Redaktion

Test 2018: Freestyle-Waveboards 85

  • Surf Testteam
10.08.2018

Hinter aggressiver Optik und teils irreführender Namensgebung verstecken sich in dieser Gruppe Boards mit exzellenter Flachwassereignung. Und im Flachwasser werden viele dieser Boards überwiegend gesurft. Umso besser also, wenn in der einen oder anderen Packung neben einer guten Portion Waveeignung sogar noch mehr drin ist, als draufsteht.

Starboard Kode FW 86 Carbon Reflex

Umdrehen, mit der Nase ganz dicht ran, und dann die Zutaten lesen – beim Einkauf im Supermarkt fast ein Standardmanöver für jeden bewussten Käufer. Wenn mal wieder oben ganz groß Frucht draufsteht, aber überwiegend Zucker drin ist. Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie gibt’s bei Windsurfboards aber keine Verpflichtung, wenigstens die wesentlichen Zutaten drauf zu schreiben. Und so wird hier und da mal was hinzugedichtet, mal was weggelassen. "Freestyle-Wave" klingt für Marketing-Manager anscheinend besonders gut und hat sich so als Gattung etabliert. Wobei gerade diese beiden Ableger der weit verzweigten Boardfamilie – Waveboards und Freestyleboards – meist ziemlich wenig Gemeinsamkeiten aufzeigen. So wundert es nicht, dass kaum ein Board gerade diese beiden Disziplinen besonders gut abdecken kann. Dabei ist die Kombi – stylisher Name, praktischer Inhalt – gar nicht selten. Der RRD Freestylewave beispielsweise bewährte sich mal wieder als hervorragendes Brett für eine breite Zielgruppe – nur eben nicht besonders gut geeignet, um damit große Wellen abzureiten. Was für den Namensvetter von JP-Australia weitgehend genau so gilt. Daneben gibt sich ein Goya One im Namen zurückhaltend und entpuppt sich als einer der radikalsten Wellenschlitzer, die man in dieser Gruppe finden kann. Auf die Packung ist also kein Verlass, wir haben deshalb vorgekostet. Das Menü bietet: zwei bis drei reinrassige Waveboards – nahezu ohne Flachwassereignung, sechs bis sieben Boards für Freeride und Manöver und eine Handvoll Zwitter, die für Ostsee und Bodden gleich gut geeignet erscheinen.

Den gesamten Test mit allen Ergebnissen dieser Freestyle-Waveboards gibt's unten im Download-Bereich:

Hinter aggressiver Optik und teils irreführender Namensgebung verstecken sich in dieser Gruppe Boards mit exzellenter Flachwassereignung. Und im Flachwasser werden viele dieser Boards überwiegend gesurft. Umso besser also, wenn in der einen oder anderen Packung neben einer guten Portion Waveeignung sogar noch mehr drin ist, als draufsteht.

AN LAND

Waveboards und Allrounder: Sobald es im Volumen unter die magische 90-Liter-Grenze geht, treten Freestyle-Waveboards und Freemoveboards verstärkt in Konkurrenz mit "richtigen" Waveboards. Bei 95 Liter Volumen und mehr greifen dagegen nahezu nur noch Schwergewichte­ zum Wavespezialisten – für den reinen Waveeinsatz. In dieser Testgröße um 85 Liter ist die Verlockung, zum Waveshape zu greifen, manchmal allzu groß – im Hinterkopf der Traum von richtigen Wellen – und auf Flachwasser wird das dann auch schon schwimmen. Dabei zeigt die Statistik: Ein Wave-Image ist vielleicht spannender, gute Flachwassereignung dafür oft sinnvoller. Denn die meisten der Freestyle-Waveboards landen auf Binnenseen und gemäßigten Küstenspots. Dort benötigt man keinen Kapstadt-Shape, sondern einen guten Kompromiss mit zumindest ordentlichen Gleiteigenschaften.

Finnen und Boxen: Vor wenigen Jahren waren Thruster-Boards in dieser Gruppe noch die Exoten, heute gehen gerade noch drei Boards mit Single-Finne an den Start, zwei davon haben die zusätzlichen Boxen für eine Dreier­bestückung aber bereits an Bord. 

Schlaufenpositionen: Eine Wave- und Manöveroption (Einzelschlaufe hinten und die beiden vorderen Schlaufen berühren sich in der Mitte auf dem Deck) erlaubt jedes Board im Test. Für  längere Schläge im Kabbelwasser, vielleicht auch mal gut angeblasen, ist eine leicht Free­ride-orientierte Montage mit etwas weiter außen liegenden Schlaufen oft bequemer.

Gleitflächen und Shapes: Ohne Rocker geht nichts in dieser Gruppe und bis zum Heck plane Gleitflächen wie bei Freerideboards sucht man vergeblich. Lediglich Starboard spendiert dem Kode eine sehr lange plane Sektion und nahezu null Aufbiegung am Heck (engl: Rocker). Die übrige Gruppe gleitet auf etwa 35 bis 55 Zentimeter planer Fläche zwischen den Schlaufen, nach hinten abgerundet mit einem Rocker von nur etwa drei Millimeter  Viel Rocker dreht gut, das scheint zu passen, über die Gleiteigenschaften sagt das aber erst mal nicht alles aus. 

AUF DEM WASSER

Gleiteigenschaften: Die beiden Waveboards von JP-Australia und Tabou belegen hier eindrucksvoll die Unterschiede zwischen Waveboards auf der einen Seite und Freestyle-Wave- oder Freemoveboards auf der anderen. In der Wavegruppe zählen beide zu den ordentlichen bis guten Gleitern, je nachdem, wie man es bewertet. 

Waveeignung: Die Spezialisten lassen nichts anbrennen. Unter den Allroundern finden sich ebenfalls sehr wavetaugliche Boards, aber auch ein paar Mogelpackungen. 

Powerhalse lernen: Auch wenn die Boardgruppe mit 85 Litern nicht die klassische Größe ist, um die Halse zu lernen: Wer vielleicht nicht zu den Schwergewichtlern zählt und bei fünf Windstärken oder mehr an der durchgeglittenen Halse arbeitet, ist mit dieser Brettklasse gut beraten. 

Sportliche Halse, enges Drehen: Die Waveshapes, sowohl die Spezialisten, wie die Wave-orientierten übrigen Boards sahnen bei engen Turns ab, da können die braveren Flachwasserboards nicht mithalten.

Board Guide Freestyle-Waveboards 85

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-3/2018 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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