung: Die lange Fläche legt sich fast von selbst im flachen Winkel aufs Wasser, kurze Boards sind dagegen empfindlich um die „Wipp­achse“. Der unerfahrene Surfer steht ständig auf der Bremse, das Heck sinkt ab, Gurgeln statt Gleiten ist das Resultat.

Doch was ist mit der Kippstabilität? Jeder erfahrene Surflehrer weiß, dass man Windsurfen hauptsächlich über die Segelhandhabung lernt. Sobald sich das System Brett-Segel in Bewegung setzt, stabilisiert es sich selbstständig durch die Fahrt – so wie ein Fahrrad, das kippt auch am leichtesten im Stand um. Ein Einsteiger benötigt nur in den ersten zwei bis vier Stunden die extrem hohe Kippstabilität der breiten Plattformen – doch spätestens beim Anfahren bekommt er auf den Wide Bodys durch den hohen Rumpfwiderstand Probleme mit der Segelkontrolle. Und Gleiten lernen? Unabhängig vom Bretttyp benötigt jeder Aufsteiger zum Gleiten grundsätzlich folgende Voraussetzungen: Ein durchschnittlich schwerer Surfer (75 Kilo) sollte bei wenigstens vier Windstärken ein Sechs-Quadratmeter-Segel eingehakt im Trapez kontrollieren und die Segelstellung der Fahrtrichtung anpassen können, sonst klappt das Gleiten garantiert nicht. Darüber hinaus muss gleichzeitig das Board so belastet werden, dass es nicht bremst oder schlingert – Fähigkeiten, die sich erst nach vielen Surftagen mit guten Bedingungen entwickeln. Davor kommt eine recht lange Phase, in der Ein- und Aufsteiger in Verdrängerfahrt surfen, eine Zeit, die mit dem richtigen Board super viel Spaß bringen. „Time on water“ hat Robby Naish mal als das Wichtigste beim Windsurfen bezeichnet. Die neuen Longboards bieten aus dieser Sicht große Vorteile. Wellenreiter wissen das schon lange und wer den Kultfilm „endless summer“ gesehen hat, weiß wie lässig Longboard-Style sein kann.

Mancher wird unken: Das gab es doch vor 30 Jahren schon – auf einem original Windsurfer. Stimmt so nicht. Denn die aktuellen Bretter sind leichter, mit einer ausgereiften Scoop-Rocker-Linie und einem modernen Railshape – und sie werden von superleichten Riggs angetrieben statt von einem Lappen mit Holzgabel und ­Epoxymast.

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