Neuer Gecko: Interview mit Fanatic-Shaper Sebastian Wenzel

 • Publiziert vor 8 Jahren

Shaper Sebastian Wenzel erklärt im Interview, was er sich bei der Entwicklung des neuen Shapes mit breiten und dünnen Rails gedacht hat. Den Test des neuen Geckos und weiterer Freemoveboards findet Ihr in der aktuellen Ausgabe SURF 3/2013

Das neue "Funboard" von Fanatic

Bis Mitte der 90er – in Frankreich bis heute – wurde nahezu jedes Board, das  zum Gleiten designt wurde und nicht in die Kategorie "Race-Maschine” fiel, als "Funboard” bezeichnet. Alles andere wurde als anspruchsvoll und schwierig zu beherrschen betrachtet. Dieser Gedanke wurde später durch den modernen und noch heute verwendeten Freeride-Begriff abgelöst. Fanatics neueste Entwicklung, der Gecko, versucht diese Philosophie eines einfach zu surfenden Funboards wieder aufzugreifen.

Sebastian Wenzel im Interview:

Was ist der Hauptvorteil eines breiten, dafür aber dünnen Shapes? Überraschenderweise sind die breiten Geckos genauso schnell wie fast alle unsere anderen Freerideboards. Das war eigentlich gar nicht das primäre Ziel, aber die freie Gleitlage des Bretts erlaubt uns, es über die Finne fliegen zu lassen. Die größere Breite im Mittelbereich ist perfekt, um extra Gleitleistung aus dem gleichen Segel herauszuholen – vor allem für Leute, die vor großen Freeride-Segeln eher zurückschrecken. Die Bretter funktionieren mit einer großen Segelrange und gleiten – ähnlich wie viele Freestylebretter – mit kleinen Segeln besser als "klassische” Brett-Formen. Die Dreheigenschaften und das einfache Handling sind bemerkenswert und machen daraus einen tollen Allrounder. Natürlich reicht es nicht, ein Brett einfach breiter und dünner zu machen. Bei einem so neuen Konzept müssen alle Faktoren perfekt harmonieren: Die Breite bietet Stabilität und gute Gleiteigenschaften, der Rocker im Heck sorgt dafür, dass du wie mit einem kleineren Brett halsen und carven kannst. Dies wird auch durch die dünnen Kanten und eine plane Gleitfläche unterstützt. Du hast einen großen Einsatzbereich. Wir nennen es "Funboard” – geh einfach aufs Wasser und habe Spaß.

Wie stark ist der Gecko mit dem Starboard Atom von vor einigen Jahren verwandt? Der Atom war tatsächlich das erste super dünne Brett auf dem Markt, allerdings war es – soweit ich mich erinnere – nicht wesentlich breiter als andere Shapes in diesem Volumensegment. Das war möglicherweise der Grund, weshalb das Konzept nicht weiter aufgegriffen wurde. Der Gecko ist eher mit dem RRD Firemove verwandt, den wir als interessante Entwicklung sahen und in der Folge versuchten, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen. Ich denke das ist uns gelungen. Das bisherige Feedback war ausgesprochen positiv…

Wie genau unterscheidet sich die Form von anderen Freerideboards in eurer Range? Hauptsächlich bei Länge und Breite. Die Geckos sind etwas kürzer – nur 239 Zentimeter – dafür aber breiter und mit weniger Volumen.

Inwiefern setzt sich dieser Trend in der gesamten Range fort? Ich glaube, dass diese Idee sich auch in anderen Konzepten weiterentwickeln wird.

Einem wieviel größeren, klassischen Brett entsprechen die Geckos? Schwierig zu sagen, aber als Daumenregel würde ich die Breite als Vergleich heranziehen. Demnach entspricht ein Gecko 105 in punkto Kippstabilität und Gleitleistung einem klassischen 125-Liter Board, der Gecko 120 liegt irgendwo zwischen einem Shark 135 und Shark 150. Vom Gefühl her hat man also den Eindruck, der Gecko hätte 15-20 Prozent mehr Volumen als er tatsächlich hat.

Welche Segelgrößen kann ein durchschnittlich schwerer Fahrer auf den drei Größen nutzen? 105 = 5.0 bis 8.0, 120 = 6.0 bis 9.0, 135 = 7.0 bis 10.0

Welche Bodenkurve verwendet ihr in Kombination mit den dünnen Kanten? Handelt es sich um eine Rockerlinie eines anderen Fanatic Modells? Ja, wir verwenden einen schnellen Rocker den wir schon seit einiger Zeit in anderen Modellen nutzen und versahen diesen mit etwas mehr Tailkick (Aubiegung im Heck, d.Red.). Die zusätzliche Breite macht den kleinen Nachteil des Tailkicks im Zusammenhang mit den Gleiteigenschaften wieder wett.

Würdest du sagen das du mit dem aktuellen Verhältnis von Dicke, Länge und Breite schon am Limit bist, oder könnte man diesen Gedanken noch extremer umsetzen? Man kann es immer auf die Spitze treiben mit solchen Dingen, wir glauben allerdings, dass es sich um einen Kompromiss handelt. Vor einigen Jahren konnten wir den Trend, immer breiter und kürzer zu bauen, beobachten. In extremer Weise hat sich das allerdings kaum bewährt. Ich glaube mit den Dimensionen des Geckos sind wir genau im richtigen Bereich.

Was ist mit der Powerbox? Ist das bei solch geringer Dicke nicht ein Problem? Nein, bei der aktuellen Dicke des Decks gibt es damit keine Probleme.

Wenn die Geckos so gut drehen wie behauptet, kann man damit vielleicht sogar Wellen abreiten? Nun, ich denke man kann mit den Geckos zur Not auch eine Welle abreiten, aber es ist offensichtlich, dass sie dafür nicht gemacht wurden.

Sind solch dünne, breite und kurze Bretter deiner Meinung nach für ein breites Publikum interessant? Sicher! Die extra Breite bietet Stabilität und die Bretter sind sehr kompakt, also einfach zu fahren.

 

Themen: FanaticGeckoInterviewSebastian WenzelShapes


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