Redaktion

Wie giftig sind Windsurfboards eigentlich?

  • Manuel Vogel
02.06.2017

Starboard-Gründer Svein Rasmussen über seine neue Vision – Bretter zu bauen, die nachhaltig und ökologisch vertretbar produziert wurden. Im surf-Interview verrät er, wie das gehen kann.

"Ich glaube, dass es möglich ist, ein Brett aus recycelten Materialien zu bauen, welches genauso gut fährt, stabil ist und nicht mehr kostet." (Svein Rasmussen)

Svein, Starboard engagiert sich im Rahmen des Ecoboard-Projekts nach eigener Aussage für Nachhaltigkeit im Windsurfsport. Was hat es damit auf sich? Wir sind noch am Anfang und wollen damit eines der Grundprobleme im Windsurfen angehen: Wir propagieren Natursport, üben diesen aber auf Brettern aus, deren Bestandteile zu 100 Prozent auf Erdöl basieren. Die Produktion von Surfboards, das lässt sich nicht verleugnen, schädigt die Umwelt und das Meer, das wir so lieben, durch die Emission von CO2 und giftigen Chemikalien. Deshalb versuchen wir nach und nach zu verträglicheren Materialien zu wechseln, um irgendwann Boards zu bauen, die ein Symbol für Nachhaltigkeit darstellen. Das soll sich nicht naiv anhören, aber um die globalen Probleme zu lösen, muss man zuerst versuchen die kleinen Dinge zu ändern, die man selbst beeinflussen kann.

Was an einem Windsurfboard oder der Produktion ist umweltschädlich? Epoxidharz ist ein Hauptfaktor, hinzu kommt der EPS-Kern (Styropor, die Red.), die Pads und die Schlaufen, alles basiert komplett auf Erdöl und die Reste brauchen sehr lange, um biologisch abgebaut zu werden. All diese Bestandteile und Prozesse versuchen wir nun Stück für Stück zu hinterfragen.

"Am meisten hoffe ich, dass unsere Konkurrenz auf diesen Zug aufspringt, dann würde es viel schneller vorangehen. Wir sind erst am Anfang!" (Svein Rasmussen)

Wie macht ihr das konkret? Bei der Herstellung der Styroporkerne verwenden wir großteils Formen, denn wenn die Kerne wie üblich gefräst werden, ist der Materialverbrauch ungleich höher. Man kann Schaumreste aus der Produktion von Wellenreitern recyceln und für die Windsurfbretter nutzen. Wir haben das mit zu 50 Prozent recyceltem Kernmaterial ausprobiert und gute Ergebnisse erhalten. Auch hat ein Pilotprojekt in Thailand begonnen, bei dem wir Styropormüll an den Stränden Thailands aufsammeln, diesen mit den Herstellern recyceln und daraus neue Kerne für Boards machen. Es ist ziemlich schwierig die Leute hier davon zu überzeugen, warum wir das so wollen und dadurch ist es oft schwer voranzukommen. Daher ist das noch nichts für die Massenproduktion sondern bisher nur für unsere Prototypen.

Du hast auch das Harz als Hauptverschmutzer benannt. Welche Alternativen wären hier denkbar? Ja, die Produktion und Verwendung von Epo­xidharz macht den Großteil der Schadstoffe aus, die bei der Brettproduktion freiwerden. Für die Saison 2017 ersetzen wir bereits unser Harz zu 35 Prozent durch ein biologisch abbaubares Harz. Der Härter ist nach wie vor der alte, aber auch da suchen wir nach Alternativen. Das Ziel ist es, 2018 einen Anteil von 45 bis 50 Prozent Bioharz und Härter zu erreichen. Auch bei den Pads haben wir Ideen, die aber noch in der Testphase sind: Es gibt Materialien, die auf Algen basieren und zumindest zu 50 Prozent biologisch abbaubar wären. Auch eine Pilotprojekt mit "Bloom Foam", der auch für Surflegende Kelly Slater biologisch abbaubare Pads entwickelt, haben wir gestartet, recycelter Kork ist eine weitere Option.

Finnen mit Bioharzen aus recyceltem Plastik sind in Serie geplant. 

Glaubst du, dass es irgendwann Boards geben wird, die komplett aus Naturmaterialien bestehen? Das vielleicht nicht, aber ich glaube, dass man ein Board zu 100 Prozent aus recyceltem Material bauen kann. Die Pads aus recyceltem Kork, der Kern aus recyceltem Styropor, die Schlaufenplugs aus recyceltem Plastik sind kein Problem, das Sandwichmaterial um den Styroporkern könnte durch Balsaholz ersetzt werden, von dem ich glaube, dass es eine große Zukunft im Brettbau hat.

Euer Engagement in allen Ehren, aber am Ende entscheidet auch der Preis. Und da ist nach den Preisanstiegen der Vergangenheit  für viele Kunden die Schmerzgrenze bereits erreicht... Viele Biomaterialien haben große Vorteile und natürlich muss man den Preis im Auge behalten. Oft werden von den Herstellern solcher Materialien pauschal höhere Preise verlangt, nur weil es "bio" ist – ohne, dass es eine echte Grundlage dafür gäbe. Das muss man in Frage stellen und auch Druck machen, das zu ändern. Aber am Ende, da bin ich sicher, wird es Boards geben, die genauso gut fahren, stabil sind und nicht mehr kosten, dafür aber nachhaltiger produziert wurden. Das fängt bei der Verpackung an: 2017 wollen wir nach und nach bei allen Verpackungen auf Plastik und Styropor verzichten und hoffen, dass viele der Dinge, die aktuell in der Testphase sind, auch in die Serie einfließen. Am meisten aber hoffe ich, dass unsere Konkurrenz auf diesen Zug aufspringt, dann würde es viel schneller vorangehen. Wir sind erst am Anfang!

Pads aus  auf Algenbasis  sind ebenfalls in Serie geplant. 

Svein und sein Team experimentieren mit recyceltem Styropor für die Brettkerne. 

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