Material für Leichtwind 2009

 • Publiziert vor 12 Jahren

LIFE BEGINS UNDER 7 KNOTS – Ein unfaires Duell ist der Vergleich eines Schwebebalkens wie dem Serenity mit der Gleitmaschine Starboard Formula – könnte man meinen. Denn am Ende gewinnen beide: Einfach, weil solche Konzepte an vielen Revieren die Zahl der guten Surftage locker verdoppeln. Wer jenseits von Formula- und Slalommaterial ein Kraftpaket für viele Gleitstunden auf seinem Freeride- oder Freeraceboard sucht, landet idealerweise bei den vortriebsstärksten Cambersegeln. Drei Spezialisten hatten wir im Vergleich. Segel mit mehr „Wumms“ und kleinen Einschränkungen.

Gleicher Tag, gleicher Wind – bei 8 Knoten hast du auf dem Serenity mit 7,5er-Segel schon richtig Druck im Tuch, oder kannst auf dem Formulaboard mit 11,0er schon locker gleiten.

Schwerelosigkeit – ein einziges Wort beschreibt, was man beim Überwinden der Gleitschwelle empfindet. Wenn der Druck im Segel nachlässt, das Board nur noch leicht an den Zehen zu kleben scheint, der Körper frei im Trapez hängt. Bei starkem Wind wird das zur Selbstverständlichkeit, kaum einer würdigt noch ausreichend, auf welche vergleichsweise simple Art man als Windsurfer ein Gefühl verspürt, das man auch nur als Windsurfer nachempfinden kann. Und das einen – wenn man einmal im Gleiten war – dazu verdammt, sein Leben lang dem Wind nachzureisen. Ein ähnliches Gefühl vermittelt der Serenity, ein Board fürs ausgesprochene Nichtgleiten. Ein Widerspruch? Wir finden nicht. Und dennoch – die meisten werden weiterhin alles daran setzen, um so früh wie möglich “ins Rutschen” zu kommen. Und auch da kann geholfen werden.

Longboard-Style

Nur eine kleine Bugwelle auf dem glatten See verrät, wie schnell der schmale Rumpf durchs Wasser schneidet. Da ist kein Rauschen oder Plätschern zu hören, das Segel liegt federleicht in der Hand. Wie ein Rennkanu flitzt der Serenity auf beliebigen Kursen über den See. Bei zunehmendem Wind stellt sich das Board leicht auf die Kante, es ist ein anspruchsvolles, kippeliges Spiel, das Brett schön ruhig zu steuern. Aber gerade das macht den Reiz aus: Du bist mit keinem Board bei 2 bis 6 Knoten schneller.

Raceboard vs Super-Allrounder SuP

Das klassische Raceboard, 3,80 Meter lang, mit einem eleganten Railshape wie ein Seecontainer, bietet viel Technik und hat mit einem 8,5er- oder 9,5er-Segel den größten Einsatzbereich. Schon bei wenig Wind läuft es extrem gut Höhe und bei vier Windstärken gleitet es mit eingeklapptem Schwert. Dennoch: Es wirkt immer riesig, man spürt einfach, dass es weder als Verdränger noch als reiner Gleiter entwickelt wurde. Für Raceboard-Cupper ist es ein Muss, als Allroundboard auf dem Binnensee mit gelegentlichen Gleitböen eine Alternative. Wer jedoch von kurzen Gleitbrettern kommt, wird vom vergleichsweise trägen Fahrgefühl enttäuscht sein.

Bleiben noch die Exoten, die SuPs (Stand-up Paddleboards), mit Schwertfinne und Mastfußoption. “Das fährt bei Gleitwind wie ein original Windsurfer” frozzelte unser erfahrendster Kollege über das Starboard Super 12’’6’. Tolle Fahrleistungen sollte man vom Multi- Shape auch nicht erwarten – nicht für Langschläge, die Boards sind nicht zum Gleitsurfen ausgelegt.

Freeride Light

Der Dampfhammer in unserem Sailbag heißt Severne Glide 8,5. Wir hatten ein 2008er Modell als Maximalmotorisierung auf einem leichten Fanatic LTD als Herausforderer im Test. Schön leicht trägt sich die Kombi ins Wasser, ich dümple die ersten 50 Meter so dahin. Plötzlich bekommen die Druckrezeptoren in den Fingerspitzen ein leichtes Signal. Da zieht doch was an der Gabel. Soll ich wirklich?! Zwei, drei beherzte Pumpschläge laden das Rigg förmlich auf und der leichte Rumpf schießt nach vorne los. Man spürt, wie gerne das Brett angleiten will und mit zwei kleinen Schritten stecken die Füße in den Schlaufen. Selber ungläubig, schaue ich ans Ufer zurück. Anhalten, messen: Bei acht bis neun Knoten pendelt der Windmesser. Was diese Freeridekombi kann, ist schon erstaunlich – und mit Abstand die leichteste Art unter zehn Knoten ins Gleiten zu kommen.

Formula-Fieber

Da liegt das Monster nun vor uns – mit Furcht einflößend langer Finne (70 cm) und beängstigender Breite. Ein unsicherer Blick tastet übers Wasser: Haben wir nicht vielleicht doch schon zu viel Wind? Vielleicht sogar schon obere drei Windstärken? Einen Wheelie oder Schleudersturz möchte man mit dem Materialmonstrum nicht hinlegen. Der Weg ins Wasser ist beschwerlich, aufsteigen kann man erst im hüfttiefen Wasser, langsam und zäh folgt das Segel dem vehementen Zug an der Aufholleine aus dem Wasser. Jetzt bloß nichts aus der Balance bringen, das Rigg wirkt im Dümpeln schon verdammt schwer, dafür liegt das Board so stabil im Wasser wie ein betonierter Steg. Da vorne kräuselt sich das Wasser ganz leicht – nicht als Schaumkrönchen, eher wie Putzstreifen auf einem ansons ten blank polierten Spiegel. Auch ohne zu Pumpen baut das Segel Zug auf, jetzt nach hinten lehnen und schon geht es los – unglaublich! Da war doch kein Wind! Mühelos hat der flache Shape sich in Fahrt gesetzt, gleitet über den nahezu ebenen See. Vorfahrtsregeln kann man auf dem Formula beruhigt vergessen. Es ist sowieso kein anderer Surfer da, nur ein paar Segler stehen im Weg herum. Einerseits fühlt man sich wie eine Fliege, die sich an einem galoppierenden Pferd festklammert – doch es bleibt, zumindest bei leichtem Gleitwind, ein braves Ross.

Slalom-Race

Worldcupper fliegen auch bei kernigen Bedingungen, wenn die meisten Hobbysurfer schon locker auf 6,2 oder kleiner umriggen, noch mit dem 9,3er über den Kurs. Trotzdem müssen die Jungs damit auch am Windlimit von sieben Knoten bis ins Ziel gleiten. Geht das mit einer einzigen Materialkombi? Mit Mühen und ein bisschen “park-and-ride” schon. Denn wir brauchten schon solide 10 Knoten, um uns aktiv in Rutschen zu ackern, das recht starre, auf Top-Performance ausgelegte Rigg erfordert deutlich mehr Muskeleinsatz als ein vergleichbares Freerace- oder Frühgleitsegel, das kurze Board nimmt die Pumphilfe nicht so willig an wie der deutlich längere Fanatic Shark. Wer bei Leichtwind-Slalomrennen mal zuschauen kann, sieht daher wohl auch häufiger mal Dümpel- und Pumpduelle nach der Halse. Und dafür sollte man beim vergleichsweise hohen Rigggewicht schon fit sein. Dafür gibt es mit dem Slalomrenner ab 13, 14 Knoten kein Halten mehr.

Diese Frühgleitboards und -segel finden Sie unten im PDF-Download:

Stephan Gölnitz Starboard Serenity (458 cm x 60,5 cm, 12,4 kg)

 

Stephan Gölnitz

 

 

 

Themen: DownloadFanatic

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