Redaktion

Test 2014: Frühgleitboards

  • Stephan Gölnitz
23.07.2014

Gleiten bei zehn Knoten ist wie Autofahren ohne Motorenlärm, wie Segelfliegen statt im lärmenden Jet. Der Wind säuselt leise, es stören keine Wellen und mit etwas Glück bist du ganz allein. Wir stellen euch hier die besten Boards für die Tage vor, an denen nicht mal die Pusteblumen aus der Fassung geraten. Nicht nur als Notlösung für zu wenig Wind, sondern für exklusiven Spaß und schwerelosen Gleitgenuss.

Frühgleitboards 2014 im SURF-Test

Diesmal verlief unser Date einfach perfekt. Beim ersten Mal, vor ein paar Jahren, da ging es vielleicht zu schnell von Null auf Hundert, einfach zu stürmisch zur Sache. Da hat es uns durchgeschüttelt und gerüttelt – keine Chance für eine gute Beziehung. Doch diesmal passte alles. Mit einem 9,3er-Freerace­segel und nicht mit dem übermäßigen Regatta-Triebwerk unterwegs, bei rund zehn, elf Knoten Wind auf spiegelglattem See. Plötzlich entdeckst du, dass auch ein meterbreites, unförmiges Formulaboard ein Gleitgefühl vermitteln kann, das du sonst nie erlebst. Wie ein riesiger Papier-Surfer, der durch ein Marionettentheater gezogen wird, so regungslos und stabil gleitest du über den nahezu glatten Teich – ein Traum!

Doch der Zugang zum Formula-Glück kann trügerisch sein. Wie von Sirenen wirst du auf den See gelockt, doch die erste kräftige Böe kann dich vernichten, wenn du nicht weißt, was du tust. Schon die extrem weit außen liegenden Schlaufen und die kopfhoch zu montierende Gabel stellen bereits eine heftige Barriere vor den Gleitgenuss, selbst bei idealen Außenbedingungen. Ein Ersatz muss her, ein Board, das nicht mit 70er-Finne für Regattaerfolge auf Amwind- und Downwindkursen optimiert wurde.

Und da gibt es mittlerweile eine gute Auswahl von Boards, die beinahe genau so früh gleiten, aber auch auf dem typischen Halbwindkurs noch Spaß machen. Mit neun Boards  und zwei Segelsätzen – zwei Gaastra Cosmic 8,5 und zwei NeilPryde H2 Racing 9,3 haben wir uns auf den Weg gemacht, für unterschiedliche Ansprüche und Bedingungen das beste Board zu finden.

Mal zu viel, dann wieder zu wenig: Gar nicht so leicht zu finden – das Zehn-Knoten-Windfenster. Nach unserer Rundreise über Gardasee, Walchensee, Kochelsee, nochmal Walchensee und dann wieder Kochelsee hatten wir am Ende die gesamte Bandbreits an Bedingungen für diese Boards abgesurft.

Schon vor den ersten Gleitkilometern kommen die ersten Erkenntnisse: Auch im Vergleich zu bereits recht üppigen Freeridern, wie unserem gleitstarken Referenzboard Starboard Carve 131, muss die Gabel auf den deutlich breiteren Spezialboards, wie dem UltraSonic beispielsweise, etwa eine Handbreit höher montiert werden, sonst dümpelst du zwar bequem, surfst in Gleitfahrt aber mit runterhängender Gabel im "baggy style". Und auf den Metern dazwischen, zwischen dem lauernden Warten auf die Böe und dem vollen Gleitrausch im Trapez, zeigen sich die Unterschiede der Konzepte am deutlichsten.

Passiv angleiten oder aktiv beschleunigen: Angleiten und Beschleunigen waren unsere Brennpunkte bei diesem Test, und da ist das Ranking klar. 

Wenden und Halsen: Wer von Manövern redet, meint üblicherweise Halsen, doch gerade bei Leichtwind, wenn beim Aufkreuzen jeder Meter Höhe zählt, ist die Wende plötzlich wieder ein Thema – vor allem, seit bei den leistungsoptimierten Race-­Slalomboards vor der Mastspur nahezu jedes tragende Volumen abgeschnitten oder weggehobelt wurde.

Auch die Ausstattung entscheidet darüber, ob das Board "passt". Formulaboards und "normale" Worldcup-Slalomrenner sind meist kompromisslos auf Leistung getrimmt, die Fußschlaufen dementsprechend weit außen vorgesehen, meist ohne Alternative: Ein K.O.-Kriterium daher für viele Hobbysurfer. Damit das Reinschlüpfen in die Schlaufen nicht gleich den Einstieg in diese Leichtwind-Brettklasse verhindert, haben einige Designer auch für Nicht-Racer geeignete Schlaufenpositionen vorgesehen.

Alle Testergebnisse und ausführlichen Beschreibungen dieser Boards gibt's im PDF-Download:

• Exocet RS 6.5 • Fanatic Falcon Slalom 152 • JP-Australia Super Lightwind 92 V 165 Pro • Lorch Bird 179 • RRD-X-Fire Lightwind 150 Ltd. • Starboard UltraSonic 147 • Tabou Speedster 89 Ltd.

PDF-Downloads

  • 1,99 €
    Frühgleitboards

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