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Material-Tuning

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 6 Jahren

Manchmal sind es bereits Kleinigkeiten, die das Surfer-Leben schon verbessern, manchmal muss man aber auch tiefer in die Tasche greifen. Wir wollten deshalb wissen, welches Tuning so gut wirkt wie ein Fuchsschwanz an der Antenne – und mit welchen Tricks tatsächlich ein paar PS mehr zu mobilisieren sind.

Die Serienfinne leuchtet schöner. Schneller ist das Tuningteil. Rund 250 Euro sind für knapp zwei km/h mehr Speed fällig. Lohnt das? Das muss jeder für sich entscheiden.

Was soll ich machen? Die Finne tauschen, einen teureren Mast kaufen oder muss es gleich ein neues Board sein? Selbst bei surf-Tests, wenn wir mit gutem Freeridematerial mal wieder unsere Kilometer über den Gardasee abspulen, ärgern die guten Slalomfahrer schon manchmal. "Was müsste man als erstes ändern, um da besser mitzukommen?" wird dann häufiger diskutiert. Genau deshalb haben wir für diesen Test die verschiedenen Möglichkeiten nach und nach durchgespielt. Aber nicht nur die Leistung lässt sich aufmöbeln, auch der Komfort – vom Aufriggen bis zum Handling bei der Powerhalse, lässt sich einiges mit teils verblüffend einfachen Maßnahmen verbessern. Viel Erfolg wünschen wir beim Tuning mit den folgenden Top 12 unseres Tests.

Racefinne statt Serienstachel

Unsere GPS-Messungen bestätigen, was die direkten Vergleichsfahrten schon ahnen lassen: Um 1,5 bis zwei km/h ist der Carve mit Tuningfinne schneller – egal bei welchem Tester.

Unser erster Weg führte uns zu einem der Tuning-Päpste, wenn es um das "Fahrwerk" geht. Lars Winheller macht handgefertigte Racefinnen "zu 50 Prozent für DWC-Cupper und Regattafahrer, auch viele schweizer Racer und Gelegenheits-Regattateilnehmer. Die andere Hälfte sind Hobbysurfer, die einfach schneller surfen möchten", beschreibt der Carbon-Spezialist seine Klientel. Handgeschichtet in zwei Halbformen werden die einzelnen Carbonlagen nach Kundenwunsch in Flex und Twist auf Einsatzbereich, Segel und Board abgestimmt. Das ist die edelste Stufe des individuellen Tunings. "Carbon-Finnen aus der Form kann ich dünner bauen beispielsweise als G10-Finnen. Unter zehn Millimeter Dicke an der Basis brechen die. Dünnere Profile sind aber nicht unbedingt schneller. Ein 120-Kilo-Surfer, der sich ins Gleiten presst, benötigt auch eine dickere Finne." Wir haben uns ein schlankes Raceteil ausgesucht und wollen wissen, was das bringt.

Als Vergleichsboard haben wir einen Starboard Carve 121 gewählt, nach unserer Einschätzung ein geeigneter Proband. Das Freerideboard läuft sehr frei und kontrolliert, die Serienfinne ist aber recht groß, mit breiter Basis, da wittert der Speedsurfer Potenzial. Das Tuningteil von Lars Winheller hat bei gleicher Länge weniger Fläche und wirkt schon optisch ziemlich schneidig. Also rein damit, Tacho umgeschnallt und ab auf die Rennpiste. Erstes Aha-Erlebnis: Da ist auf einmal viel mehr Grip. Wie frisch aufgezogene Reifen greift der schwarze Stachel und hält das Heck sehr souverän in der Spur. Trotzdem wirkt die Finne leichtfüßiger, mit weniger Fahrwiderstand. Das zeigt sich auf dem Tacho und im direkten Vergleich. Beide Testfahrer erreichten in mehreren Runs mit der "Winheller Proto" jeweils knapp zwei km/h mehr Top-Speed, am Gardasee mit 7,8 bei gemäßigtem Wind im Bereich knapp über 50 km/h.

Tuning-Tipp: Das bringt wirklich was. Die Finne ist so wichtig wie die Reifen in der Formel 1. Solche Racestachel sind aber nicht nur schnell, sondern auch teuer, empfindlich und extrem scharf. Nicht geeignet für Leute (und surf-Tester), die die Finnen mit der Handkante in den Kasten hämmern und nach dem Speedrun auf den Strand donnern.

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Anders als im Motorsport ist der Umstieg in die nächst schnellere Leistungsklasse nicht unbedingt mit weniger Fahrkomfort verbunden.

Tuningstufe III – vom Freerider über das Freeraceboard ab in die Race-Slalom-Klasse

Die Tuningkarriere nach Maß kann man in vielen Fällen so vorhersehbar wie eine Beamtenlaufbahn planen: Zuerst kommt das schnellere Segel, dann vielleicht noch eine (teure) leistungsstärkere Finne und am Ende wartet – so sicher wie die nächste Flaute – der Umstieg vom Freerideboard in die Freeraceklasse, oder für ganz ehrgeizige Heizer auch in die Race-Slalomliga. Ein schnelles Freeracesegel haben wir daher bei unserem Test als Motorisierung mal vorausgesetzt, in diesem Fall zwei Naish Bullet 7,8. Reicht für den erhofften Effekt ein Freeraceboard? Oder muss man zwingend zum Race-Slalomboard greifen? Und wenn ja, mit welchen Nachteilen muss man rechnen?

Zwischen "Wood"  und LTD-Version (im Foto) liegen nicht nur vier grüne Scheine, sondern auch auf dem Wasser etliche Meter – zumindest bei schwachen Gleitbedingungen. Für Leichtwind-reviere ist die Investition daher gut angelegt.

Tuningstufe II – Glas, jede Menge Holz oder dürfen’s doch gleich 800 Euro mehr sein?

Das ist die wohl kostspieligste Tuningstufe – statt Fahrwerk (Finne) oder Antriebsstrang (Segel, Mast, Gabel) einfach den Basisuntersatz zu tauschen. Nahezu alle Marken bieten ihre Shapes in unterschiedlichen Bauweisen an, wir haben für diesen Versuch exemplarisch einen Fanatic Gecko 112 in drei Preisklassen ausgesucht.

Das Slalomsegel ist eindeutig schneller – unabhängig von den Windbedin­—g­ungen und deckt einen breiteren Windbereich ab. Selbst auf einem moderaten Freerideboard mit Serienfinne lässt sich dieser Vorteil uneingeschränkt herausfahren. uneingeschräm+nkt

Upgrade in die Raceliga – vom Hellcat zum RS:Slalom

Ausgangssituation für diesen Check ist eine Standard-Freerideausstattung, in unserem Fall exemplarisch ein Fanatic Gecko 112 mit dem NeilPryde Hellcat 7,7.  Kann man das mit einem Semi-Racesegel sinnvoll tunen? 

Weitere Tuning-Tests: Gleiches Segel, anderes Ma­terial: Monofilm gegen X-Ply sowie Zwei verschiedene Masten (RDM/SDM)

Trimmen mit zwei Fingern

Gegen diese Kurbelwelle kann sich kein Segel wehren. Auch große Freerace-segel sind damit spielerisch zu trimmen.

Segel trimmen ist leider immer noch recht häufig ein mühsames Unterfangen. Eigentlich ein Wunder, dass sich Trimmkurbeln noch nicht weiter durchgesetzt haben. Denn ab 35 Euro sind die Teile zu haben, mit denen der Kraftaufwand an der Kurbel nicht mehr viel höher ist als bei einer alten Kaffeemühle.

Alles Vario oder was?

Vario-Trapeztampen machen das Leben auf dem Wasser leichter.

Vario-Trapeztampen können gleich zweierlei: Einmal helfen sie allen denen, die "ihre" Länge auf Anhieb nicht genau wissen und ermöglichen den sanften Umstieg beispielsweise zu längeren Tampen. 

Dünne Gabeln (27 / 29 Millimeter)

Dünne Gabeln vermitteln ein anderes Gefühl für die Segelgröße.

Hier geht es mal nicht um messbare Leistung, sondern um das, was Windsurfen so faszinierend macht: Das Feeling. Das gleiche Segel wirkt mit einer dünnen Gabel im Handling einfach eine Nummer kleiner.

Carbon-Upgrade (30 % / 76 %)

Carbon-Upgrade bei Masten

Dieser Check hat uns am meisten überrascht: Mit dem 30-Prozent-Mast wirkt das Testsegel Gaastra Cosmic 7,5 nur minimal "voller" mit etwas erhöhten Haltekräften, bleibt aber ein insgesamt ein leichtes, handliches Segel. 

Schlagwörter: Material-Tuning

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