Zurück zu den Wurzeln: Comeback des "Windsurfer"

20.06.2018 Manuel Vogel - Weil Produzent Cobra und einige namhafte Hersteller an einem Strang ziehen, erlebt der legendäre Windsurfer sein Comeback. Edoardo Thermes erklärt im surf-Interview, wie es dazu kam.

© Oliver Maier

Welch ein Anblick – Hunderte bunter Tuchsegel cruisen auf Longboards über den Gardasee. Niemand gleitet, aber alle haben Spaß. Was klingt wie eine Zeitreise zurück in die späten 70er, ist die Gegenwart.

Edoardo, du bist maßgeblich daran beteiligt, den Windsurfer wieder populär zu machen. Was treibt dich an?

Edoardo: Wir haben die Windsurfer Class bereits 2009 wiederbelebt, als ich und einige Mitstreiter feststellten, dass wir durch die Shortboard-Revolution einen Großteil der ursprünglichen Faszination verloren hatten. Seit Shortboards dominieren, geht es bergab. Früher sind die Leute bei drei Knoten auf dem See gecruist und hatten Spaß, heute warten alle auf mehr Wind. Weil die alten Windsurfer-Boards in Australien immer noch populär waren, begannen wir, diese von dort zu importieren und nach und nach eine Regattaklasse aufzubauen – mit überraschend großem Erfolg. Vor zwei Jahren habe ich Leuten wie Bruce Wylie, Verantwortlicher des Produzenten Cobra, die Entwicklung aufgezeigt und die Sache kam ins Rollen.

Jetzt gibt es den alten Shape von damals, neu aufgelegt?

Cobra hat sich der Idee angenommen und einen Shape-vorschlag gemacht: Wie das Original ist auch die neue Version 3,66 Meter lang, mit jetzt 74 Zentimetern fällt der Neue aber acht Zentimeter breiter aus. Die Idee dahinter ist, dass wir nicht nur Regattafans glücklich machen wollen, sondern das Konzept auch für Aufsteiger und Surfclubs interessant sein soll. Statt ursprünglich 22 Kilo wiegt es noch 15 Kilo, die Maße sind perfekt, um damit bei Flaute zu SUPen. Unterm Strich ist der Windsurfer ein richtiger Allrounder.

© Oliver Maier
Auch die surf-Redakteure hatten mit dem Windsurfer viel Spaß.
Auch die surf-Redakteure hatten mit dem Windsurfer viel Spaß.

Wie sieht das Windsurfer-Set konkret aus?

Das Board hat ein Softdeck mit Klappschwert, es kommt mit einem Windsurfer-Segel aus Tuch in 5,7 qm, inklusive 4,60er-Carbonmast, einem Gabelbaum mit Verstellbereich von 180-240 cm sowie Verlängerung plus Mastfuß. Das Rigg ist bewusst ohne durchgehende Segellatten designt, damit es sich bei Leichtwind schon richtig füllt und Vortrieb liefert. Für Surfschulen und Surfclubs gibt es das Brett auf Wunsch mit etwas kleinerem Schwert. In der Race-Version hat es ein großes Klappschwert, damit man bei Leichtwind noch schneller kreuzt.

"Das, was Windsurfen einst groß gemacht hat, haben wir verloren: Longboards. Es war ein historischer Fehler."

Was wird das Set kosten?

Wir wollen Windsurfen wieder einfach und für jeden erschwinglich machen! Über Cobra bieten wir ein und dasselbe Board für Marken wie GA, Naish, Tabou, Exocet oder Starboard an – weitere Marken könnten aufspringen. Äußerlich wird es immer als Windsurfer zu erkennen sein, die Marken können nur ihr eigenes Logo auf den Bug drucken, das war’s. Durch diese gemeinschaftlichen Anstrengungen können wir auch den Preis relativ niedrig halten, das gesamte Paket aus Brett und Rigg kostet inklusive Steuern und Lieferung in der Race-Version (mit großem Schwert) 1745 Euro. Natürlich gibt es auch einzelne Komponenten.

Die Robby-Naish-Farben des Segels sind kein Zufall, oder?

Nein, natürlich nicht. Robby ist eine Legende, er hat seinen ersten WM-Titel mit 13 Jahren auf einem Windsurfer-Class-Brett geholt. Es gibt das Segel aber auch noch in vielen anderen Looks, zum Beispiel als „German Sunset“ ganz bunt oder komplett weiß.

Wo wollt ihr das Konzept unter die Leute bringen? In klassischen Shops?

In erster Linie geht es uns darum, den Windsurfer in Surfschulen und Surfclubs im Binnenland zu bringen. Jeder noch so kleine See ist geeignet, man muss nicht ans Meer oder auf vier Windstärken warten, um Spaß zu haben. Über unkomplizierte Regattaformate, die immer funktionieren, egal ob gerade zwei oder 20 Knoten Wind sind, sollen die Leute den Spaß am Longboarden wiederfinden. Es ist ja nicht so, dass man die Leute früher aufs Wasser prügeln musste. Es macht einfach Spaß über den See zu cruisen, wenn man ein Brett hat, das bei wenig Wind schon schnell wird. Durch die große Länge des Boards gibt es quasi überhaupt keine Gleitschwelle, das Brett wird auch dann schon schnell, wenn normale Freerideboards ohne Schwert nur träge dahindümpeln. Verkauft wird das Konzept über die Website, aber natürlich kann es sein, dass der Windsurfer über die angesprochenen Marken in die klassischen Surfshops kommt.

Auch ihr veranstaltet Regatten, an denen jeder Hobbysurfer teilnehmen kann. Wo und wann?

© Edoardo Thermes
Edoardo Thermes brachte seinen Windsurfer auch zum surf-Festival nach Fehmarn mit.
Edoardo Thermes brachte seinen Windsurfer auch zum surf-Festival nach Fehmarn mit.

Bei unserem großen Event vom 19. bis 22. Juli am Gardasee in Torbole hoffe ich, dass wir die 150-Teilnehmer-Grenze sprengen. Wir werden drei Tage lang racen, entweder klassische Kursrennen oder Long Distance. Wir werden zahlreiche Charterboards und Riggs zur Verfügung stellen, wer will, kann also nur mit Neo und Trapez anreisen und an der Regatta teilnehmen. Auch hierfür findet man alle Infos auf unserer Homepage. Unterm Strich sind unsere Events aber 50 Prozent Party, 50 Prozent Race – Windsurfer-Spirit eben!

Leserfrage: Was haltet ihr vom Comeback der Windsurfer Class? Ein Schritt in die richtige Richtung? Wäre das Konzept für euch interessant? Eure Meinung ist uns wichtig, schreibt uns gerne an redaktion@surf-magazin.de

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