Redaktion

Slingshot: die komplette Flügelflotte

  • Stephan Gölnitz
03.12.2018

Slingshot bringt zum Alufoil drei Frontflügel zur Wahl, die auch nachgerüstet werden können. Die beiden größeren Modelle konnten wir bereits im neuen Levitator 150 mit auf den Redaktions-„Ausflug“ nehmen.

Erster Unterschied vom Slingshot Hover Glide Fwind zum Wizard 125 (siehe unten): Auch schwerere Surfer haben im Heck genügend Auftrieb unter den Füßen, dennoch müssen selbst 80-Kilo-Fahrer beim Wenden immer noch flink um den Mast hechten. Einmal in der Luft wirkt das Board dann überhaupt nicht mehr wie ein 150-Liter-Schiff, sondern ähnlich kompakt und klein wie das deutlich dünnere Modell. Beim Anfahren gelten die gleichen Grundsätze – Gewicht früh aufs Heck, dann geht es mit dem größten Flügel (Infinity 76) auch schon urplötzlich los. Bei 80 Kilo springt das Board nahezu unvermittelt aufs Foil und will dann mit sehr dosierter Fahrweise gebändigt werden. Dieser Flügel hat richtig Wumms: Nach unserer Einschätzung für Surfer ab 90 Kilo und/oder für sehr sehr leichten Wind ein echter Dampf-Hammer. Der Speed wirkt etwas gebremst, dafür kannst du in der Halse fast auf null Speed runter und stehst quasi auf der Stelle, aber immer noch hoch oben auf dem Foil. Leichtere Fahrer katapultierte das Foil schon so früh aus dem Wasser, dass die Geschwindigkeit fürs Weiterfoilen anschließend kaum reichte. Vermutlich ist das aber der Leichtwind-Dampfhammer für Schwergewichte. Früher Foilen ist kaum möglich, fordert von Leichtgewichten aber auch ordentlich Übung. Auf jeden Fall zum unterpowerten Foilen mit richtig kleinen Segeln geeignet.

Vielleicht vielseitiger, etwas einfacher für Einsteiger und im Fahrgefühl sehr nahe dran am Carbonfoil wirkte das mittelgroße Blatt vorne. Damit kommt das Board vielleicht sogar noch einen Tick früher raus als das Carbonfoil (natürlich nicht so früh wie das Infinity 76). Eine normale Gleitphase vor dem Foilen gibt es aber kaum, es hat die Freigabe für die kürzesten Startbahnen. Die Fluglage ist ebenfalls sehr stabil und kontrolliert, das Fahrgefühl einen Tick direkter, das Auf und Ab erfolgt weniger gedämpft. Auch das Alufoil mit dem mittleren Flügel überzeugte so als sportliches Freeride­foil, das in Halsen ebenfalls viel Stabilität gibt und vor allem auch bei nachlassendem Speed nicht sofort runterfällt. Das Board verträgt diese Aufsetzer am Halsenende dagegen sehr gut, trotz kurzer Nase setzt das Rail weich ein und bremst nur wenig, so dass auch Halsen, die nicht komplett trocken bleiben, gut auf der Gleitfläche zu Ende gefahren werden können. Eine gelungene Foil-Combo, je nach Windbereich und Gewicht mit dem großen oder mittleren Flügel zu empfehlen.

Slingshot Hover Glide Fwind

Mastlänge: 71 cm

Fuselagelänge: 78,2 cm

Preis: 1249 Euro

Infos: www.slingshotsports.de

Slingshot Hover Glide Fwind

Der Infinity 76 (oben links) ist der Standardflügel im Set und sehr auftriebsstark. Die mittlere Größe wirkt etwas zahmer bei mehr Wind. Der spezielle Railshape (rechts) sorgt für sanftes Einsetzen, viel Volumen im Heck trägt auch schwere Foiler.­


Slingshot Wizard 125

Das neue Carbonfoil von Slingshot überzeugt als einfach zu kontrollierendes, sportliches Freeride-Foil zu einem – für Carbonflügel – moderaten Preis.

Das Carbon-Foil ist mit recht wenigen Schrauben schnell montiert und allein zum Tragen ist das Foil trotz recht langem Mast wegen des sehr geringen Gewichts eine Wucht – das kurze Board macht dabei das Handling ebenfalls leichter. Die Optik des schillernden, sichtbaren Carbon wirkt sehr edel.

Auf dem Wasser ist der Winzling erst mal gewöhnungsbedürftig: Er ist zwei Meter kurz und eigentlich ist kein Bug vorhanden: Beim Segelaufholen steht man am besten mit beiden Füßen hinter dem Mast und auch im Angleiten sollte man sich hüten, wie gewohnt den vorderen Fuß dicht an den Mast zu setzen – dann geht’s steil nach unten auf Tauchfahrt. Doch an die veränderte Standposition kann man sich gewöhnen und das Board ist schließlich zum Fliegen gemacht. Kommt die erste spürbare Böe, lässt es sich frei und schön locker anpumpen, beschleunigt flott und mit wenig Widerstand und lässt sich dann – selbstbestimmt – mit leichter Gewichtsverlagerung nach hinten, ganz einfach, hochliften. Der lange Mast bietet sofort eine beeindruckende Flughöhe und reichlich Reserven für Gegenmaßnahmen, wenn das Board in Böen steigt oder wenn es an Höhe verliert. Dabei verläuft das „Auf und Ab“ auf dem Slingshot-Carbonflügel sehr harmonisch, vorhersehbar und gedämpft. Du kannst recht sicher sein, dass das Foil nicht schlagartig in irgendeine Richtung losschießt und du hast immer Zeit zu reagieren.

Das Foil geht gefühlt wie in Öl gedämpft rauf und runter. Das scheint eine positive Eigenart des eher Delta-förmigen Flügels zu sein. Vielleicht fehlt dadurch minimal Leistung im Vergleich zu schmalen, gestreckten Flügeln. Sekunden, die über ein Rennen mit Amwindkurs entscheiden könnten. Für ein sportliches Freeridefoil zieht dieser Carbonflügel aber sehr gut Höhe. Es gleitet sehr stabil und absolut ausreichend schnell. In der Halse zeigen sich Foil und Board ebenfalls sehr fehlerverzeihend. Erst spät reißt die Ströumg am Foil ab, wenn man zu hoch steigt, es hält auch bei niedrigem Speed noch lange oben und das Board verschneidet kaum, egal, ob man mit dem Bug oder Rail einsetzt. Wir empfanden die Schlaufen für den Freerideeinsatz gut positioniert, zum „Racen“ mit angekantetem Board wäre eine weitere Außenposition für Surfer, die das gewöhnt sind, wünschenswert. Fazit: Sehr ausgewogene, sportliche Freeridecombo, die zum camberlosen 6,7er genauso gut passte wie zum 7,8er-Foil-Racesegel.

Slingshot Wizard 125

Volumen: 125 L

Länge/Breite: 198,0/76,0 cm

Gewicht: 8,52 kg*

Finne: wird ohne Finne geliefert

Finnenbox: Foil-Box

Preis: 2199 Euro

Infos: www.slingshotsports.de

* = Gewicht mit Fußschlaufen (surf-Messung)

Slingshot GW 101 Fwind Carbon

Mastlänge: 101 cm

Fuselagelänge: 84 cm

Preis: 1699 Euro

Infos: www.slingshotsports.de

Slingshot Wizard 125

Slingshot Wizard 125


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