RatgeberWas bringen Surf-Handschuhe? Modelle von Ascan und ION im Test

Tobias Frauen

 · 02.07.2026

Im Test dabei: Ascan Maui als Kurzfinger-Variante...
Fotos: surf-Magazin
Handschuhe sind beim Wintersurfen oft lästige Pflicht. Sobald der Frühling auch nur hauchzart um die Ecke schaut, werden die lästigen Neoprenhandschuhe wieder möglichst weit weg gepackt. Wozu also dünne Sommerhandschuhe nutzen? Genau dieser Frage sind wir nachgegangen, haben exemplarisch vier verschiedene Varianten ausprobiert und gute Gründe gefunden.

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“Wo hattest du eigentlich die Handschuhe hingepackt?” Etwas geknickt stöberte Testleiter Stephan an Tag zwei unseres großen Material-Tests auf Tobago durchs Lager. Keiner von uns hatte zuvor Surf-Handschuhe genutzt, doch weil immer mal wieder Windsurfer mit Handschuhen zu sehen sind und einige Hersteller auch dünne Modelle für warmes Wasser im Programm haben, hatten wir relativ kurzentschlossen vier Paare von Ascan und ION ins Test-Programm aufgenommen.

Ein Tag mit Handschuhen kann den anschließenden Surfurlaub retten.” (Stephan Gölnitz, surf-Redakteur)

Ganz oben auf der Test-Liste hatte die Handschuhe jedoch niemand. Ganz im Gegenteil: Nach einem Winter unter 6-mm-Neopren mit Haube, dicken Boots und eben auch Neopren-Handschuhen waren alle heiß auf 30 Grad Wasser- und Lufttemperatur - nur in Boardshorts. Und darauf, den Griffkomfort moderner, dünner Gabelbäume zu genießen. Bis Stephan nach dem ersten Tag Badewannen-Surfen die zart rosa Anzeichen in der Handfläche rechtzeitig und richtig deutete: “Ich habe schon zu viele offene Hände gesehen und bei meinem ersten surf-Test, direkt nach einem Jahr Verletzungspause, noch selbst sehr darunter gelitten”, sagt er und ergänzt: “Urlaubssurfern rate ich, bei warmem Wasser die Hände nach einer halben Stunde gründlich trocknen zu lassen und lieber an den ersten Tagen öfter kurze Regenerationspausen für die Haut einzulegen. Denn wenn sich die Haut erst ansatzweise abgelöst hat, ist es schon zu spät: Es gibt Blasen, die reißen auf und heilen extrem langsam.” Beim Test bleibt keine Zeit für Pausen, jede Brise wird genutzt - und wer im Urlaub auch von Anfang an durchsurfen möchte, findet in Handschuhen einen guten Schutz: für eine langsame Gewöhnung der Hände an den ersten Tagen - oder auch für den ganzen Urlaub. Denn mit dünnen, gut passenden Modellen war der Griffkomfort im Test überraschend gut. Tester Stephan konnte so ungebremst weitersurfen, die sich abzeichnenden Blasen verhindern und schon am Folgetag wieder wie gewohnt zupacken.

Lieber Handschuhe als Blasen

Denn wenig Hornhaut in Verbindung mit warmem Wasser lassen die Hände im Zeitraffer einweichen. Wer dann zu Beginn seines Surfurlaubs Vollgas gibt und stundenlang an der Gabel hängt, hat schon in kürzester Zeit die Hände voller Blasen, die das Surfen tagelang zur Qual machen. Denn wirklich abheilen tun Wunden bei solchen Bedingungen nicht. Zudem bieten Handschuhe den bestmöglichen Schutz vor Sonnenbrand.

​Wer beim Windsurfen zu Handschuhen greift, sucht also meist einen Kompromiss aus Blasenschutz und gutem Griffgefühl. Im Test waren vier Modelle: jeweils zwei Varianten von ION und Ascan — einmal als Kurzfinger-Version und einmal als Langfinger-Modell. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede: Während die ION-Handschuhe vor allem auf Leichtigkeit, Beweglichkeit und direkten Kontakt zum Gabelbaum setzen, richten sich die Ascan-Modelle eher an Surfer, die mehr Schutz und etwas Kältereserve suchen.

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​Moderne Gabeln mit reduziertem Griffdurchmesser minimieren die Nachteile von Handschuhen deutlich.”

Unsere anfängliche Skepsis gegenüber Handschuhen ist dann übrigens schnell verflogen: Nicht nur, dass die Hände auch im warmen Wasser bei Dauer-Surfen heile blieben, sondern auch der teils erstaunlich gute Griffkomfort konnte überzeugen. Moderne Gabeln mit reduziertem Griffdurchmesser minimieren die Nachteile deutlich, der Griff fühlt sich kaum schlechter an als mit bloßen Händen.

​Ascan Handschuhe: Robuster, wärmer und klar auf Schutz ausgelegt

Die Ascan-Handschuhe sind deutlich anders aufgebaut. Das Material im Griffbereich namens Amara wirkt massiv und lederartig, im Vergleich zu ION macht es die Handschuhe spürbar dicker. Dazu kommen zusätzliche Verstärkungen in der Innenhand, die die Handstruktur nachbilden und die belasteten Zonen schützen sollen.

Diese robustere Konstruktion bringt Vorteile — aber auch Einschränkungen. Positiv ist zunächst der bessere Schutz gegen Kälte. Die Handschuhe nehmen nur wenig Wasser auf, was sie zu einer interessanten Wahl für die Übergangszeit macht. Im Herbst sind sie klar im Vorteil, und wer unempfindlicher ist, könnte die Langfinger-Version sogar an kalten Wintertagen fahren. Es ist zwar kein klassischer Neoprenhandschuh, geht aber von der Schutzwirkung her ein Stück in diese Richtung.

Beim Tragegefühl sind die Ascan-Modelle sehr straff geschnitten. Der breite Klettverschluss, der einmal rund ums Handgelenk läuft, sorgt für sicheren Halt und lässt sich gut fixieren. Allerdings schränkt genau dieser breite Abschluss auch die Bewegungsfreiheit im Handgelenk etwas ein.

Der größte Kritikpunkt zeigt sich beim Greifen: Die aufgedoppelten Innenhand-Verstärkungen neigen dazu, Falten zu werfen, wenn man zupackt. Das kann unangenehm werden. Mit einem dünnen Gabelbaum bleibt das noch akzeptabel, bei einem dickeren Holm macht sich die zusätzliche Materialstärke aber deutlich bemerkbar. Der Griff wird insgesamt voluminöser, was das direkte Fahrgefühl reduziert.

​Ascan Maui kurz

surf/img-7506_b9c50445165d0b2388cf57a47a76e9c4Photo: surf Team

​Als Kurzfinger-Modell bieten die Ascan-Handschuhe bereits mehr Schutz und Substanz als die ION-Varianten. Wer eher empfindliche Hände hat und ein robusteres Modell sucht, kann damit glücklich werden. Allerdings ist die Faltenbildung in der Innenhand ein echter Nachteil, besonders wenn man Wert auf ein sauberes, direktes Griffgefühl legt.

Bewertung: Solider Schutzhandschuh mit robuster Anmutung, aber weniger feinfühlig und ergonomisch nicht perfekt.

Ascan Maui lang

surf/img-7511_02ce1092b13552d9e723c61bd67ae1e3Photo: surf Team

​Die Langfinger-Version spielt ihre Stärken am besten bei kühleren Bedingungen aus. Hier passt das Konzept aus dickerem Material, geringer Wasseraufnahme und mehr Abschirmung am stimmigsten. Gleichzeitig treten aber auch die Schwächen am stärksten zutage: mehr Volumen am Griff, weniger Direktheit und potenziell unangenehme Falten in der Innenhand.

Bewertung: Gute Wahl für kalte Tage und mehr Schutz, aber nichts für Puristen, die maximalen Kontakt zum Gabelbaum wollen.

​ION Handschuhe: dünn, direkt und überraschend komfortabel

Die Handschuhe von ION bestehen aus einem sehr dünnen, Lycra-ähnlichen Material. In der Innenhand sorgt eine strukturierte Fläche für zusätzlichen Grip. Dazu kommt ein kleiner Klettverschluss, der das An- und Ausziehen einfach macht. Positiv fällt sofort auf, dass man sehr leicht hinein- und wieder herauskommt.

Im Einsatz überzeugen die ION-Modelle vor allem durch ihr direktes Fahrgefühl. Sie sitzen gut und mittelstraff, also sicher an der Hand, ohne dabei übermäßig einzuengen. Im Vergleich zu den Ascan-Handschuhen wirken sie etwas weniger fest, aber angenehm präzise. Besonders stark: Sie tragen kaum auf. Gerade an dünneren Gabeldurchmessern fühlt sich das sehr angenehm an, weil der Griff fast unverändert natürlich bleibt.

Auch beim Greifen des Gabelbaums machen die ION-Handschuhe einen guten Eindruck. Das Material wirft in der Handmitte keine störenden Falten, knuddelt sich also nicht zusammen, und schützt gleichzeitig wirksam vor Blasen. Der Grip ist ebenfalls gelungen: Die Hand bleibt stabil am Holm, ohne dass man das Gefühl hat, wegzurutschen.

Ein kleiner Nachteil zeigt sich beim Ausziehen: Die weichen Handschuhe drehen sich dabei gern nach innen um. Vor allem bei der Langfinger-Version muss man sie anschließend etwas zurechtfummeln, bevor sie wieder einsatzbereit sind. Tipp: Vorsichtig Finger für Finger an der Spitze “zupfen” - dann krempeln die Handschuhe gar nicht erst um. Das geht natürlich nur bei der Langfinger-Version. Praktisch ist auch der Druckknopf, mit dem sich die Handschuhe als Paar zusammenheften lassen.

ION Amara Gloves Half Finger

surf/img-7505_b9c50445165d0b2388cf57a47a76e9c4Photo: surf Team

Die Kurzfinger-Version dürfte besonders für richtig warme Bedingungen interessant sein. Sie bietet das direktere Gefühl und die geringe Materialstärke der Serie in ihrer konsequentesten Form. Wer in erster Linie Blasenschutz ohne spürbaren Verlust an Griffgefühl sucht, findet hier eine sehr überzeugende Lösung.

Bewertung: Perfekter Sommerhandschuh mit starkem Grip, wenig Material und hohem Komfort.

ION Amara Gloves Full Finger

surf/img-7517_02ce1092b13552d9e723c61bd67ae1e3Photo: surf Team

Die Langfinger-Version übernimmt die gleichen Stärken: dünn, griffig, wenig auftragend und angenehm am Gabelbaum. Der zusätzliche Fingerschutz macht sie vielseitiger und die Hände benötigen keinen zusätzlichen Sonnenschutz. Das Hantieren mit Kleinteilen wie Finnenschrauben kann etwas schwieriger werden.

Bewertung: Hervorragender Allround-Handschuh für alle, die maximalen Schutz bei möglichst direktem Fahrgefühl wollen.

Alternativen für Handschuhe zum Windsurfen

Auf den ersten Blick können auch (Halbfinger-)Handschuhe aus anderen Bereichen wie Fitness oder Radsport eine Alternative sein, um die Hände beim Surfen vor Blasen zu schützen. Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass die Innenseite nicht gepolstert ist, denn jeder Millimeter mehr Material vergrößert den Griffradius und beschleunigt die Ermüdung.


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Tobi is our digital man, he looks after the surf website and social media channels and gets on everyone's nerves every morning by asking for more pictures and videos. His surfing CV includes all the famous choppy water spots: As a teenager, he went from his home in Münsterland to the Ijsselmeer or the Brouwersdam, and during his civilian service on Sylt, after countless washes on the west side, the Königshafen became his preferred spot. After studying in Kiel and Heidkate, he was supposed to go to Hamburg “only for a short time”, but this short time has lasted for over ten years and has made him a “weekend warrior”. He goes on tour with his family and camper van as often as possible, often to the Baltic Sea, SPO or Denmark, but also likes to go to Finland, Sweden or Sardinia.

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