Segellagerung im UrlaubIm Ständer hängen lassen, entspannen oder abbauen?

Stephan Gölnitz

 · 03.07.2026

Beim surf-Test hängen die Segel im Schatten - mit entspanntem Vorliek und Schothorn
Photo: Tobi Frauen
Spätestens bei mehr als zwei Tagen Campingurlaub stellt sich die Frage: Segel startklar neben dem Camper oder Zelt aufgeriggt stehen lassen, entspannen oder abbauen? Was schont das Segel? Was schadet dem Mast? Beim Entspannen wird vor allem ein wichtiger Handgriff oft vergessen - mit dem der Mast aber deutlich länger gerade und steif bleiben kann.

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Lagern in der Surf-Pause

surf -Redakteur Julian Wiemar ist bekennender Abrigg-Fan: “Selbst wenn ich weiß, dass ich in zwei Stunden noch eine Session haben werde, rigge ich lieber schnell ab, als erst lange einen windgeschützten Lagerplatz im Schatten zu suchen. Der Zeitverlust - was mag das sein? Vielleicht eine Minute?” Julian ist natürlich super schnell beim Aufbau und hat aber auch die Tipps für materialschonendes Handling. Wer diese einfachen Handgriffe berücksichtigt, fügt dem Segel auch bei häufigem Auf- und Abriggen keinen Schaden zu. Der Minimalschutz bei surf-Pausen ist ein Platz im Schatten mit leicht entspanntem Vorliek. An Spots mit fliegendem Sand wie in Gruissan reichen weniger als zwei Stunden um klaren Monofilm in undurchsichtiges Milchglas zu verwandeln.

Beim Abriggen verliere ich im Vergleich zur ordentlichen Lagerung maximal eine Minute” (Julian Wiemar)

Wie du dein Segel auch bei starkem Wind ohne starkes Segelflattern abbaust und einrollst, zeigt dir surf-Tester Marius in diesem kleinen Life Hack.

Lagerung für längere Zeit

​Wer zwei Wochen am Gargano steht, möchte meist nicht jeden Tag das gleiche Segel neu aufbauen verständlicherweise. Neben der Variante “Ich verknote den Vorliekstampen am ersten Tag unlösbar und hänge das Segel am Strand in die Sonne” haben wir noch ein paar Optionen gesammelt, die deutlich materialschonender sinn. Wer neben dem Segel auch den Mast entlasten möchte, kommt um ein Entspannen von Vorliek UND Schothorn nicht herum. Wird nur das Vieliek gelöst, nimmt das zwar viel Spannung aus dem Segel. Der Mast bleibt aber gebogen und wird in seiner neuen “Form” regelrecht ein zweites Mal gebacken. Je nach Temperatur und verwendetem Harz kann das bei tropischen Temperaturen auch im Schatten zu einer dauerhaften neuen Biegekurve führen. Vor UV kann in jedem Fall eine UV-dichte Plane (5x5 Meter mit Ösen, aus dem Baumarkt) schützen, mit der man das gesamte Rigg einpackt. Nach einer Saison in der Sonne, zeigt diese dann meist auch schon recht deutlich, wieviel UV-Belastung man dem Surfmaterial erspart hat.

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Cambersegel sind schwieriger wirklich schonend zu lagern” (Stephan Gölnitz, surf-Redakteur)

Bei Cambersegeln kommen zusätzliche Herausforderungen dazu. Lässt man die Camber am Mast, werden die Latten extrem gebogen. Klappt man die Camber ab, drücken diese von innen gegen die Masttasche und können diese (je nach Form und Spannung) ernsthaft beschädigen. Cambersegel werden kurzfristig idealerweise am Vorliek entspannt und langfristig, dem Mast zu Liebe, abgebaut. Für längere Lagerung im Urlaub kommen hier unsere Top 5 zusammengefasst:

Platz 5: Aufgebaut im Ständer hängen lassen

​➕ extrem bequem
➕ Segel sofort startklar
➖ Ausbleichen und Monofilm-Versprödung durch UV-Belastung möglich
➖ der Mast wird womöglich (leicht) gebogen bleiben und von seiner Spannkraft einbüßen

Platz 4: Nur Vorliek entspannen

​➕ Segel ist schnell wieder startklar
➕ Zumindest die Vorlieksbahn wird etwas entlastet, was mögliche Materialdehnung reduziert
➖ Ausbleichen und Monofilm-Versprödung durch UV-Belastung möglich
➖ der Mast wird womöglich (leicht) gebogen bleiben und von seiner Spannkraft einbüßen

Auf dem Vorliek ist die Hauptlast. Wer hier entspannt, schont zumindest das Segel, der Mast kann bei längerer und warmer Lagerung dennoch krumm werden.Photo: Oliver MaierAuf dem Vorliek ist die Hauptlast. Wer hier entspannt, schont zumindest das Segel, der Mast kann bei längerer und warmer Lagerung dennoch krumm werden.

Platz 3: Vorliek UND Schothorn entspannen

​➕ Segel ist ebenfalls recht schnell wieder startklar
➕ Die Vorlieksbahn wird entlastet, was mögliche Materialdehnung reduziert
➕ Der Mast bleibt steif und gerade
➖ Ausbleichen und Monofilm-Versprödung durch UV-Belastung möglich
➖ Faltenbildung im Segel möglich und Camber (falls vorhanden) können die Masttasche beschädigen.

Abriggen minimiert die UV-Belastung, sollte aber materialschonend erfolgen.Photo: Oliver MaierAbriggen minimiert die UV-Belastung, sollte aber materialschonend erfolgen.

​Platz 2: Komplett (Vorliek und Schothorn) entspannen und abdecken

​➕ Segel ist ebenfalls recht schnell wieder startklar
➕ Die Vorlieksbahn wird entlastet, was mögliche Materialdehnung reduziert
➕ Der Mast bleibt steif und gerade
➕ UV-Belastung wird durch UV-undurchlässige Plane (Baumarkt) weitgehend reduziert
➖ Faltenbildung im Segel möglich und Camber (falls vorhanden) können die Masttasche beschädigen.

Platz 1: Abriggen

​➕ Segel ist UV-geschützt und knitterfrei gelagert
➕ Der Mast bleibt steif und gerade
➕ Weniger Beschädigungen während der Lagerung möglich
➕ Sinnvoll, wenn man häufig verschiedene Segelgrößen mit der gleichen Gabel benötigt
➖ Man muss das Segel abriggen

Video “Aufriggen unter drei Minuten”

​Die surf-Empfehlung

Unser bester Tipp? Sorgsam abriggen! Selbst wenn du nach dem Surfen wenig Zeit hast, ist es besser ein Segel für eine Nacht schnell nass einzurollen, als alle anderen Varianten. Und wenn du dann am nächsten Tag wieder aufbauen musst, sind Gabel und Verlängerung für dieses Segel auch schon passend eingestellt. Nützliche Tipps für schnellen Aufbau findest du in dem surf-Video oben.

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Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Deputy Editor in Chief surf

Stephan Gölnitz comes from Bochum and had Holland as his home windsurfing territory for many years before moving to Munich in 1996 for the job of test editor at surf magazine. The materials engineering graduate worked as a surf instructor on the Ijsselmeer during his studies and competed for several seasons for the Essen sailing team in the Surfbundesliga and the Funboard Cup. He completed a traineeship at surf-Magazin in the test department and since then has actively accompanied almost all tests on the boom and for more than 10 years also as a photographer. Stephan has covered many thousands of test kilometers, mainly on Lake Garda and in Langebaan, but also in Egypt and Tobago. He gets his hands on over 100 new sails and boards every year as his company car. Privately, he prefers to surf with a foil on Lake Walchensee or “unfortunately far too rarely” in the waves. SUP is Stephan's second passion, which he pursued for several years at numerous SUP races. Today, he prefers to paddle on river tours with family or friends - even for several days.

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