Workshop: Noseprotektoren auf Windsurfboards aufkleben

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 7 Jahren

Böe übersehen? Kabbelwelle getroffen? Plastiktüte mitgenommen? Egal, das Ergebnis ist oft das gleiche, ein saftiger Schleudersturz kann reichen, um eine schöne, neue Boardnase in eine Kra­terlandschaft zu verwandeln. Doch es gibt diverse Möglichkeiten, sein Brett zu schützen – vom günstigen Schaumstoff-Polster bis zum Highend-Nasenprotektor aus Vollcarbon ist alles dabei.

Der gute alte Schleudersturz – jeder kennt ihn, jeder "kann" ihn, egal ob Aufsteiger oder Vollprofi. Es passiert einfach. Oft ist der Surftag dann gelaufen und man selbst schnell um 150 Euro für die Reparatur ärmer.

Protektoren sind daher schon immer ein Thema. Die günstigste und am weitesten verbreitete Variante – der gute alte Schaumstoffprotektor, den man sich früher einfach ans Gabelkopfstück klettete – hat heute nahezu ausgedient, einfach weil er aufgrund der kürzer gewordenen Boards allenfalls bei Surfern hilft, die die Gabel weit unten fahren. Heute richtet der Mast das Hauptübel an. Auch dafür gibt es von zahlreichen Herstellern Protektoren, mit denen man den Mast abpolstern kann. Auch Schaumstoffpolster zum Aufkleben auf die Brettnasen werden angeboten.

Glaubt man den Stationsbetreibern und deren Erfahrungen aus jahrelanger Vermietung, sind aufgeklebte, feste Nasenkappen jedoch der wirksamste Schutz. Und hier hat man die Wahl zwischen Standard-Kappen aus GFK, inklusive Kleber 400 bis 650 Gramm schwer, oder 250 Gramm leichten (und nebenbei noch edel aussehenden) Carbon-Kappen. Die GFK-Versionen, das wissen wir aus unserer langjährigen Test-Erfahrung, machen sich auf dem Wasser insofern bemerkbar, als dass man den Nachteil, den das punktuell am Bug konzentrierte Zusatzgewicht mit sich bringt, nicht leugnen kann. Vor allem wer beim Brettkauf den Mehrpreis für eine leichte "PRO-", "TEAM-" oder "LTD"-Version hingeblättert hat, dürfte die leichteren Carbon-Protektoren bevorzugen. Den Preis für den zusätzlichen Schutz – 110 bis 149 Euro kosten die GFK-Protektoren der Hersteller, 149 bis 299 Euro die Carbon-Versionen von Carbonprotect – hat man somit nach einer Nasenreparatur teilweise schon wieder raus.

In Handarbeit gibt’s Custom-Protektoren für jedes Brett. 

Im folgenden Workshop wollen wir euch zeigen, was wirklich hilft, wie ihr die Protektoren selbst montieren könnt und welche kostengünstigen Alternativen es dazu gibt. Dafür ein dickes Dankeschön an Eveline und Christian Relling vom Surf & SUP Center St. Leoner See, die uns mit Fotos und ihrer Erfahrung aus unzähligen Montagen unterstützt haben. 

Was brauche ich? Du brauchst einen passenden Nasenprotektor. Marken wie JP-Australia oder Fanatic bieten GFK-Kappen für ihre Modelle an (Preis: 115-150 Euro). Die 250 Gramm leichten Carbon-Guards gibt es bereits für diverse Modelle (Übersicht der verfügbaren Marken und Modelle auf www.carbonprotect.de , Preis: ab 149 Euro. Custom-Anfertigungen kosten ab 299 Euro, das Originalboard muss natürlich dann vor Ort sein. Außerdem benötigst du zwei Spanngurte, Silikon & Spritze, Schleifpapier, Bleistift und etwas Reinigungsmittel.

Workshop Noseprotector

10 Bilder

Böe übersehen? Kabbelwelle getroffen? Plastiktüte mitgenommen? Egal, das Ergebnis ist oft das gleiche, ein saftiger Schleudersturz kann reichen, um eine schöne, neue Boardnase in eine Kra­terlandschaft zu verwandeln. Doch es gibt diverse Möglichkeiten, sein Brett zu schützen – vom günstigen Schaumstoff-Polster bis zum Highend-Nasenprotektor aus Vollcarbon ist alles dabei.

Das sagen die Profis

Christian Relling, Surf & SUP Center St. Leoner See

Christian, wie kamt ihr auf die Idee, die Protektoren zu bauen und woher nehmt ihr das Know-how? Unser Produzent ist ein ehemaliger Motorrad-Rennfahrer und mit der Verarbeitung von Carbon-Gewebe sehr vertraut. Als er mit dem Windsurfen anfing, fand er schnell heraus, dass Carbon-Boards nicht viel aushalten. Er hatte, wie viele andere Surfer auch, Probleme mit Masteinschlägen auf dem Bug und suchte nach einer Lösung. Allerdings waren ihm die GFK-Noseprotektoren der Hersteller zu schwer, so dass er einen eigenen Carbon- rotektor entwickelte. Die hohe Schlagfestigkeit wird durch das verwendete Material erreicht, das die Einschlagskräfte auf den gesamten Protektor verteilt. Oft bricht Carbon, wenn biaxiales- oder unidirektionales Gelege verbaut wurde, weil die einwirkenden Kräfte nicht gleichmäßig verteilt, sondern nur in eine Richtung gelenkt werden. Schlagfesteres Gewebe wird in der Surfindustrie, vermutlich aus Kostengründen, oft nicht verwendet. Die genaue jetzige Zusammensetzung des Protektors ist selbstverständlich geheim. Wie habt ihr die Protektoren getestet? Wir haben am Anfang Schlagversuche mit einem 2-Zoll-Stahlrohr auf eine Boardnase mit Protektor vorgenommen. Die Oberfläche des Protektors war beschädigt. Wir haben daraufhin den Protektor wieder vom Board entfernt, um nachzuschauen, ob der Schlag auch das Board beschädigt hatte. Ergebnis: Protektor auf der Oberfläche beschädigt, Board unbeschädigt. Wir haben dann einige Protektoren kostenlos an Kunden und Bekannte gegeben, sozusagen als Testfahrer, alle größer als 1,90 Meter und schwerer als 90 Kilo.Vorzugsweise waren es Kunden, die mit Fußschlaufenfahren und Gleiten anfingen und natürlich auch 100-Kilo-Brocken aus dem Racing-Bereich. 

Kritiker fester Noseguards sagen, dass die Kräfte beim Schleudersturz ja irgendwohin müssen und oft das Brett unter dem Protektor beschädigt wird oder der Schaden auf die ungeschützte Unterseite des Boards durchschlägt.  Unter normalen Bedingungen ist ein Einknicken der Nase nicht möglich! Die Einschlagskraft verteilt sich auf den kompletten Noseprotektor. Wir hatten lediglich einen Fall bei dem die Nase eingeknickt ist: Ein Kunde fuhr mit einem Starboard iSonic mit 68 km/h, der Trapeztampen ist gerissen und der Mast schlug auf die Nase. Das Board wäre bei einem Einschlag ohne Protektor auf jeden Fall schrottreif gewesen und es ist nicht nachweisbar, dass der Schaden durch den Protektor verursacht wurde. Leider werden die Wettbewerbsboards inzwischen so dünn und leicht gebaut, dass die Haltbarkeit der Boards an die Grenzen gekommen ist. Eine Lage biaxiales Carbon-Gelege auf der Unterseite , das ist ganz einfach zu wenig!

Harry Nass, der Stationsbesitzer betreibt mehrere Center in Dahab mit insgesamt 550 Boards

Harry, welcher Schutz hat sich bei euch bewährt? Wir als Center bevorzugen eindeutig die festen Epoxy-Nasen und nicht die weichen EVA-Polster. Die Protektoren halten ohne Probleme und gehen von alleine nicht mehr ab. Das macht allerdings ein Entfernen auch schwierig, allerdings sind eigentlich alle Käufer von gebrauchten Boards froh, wenn sie den Protektor haben. Ausschließlich die Freestyle-Fahrer stören sich an den Kappen. Was spricht gegen die Schaumstoff-Protektoren? Dicke EVA-Polster sehen nicht wirklich gut aus, so etwas könnten wir bei uns nicht vermieten. Außerdem "fransen" sie im Dauerbetrieb schnell aus, weil Aufsteiger beim Üben des Wasserstarts das Rigg oft über den Bug ziehen. Die festen aus Epoxy sind ja auch gleich dem Design der Boards angepasst, und so sieht man aus ein paar Metern Entfernung gar nicht, dass da überhaupt ein Protektor draufsteckt. Ich empfehle allen, die nicht super sicher Halsen können und öfter mal einen Schleudersturz machen, immer einen Protektor zu nutzen.

Aber GFK-Protektoren sind schwer. Klar, das Extra-Gewicht ist da, aber nach einem Einschlag mit Bruch muss man sowieso reparieren und das Harz und Glas dafür wiegt dann auch gleich wieder extra. Außerdem hat man dort dann eigentlich eine Sollbruchstelle, an der das Board oft beim nächsten Einschlag gleich wieder bricht. Ab und an wünscht man sich die alten Boards wie den F2 Sunset Slalom zurück, da konnte man sogar mit dem Hammer draufhauen und nichts ist passiert. Die wogen aber auch vier Kilo mehr.

Stephan Gölnitz Mikel Slijk, Stationsleiter und Shopbesitzer des Shaka in Torbole am Gardasee

Wie bekomme ich feste Protektoren eigentlich wieder ab? Am einfachsten geht’s mit einem Nylon-Band (perfekt ist die Sicherung, die um den Originalkarton von Surfbrettern liegt) oder auch einer Kite-Leine. Band oder Leine kann man zwischen Brett und Protektor stopfen und dann wie eine Säge hin und her ziehen, so trennt man die Silikon-Verbindung zwischen Brett und Protektor. Warum verwendet ihr nicht die soften Pads zum Aufkleben? Ich verkaufe auch die, die man an den Mast klemmt und auch das Feedback darauf ist, wie auch bei den aufklebbaren EVA-Polstern für die Brettnase, gut. Bei den Polstern aus EVA gibt es aber hin und wieder das Problem, dass sie zwar Schutz bieten, aber Beschädigungen da­runter unbemerkt bleiben können. Über Risse unter dem Polster kann dann trotzdem das Wasser ins Brett kommen. 

Produkte

Schaumstoff-Protektoren Erhältlich von Gun Sails, GA Sails, ION und anderen Marken. Per Klettverschluss einfach am Mast zu befestigen. Preis: 15-25 Euro Pro: Board-unabhängig, leicht, günstig, einfache Montage. Contra: Nur mittelmäßiger Schutz.

Weiche Noseguards Selbstklebender EVA-Schaum (Unifiber, JP-Australia), der einfach auf den Bug aufgeklebt werden kann. Unterschiedliche Größen je nach Board verfügbar. Preis: ca. 50 Euro Pro: Guter Schutz, günstig & leicht, für alle Boards.  Contra: Risse unter dem Schutz können Wasser ziehen.

GFK-Noseguards Marken wie JP-Australia oder Fanatic bieten passende GFK-Kappen auf Bestellung. Preis: 115-150 Euro Pro: bester Schutz, oft sogar ans Board-Design angepasst. Contra: Schwer; Wartezeit bei Bestellung; nur für bestimmte Modelle.

Carbon-Noseguards Erhältlich bei www.carbonprotect.de Preis: ab 149 Euro Pro: bestes Verhältnis aus Schutz und Gewicht, edle Optik. Contra: Nur für bestimmte Modelle, teuer.

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Workshop Noseprotector


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