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Freestyle-WaveZwischen den Welten

An keine andere Brettklasse werden so unterschiedliche Anforderungen gestellt wie an Freestyle-Waveboards. Flachwasser, Welle, Bump & Jump – überall sollen diese Boards funktionieren. Wie man als Designer den Spagat zwischen den verschiedenen Welten schafft und ein Brett wie den Fanatic FreeWave passend ausrichten kann, erklärt Klaas Voget im surf-Interview.

surf: Klaas, seit 2018 habt ihr euren klassischen FreeWave schrittweise durch den FreeWave STB ersetzt, der deutlich eckiger und an das Stubby-Waveboard angelehnt, daherkam. Das 2020er Modell sieht wieder „klassischer“ aus, mit recht spitzer Bug- und Heckpartie. Ist das ein Schritt zurück zu Altbewährtem?

Nein, so kann man das nicht sagen. Das 2020er Modell wird eine Weiterentwicklung des FreeWave STB sein, dieser war unsere Arbeitsgrundlage. Wenn man alle Shape­details, z.B. die Bodenkurve oder Rails, als Kriterien heranzieht, ist das Brett viel näher am 2019er FreeWave STB als am „alten“ FreeWave. Trotzdem haben wir natürlich einige Details überarbeitet.

  Seit vielen Jahren Teil des Fanatic R&D-Teams: Klaas VogetFoto: Person
Seit vielen Jahren Teil des Fanatic R&D-Teams: Klaas Voget

Was genau habt ihr geändert und warum?

Der neue FreeWave hat im Heck mehr Rundung verpasst bekommen, das Heck ist nicht mehr so gerade und „eckig“ wie vorher. Wir haben beim Testen festgestellt, dass dies den Dreheigenschaften massiv genutzt hat. Das wiederum eröffnete uns die Möglichkeit, die Bodenkurve des neuen FreeWave flacher zu gestalten, um das Gleiten zu verbessern. Die Gleiteigenschaften zu optimieren und das Brett besser geeignet für Bump & Jump-Bedingungen zu machen, das war auch die Vorgabe, die es umzusetzen galt, vor allem für die großen Größen mit 95, 105 und 115 Liter. Zusammengefasst kann man also sagen, dass der neue FreeWave mindestens so gut dreht wie der alte, aber besser gleitet.

Hat der FreeWave über die einzelnen Größen hinweg die gleichen Anpassungen erfahren? Oder gibt’s da Unterschiede?

Es gibt den FreeWave ja in der neuen Saison in einem Volumenbereich von 75 bis 115 Liter. Der 75er ist neu dazugekommen. Und natürlich sind wir uns bewusst, dass die Boards, je nach Größe, unterschiedliche Zielgruppen und Anforderungsprofile haben: Ein 75er kommt öfter in der Welle und bei viel Wind zum Einsatz als ein 115er, der oft primär als Bump & Jump-Brett im Kabbelwasser und zum Heizen verwendet wird. Aus diesem Grund verändert sich natürlich auch unser Fokus. Die kleinen Größen sind bezüglich der Bodenkurve etwas stärker verrundet und drehen dadurch besser, die Größen 95, 105 und 115 haben die erwähnte Anpassung der Bodenkurve erfahren, sind hier flacher geworden, und gleiten jetzt spürbar früher und schneller als das Vorgängermodell. Auch, dass man bei diesen Größen die Möglichkeit hat, hinten eine Doppelschlaufe zu montieren, passt zur Zielgruppe und dem Gesamtkonzept.

  Teamfahrerin Maria Andrés hebt ab
Teamfahrerin Maria Andrés hebt ab

Schlagen sich die unterschiedlichen Anforderungen der Endkunden – Flachwasser und Welle – auch in der Finnenbestückung nieder? Oder werden alle Größen als Thruster ausgeliefert?

Wir handhaben es generell so, dass wir uns überlegen, welche Finnenbestückung bei den unterschiedlichen Größen Sinn macht. Das gilt im übrigen auch für die reinen Waveboards, wie das Modell Grip. Der Grip wird z.B. im Volumensbereich zwischen 75 und 92 Litern als Quad ausgeliefert, die 102er Größe kommt dann als Thruster, damit die Gleitpower noch mehr betont wird. Ähnlich ist das Prinzip auch beim FreeWave: Die kleinen Größen kommen wie gehabt als Thruster, also mit drei Finnen. Der große 115-Liter-FreeWave, der vermutlich überwiegend im Flachwasser gefahren wird, wird hingegen mit einer Singlefin verkauft. Bei allen FreeWave-Boards kommt die Center-Fin­ne mit Powerbox-System, die seitlichen Finnen stecken in Slot-Boxen. So kann man auf Flachwasser die kleinen seitlichen Finnenkästen abdecken und das Brett nur mit der Single-Finne fahren.