Redaktion

Test 2015: Waveboards

26.11.2014

Wer blind reingreift in diese Kiste mit den neuesten 2015er Waveboards kann Glück haben, alles richtig machen und das perfekte Board erwischen. Oder für seine Ansprüche eine absolute Niete ziehen, denn selten war eine Testgruppe so breit gefächert wie diesmal.

JP-Australia Thruster Quad Pro: Tester Manuel Vogel; Spot: Lippe

Bei Testgruppen wie diesen freut sich das Testerherz. Erstens, weil es Schlimmeres gibt als die neuesten Boards tagelang über Nord- und Ostsee zu jagen und zweitens, weil es Spaß macht, darüber zu schreiben. Denn immer, wenn die Unterschiede zwischen den Produkten so groß sind wie in diesem Fall, weiß man, warum man sich die ganze Arbeit mit Wiegen, Vermessen, Fotografieren und natürlich Testen & Tunen macht. Um sicherzugehen, dass wir mit unseren Eindrücken auf der richtigen Fährte sind, haben wir uns auch diesmal wieder einige Gast-Tester mit unterschiedlichem Fahrniveau an Board geholt, die völlig unvoreingenommen und nach Lust und Laune ausprobieren durften. Vielen Dank daher auch an Florian Schüller, Jan Heinrich und Olaf Barth für das Feedback!

Die ausführlichen Testergebnisse dieser Boards findet Ihr unten als PDF-Download:

• Exocet U-Surf 86 • Fanatic Quad 82 TE • Fanatic TriWave 81 TE • Goya Quad 84 • JP-Australia Thruster Quad 83 PRO • Naish Global M • Quatro Sphere Thruster 85 • RRD Firewave 82 Ltd • RRD Hardcore Wave 88 Ltd • Starboard Kode Wave 82 Carbon • Starboard Quad 84 Carbon • Tabou Da Curve Quadster 86 • Tabou Pocket Wave 78

SO TESTEN WIR:

AN LAND:

Shapes und Gewichte:

Neben den Eindrücken auf dem Wasser wiegen und vermessen wir alle Boards. Durch Gewichtsmessungen wollen wir sichergehen, dass uns keine leichteren Test-Dummies untergeschoben werden, deren Gewichte von den Herstellerangaben auffällig abweichen. Jeder Käufer kann also sein Brett mit den Sollwerten (konstruktionsbedingt beträgt die Toleranz +/- 6 Prozent) vergleichen. Die Streuung innerhalb der Gruppe ist recht groß – der 85 Liter große Quatro wiegt gerade mal 6,15 Kilo, der 86er Exocet bringt da satte 1,4 Kilo mehr auf die Waage.

Viele Shaper setzen im Unterwasserschiff auf Doppelkonkaven und V (eine Art Mini-Kiel in der Mitte), das bringt Kontrolle und eine tiefere Wasserlage. 

Die Fahreindrücke auf dem Wasser erklären sich oft durch einen Blick auf die Shapes. Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die Quads im Durchschnitt mit mehr Tail-Rocker (Aufbiegung im Heck) designt werden. Dies soll der Drehfreudigkeit und Radikalität zugute kommen, drosselt im Normalfall aber die Gleiteigenschaften. Die meisten anderen Boards sind sichtbar moderater geshapt. Im Unterwasserschiff setzen viele Shaper auf Doppelkonkaven und ein leichtes V. Das V-förmige Unterwasserschiff wirkt wie ein Kiel und lässt die Bretter weicher einsetzen, was gewöhnlich in einer etwas satteren Wasserlage resultiert und die Boards bei Hack kontrollierbarer macht. Markant umgesetzt ist dies bei Naish, Goya, Quatro, Tabou und auch dem Fanatic TriWave.

Finnen:

Wir testen alle Boards mit den original Finnen-Set-ups, ausgehend von der Mittelposition (so wie dies wohl jeder erstmal macht). Natürlich gehört anschließend auch Tuning zum Test dazu, besonders wenn ein Brett in einem Bereich etwas abfällt. Einige Boards, wie zum Bespiel der JP-Australia Thruster Quad oder der Tabou Da Curve, werden mit zwei Finnen-Set-ups ausgeliefert, was den Einsatzbereich deutlich vergrößert und einen echten Mehrwert darstellt. Generell lassen sich Waveboards über die Finnen gut tunen: Schiebt man die Finnen zurück, lässt sich – zu Lasten der Drehfreudigkeit – die Gleitleistung verbessern. Umgekehrt kann man aus eher moderaten Boards wie dem Naish, Exocet, RRD Firewave oder Tabou Pocket durch Vorschieben der Finnen noch einiges an Drehfreudigkeit herausholen. Einen ausführlichen Artikel zum Finnentuning findest du auch in surf 3/2014 .

AUF DEM WASSER:

Gleiteigenschaften:

Gerade auf Nord- und Ostsee ist dieser Faktor sehr wichtig. Bei unseren Tests behält jeder Fahrer sein Segel, getauscht werden nur die Boards. Dadurch bekommt man ohne große zeitliche Verzögerung ein gutes Gefühl für die Leistungsunterschiede. Wichtig bei diesem Kriterium ist, wie gut ein Brett sowohl passiv (ohne Pumpen) als auch aktiv (Beschleunigung nach dem Pumpen) auf Touren kommt. 

Kontrolle:

Die meisten Windsurfer wollen nur ein Wave­board und natürlich soll dieses auch mit dem 4,0er noch funktionieren. Wir judgen hier, wie laufruhig und einfach zu fahren das Brett bei viel Wind im Chop ist. Im Vorteil sind hier Boards mit etwas tieferer Wasserlage, die wie auf Schienen laufen, weich im Chop einsetzen und mit Griff durch die Halse ziehen.

Eignung für Wave-Einsteiger:

Hier fließen folgende Punkte mit ein: Einfaches Fahrverhalten, Gleiteigenschaften, Kippstabilität beim Queren von Weißwasser und natürlich gutes Speedhalten vor der Welle, damit man bei den Turns nicht einparkt. Wer sein Waveboard eher als Starkwindbrett auf Flachwasser nutzt und seine jährlichen Tage auf Nord- und Ostsee an einer Hand abzählen kann, sollte hier genau hinschauen.

Waveriding vorderer Fuß – Kontrolle:

Du surfst fette Wellen wie Jason himself? Auf Hawaii, vor Südafrika oder europäischen Top-Spots, mit so viel Vorlage, dass beim Bottom Turn die komplette Kante greift und die Trapeztampen im Wasser schleifen? Falls dies nicht der Fall ist und du mehr als 90 Prozent der Tage auf Nord- und Ostsee verbringst, springe weiter zum nächsten Punkt. Falls doch: In großen Ozeanwellen und bei Sideoffshore-Wind gibt’s nichts Schlimmeres als beim Bottom Turn zu verkanten, weil das Brett hoppelt wie ein Kaninchen. Kontrolle und maximaler Grip sind dann Gold wert. Hier schlägt die Stunde vieler Quads.

Waveriding vorderer Fuß – Dreheigenschaften:

Hier wird’s auch für den Nordsee-Surfer interessant. Stell dir vor, du fährst die Welle runter und gehst in den Bottom Turn. Um den Speed gut mitzunehmen, beginnst du den Turn naturgemäß erstmal mit weitem Radius und mit Vorlage über den vorderen Fuß. Um die Welle im perfekten Moment zu treffen, brauchst du ein Brett, bei dem du den Radius und das Timing variieren und auch mal eng und senkrecht zur Lippe hochziehen kannst, am besten ohne großen Kraftaufwand. Genau diese Variabilität testen wir hier. 

Waveriding hinterer Fuß – Dreheigenschaften:

Es gibt nicht Besseres, als eine Wellenlippe mit einem engen, radikalen Cutback in einen Fächer aus Spray zu verwandeln. Wer eng drehen will, gibt automatisch mehr Druck auf den hinteren Fuß. Wir bewerten hier, wie radikal und leichtfüßig sich ein Brett beim Cutback drehen lässt. Eine Reihe von Boards tut dies tatsächlich auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel. 

Waveriding hinterer Fuß – Speed halten:

Jeder kennt es – man geht in den Bottom Turn und will nur einen schönen Cutback mit viel Spray schlitzen, aber man bleibt mittendrin einfach stehen. Vor allem auf der Ostsee oder an Nordseetagen, ohne viel Wellenschub und mit dem 5,3er in der Hand, ist das schwierig. Wer Erfahrung und hohes Fahrkönnen hat, kann dies durch Fahrtechnik ausgleichen und über Schwächen in diesem Bereich hinwegsehen. Wer seltener in der Welle surft oder hier Neuland betreten will, sollte sich dieses Kriterium genauer anschauen. 

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