Redaktion

Test 2017: Freestyle-Waveboards 95

  • Surf Testteam
02.06.2017

"95 Liter;wird schon passen!" Wer ein Brett für Starkwind sucht, stöbert in einem Größenbereich, in dem die Unterschiede gewaltig sind. Wie groß die Bandbreite in diesem Volumenbereich tatsächlich ist, zeigt unser System-Check.

Naish Starship 90, Tester Nicholas Slijk, Spot Langebaan

Es gibt keine Statistik, wie viele Waveboards pro Jahr an Surfer verkauft werden, die eigentlich den Großteil ihrer Surfzeit auf Flachwasser oder in Dünungswellen verbringen. Manchmal erscheint das radikale Image verlockend, oft ist es auch der Preis. Und wenn dann der Verkäufer im Internet oder Shop noch versichert, dass es passt, dann wird’s so sein.

Wir wollten es mal genau wissen: Wie groß sind die Leistungsunterschiede zwischen Allroundbrettern der Klasse "Freestyle-Wave" und echten Waveboards tatsächlich? Deshalb haben wir, statt gruppenintern zu testen, fünf Vertreter aus der Wave-Kategorie im Test der Allrounder mitlaufen lassen – mit ebenso spannenden wie eindeutigen Ergebnissen.

Diese 15 Freestyle-Waveboards haben wir getestet:

AN LAND

Schlaufenpositionen & Pads Keine Schlaufe fällt durch, die Zeiten von harten oder nur mit Gewalt zu verstellenden Schlaufen scheinen endgültig vorbei zu sein. Als sehr unterschiedlich entpuppen sich die zur Verfügung stehenden Schlaufenpositionen.

Finnen Bei keiner anderen Brettgruppe macht die Möglichkeit, verschiedene Finnen-Set-ups nutzen zu können, so viel Sinn wie bei diesen Allroundern – werden sie doch sowohl in Wellen als auch für Manöver und zum Heizen auf dem Ijsselmeer verwendet. An diesem Punkt ist es allerdings mit der Einigkeit vorbei, beim Boxensystem kocht jede Marke ihr eigenes Süppchen. 

Shapes Vergleicht man die Allround-Shapes mit den waschechten Waveboards, so stechen die Unterschiede nicht sofort ins Auge. Wer nur Volumen, Breite und Preis als Maßstab für seine Kaufentscheidung hernimmt, wird kaum Unterschiede feststellen: Im Unterwasserschiff setzen die meisten Designer – abgesehen von den im Bugbereich monokonkav gehaltenen Boards  – bei allen Brettern auf Doppelkonkaven mit etwas V, also einen angedeuteten Kiel, der weicheres Einsetzen im Kabbelwasser bewirken soll. Erst die Messlatte offenbart dann jene Feinheiten, die den Unterschied zwischen "Spaßbrett" und "Spaßbremse" machen: So fallen die Freestyle-Waveboards im Schnitt mehrere Zentimeter länger aus. In Verbindung mit geringerem Tail-Rocker (Aufbiegung am Heck) ergibt sich dadurch eine flachere Bodenkurve mit längerer Gleitfläche, was den Gleit- und Speedeigenschaftten zugute kommt. Die Hecks sind bei Freestyle-Waveboards durchweg breiter gehalten als bei den Wellenboards, auch um das Durchgleiten in Manövern zu verbessern. Engerer Stance und die nach außen orientierten Schlaufenpositionen runden in Verbindung mit der bereits thematisierten Finnenbestückung die Transformation ab.

Boardguide Freestyle-Waveboards 90-100 Liter

AUF DEM WASSER

Damit ihr unsere abschließenden Empfehlungen bestmöglich verstehen und einordnen könnt, macht es Sinn, sich kurz die Bedeutung der wichtigsten Notenkriterien vor Augen zu halten.

Gleiteigenschaften Wie schnell und widerstandslos kommt ein Brett passiv sowie mit Pumpzügen über die Gleitschwelle? Wie gut hält es in Windlöchern den Speed? Die Gleitnoten wurden bei Vergleichsfahrten mit identischen Segeln ermittelt – gleich schwere Tester tauschen bei ihren Runs nur die Boards. Boards mit flacher Bodenkurve, breitem Heck und längeren Finnen haben hier die Nase vorn. Die auf Welle optimierten Bretter fahren hier deutlich hinterher.

Kontrollierbarkeit Wie komfortabel und laufruhig läuft ein Brett  im Chop? Mit welchem Board kann man auch bei Hack mit kleinen Segeln noch angstfrei dichthalten? Shapes mit tieferer Wasserlage und guter Dämpfung haben hier Vorteile gegenüber sehr frei und hart fahrenden Vertretern. 

Springen/Chop Hop Wie leicht und kraftlos lässt sich ein Brett zum Chop Hop aus dem Flachwasser bekommen? Boards mit freier Gleitlage und leichtem Gefühl am Fuß haben hier Vorteile gegenüber solchen mit satter Wasserlage. Mit Hilfe einer kleinen Kabbelwelle bekommt man aber jedes Board problemlos aus dem Wasser.

Powerhalse lernen Wie einfach und stabil steht ein Brett auf der Kante? Wie gut verzeiht es Belastungsfehler? Mit welchem Brett haben weniger geübte Surfer am ehesten die Möglichkeit, sicher durch die Halse zu kommen? Sportlich-harte oder sehr sensibel zu steuernde Bretter (alle Wave-Shapes), die unruhig auf der Kante stehen, bekommen hier Abzüge. 

Sportliche Powerhalse Wer die Halse schon beherrscht, wünscht sich schnittige Radien mit Griff auf der Kante und bestes Durchgleitpotenzial. Dass ein Brett extrem einfach halst, ist hierbei weniger im Fokus, schließlich kann man Nachteile mit gehobenem Fahrkönnen wettmachen. 

Eng drehen Wie eng lassen sich Halsenradien zirkeln – reduzierten Speed und entsprechende Heckbelastung vorausgesetzt? Durchgleiten und extrem einfaches Halsen sind hier weniger im Fokus, dafür ist diese Note ein guter Gradmesser für das Drehpotenzial des Boards zum "Wedeln" in der Dünung und in kleinen Ostseewellen. 

Wave-Eignung Wie drehfreudig und radikal ist ein Brett in echten Brandungswellen bei Frontside- und Backside-Wellenritten? Es geht hier nicht ums Herumwedeln auf Dünungswellen, sondern um Bottom Turns und Cutbacks bei Brandung. Wer denkt, dass es in der Volumensklasse 90 bis 100 Liter keine "echten" Waveboards gibt, der täuscht sich.

Fahrgefühl Keine Frage von gut oder schlecht, sondern Geschmacksache ist diese Charakterisierung – gedämpfte Boards setzen im Kabbelwasser weich ein und schlucken die Schläge, wirken dafür aber manchmal nicht so sportlich und schnell. Direkte Boards geben Schläge und Kabbelwellen unmittelbarer an den­­ ­Piloten weiter.

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 5/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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