Redaktion

Worldcup Sylt: Traversa und Offringa gewinnen im Waveriding

  • Tobias Frauen
30.09.2019

Ein ereignisreicher Tag beim Worldcup Sylt: Thomas Traversa, Sarah-Quita Offringa und Amado Vrieswijk sind die Gewinner, aber der Mann des Tages heißt Marcilio Browne!

Nach 2018 ist Thomas Traversa auch 2019 der König von Sylt

Früh am morgen des dritten Wettkampftages beim Mercedes-Benz Windsurf Worldcup Sylt bot sich ein komplett anderes Bild: Statt glassy Wellen und leichtem Sideshore-Wind ballerte es mit 30 Knoten und mehr aus West-Nord-West, also fast genau auflandig. Wer Sylt kennt, weiß was das bedeutet: Brutale Weißwasser-Walzen, gnadenloser Shorebreak und mehr Strömung als in so manchem Fluss.

Gleich um acht Uhr am Morgen musste Philip Köster gegen Jaeger Stone ran. Obwohl Köster nicht gerade als Frühaufsteher bekannt ist, war er hellwach und holte einen wichtigen Sieg gegen seinen WM-Konkurrenten. Dabei zeigte Köster, dass er mit den schwierigen Bedingungen umgehen kann: Seinen Doppelloop sprang er nicht etwa beim Rausfahren, sondern kurzerhand off the lip beim Reinfahren. 

Im Halbfinale schickte er dann Antoine Martin zurück an den Strand, während im anderen Halbfinale Thomas Traversa an seinen Sylt-Triumph von 2018 anknüpfte und den amtierenden Weltmeister Victor Fernandez besiegte. Im kleinen Finale gewann Fernandez dann gegen Antoine Martin, der sich aber mit dem vierten Platz in der Single Elimination sein bisher bestes Ergebnis auf der PWA-Tour sicherte. 

Im Finale zeigte dann Thomas Traversa abermals, dass er hier zur absoluten Weltspitze gehört. Während der Franzose mit radikalen Wellenritten punktete, hatte Philip Köster Mühe, sich die richtigen Wellen aus der Weißwasser-Chaos herauszupicken. Bei nun platt auflandigem und etwas schwächelndem Wind gelang ihm auch kein Doppelloop, so dass der Traversa-Style am Ende den Sieg bedeutete.

Während Traversa noch feierte, ging es direkt weiter mit der Double Elimination. Hier konnten Klaas Voget und Leon Jamaer nach dem Aus in der Single wichtige Plätze gut machen. Für Dany Bruch hingegen war schon in der ersten Runde Schluss, er hatte lange Zeit mit dem Shorebreak zu kämpfen und dann gegen Antoine Albert nicht genügend Zeit, noch Punkte zu sammeln.

In der dritten Runde standen sich dann Klaas Voget und Leon Jamaer direkt gegenüber, mit dem bessere Ende für Klaas. Im folgenden Heat gegen Adam Lewis hatte jedoch auch er mit den schwierigen Bedingungen zu kämpfen und verlor wertvolle Zeit bei diversen Waschgängen im Shorebreak. 

WM-Spitzenreiter Ricardo Campello arbeitete sich nach seinem frühen Aus in der Single mit soliden Heats zurück nach vorne. Doch dann traf er auf Marcilio Browne, der auch heute wieder radikale Ritte in die Nordsee schlitzte. Entscheidend war aber Brawzinhos Doppelloop gleich zu Beginn des Heats. Dessen 8,5 Punkte konnte Campello auch mit risikoreichen Wellenritten nicht aufholen und musste eine empfindliche NIederlage einstecken. Muss er damit seinen WM-Traum begraben? Die Enttäuschung war jedenfalls groß.

Anschließend wurde zum Freestyle gewechselt, in immer noch höchst anspruchsvollen Bedingungen. Zwei Meter Welle und jede Menge Weißwasser sind nicht gerade Traumbedingungen für die meisten Trickser. Was die zahlreichen Zuschauer am Brandenburger Strand dann erlebten, war ein bemerkenswertes Favoritensterben. Nachdem Balz Müller mit einem exzellenten Heat den großen Favoriten Yentel Caers rauswarf, hatte Youp Schmit alle Trümpfe in der Hand. Doch gleich im darauffolgenden Heat zeigte auch Schmit Nerven und verlor gegen Dieter van der Eyken. 

Die beiden Verfolger Steven van Broekhoven und Amado Vrieswijk hingegen marschierten durch die Runden und standen sich dann im Finale gegenüber. In den äußert schwierigen Bedingungen vor Westerland zeigte Vrieswijk wieder einmal Sprünge im dritten Stock, darunter Shaka Spock und seinen Signature Move Double Air Culo. Am Ende hatte er dann auch verdient die Nase vorn und holte sich den Sieg in der Single Elimination. Die WM ist damit wieder spannend, in der Double Elimination kann jeder Heat entscheidend sein.

Anschließend ging es weiter im Waveriding. Bei immer noch platt auflandigem Wind schlug die Stunde von Marcilio Browne. Nach seinem Sieg gegen Ricardo Campello zeigte er in den schwierigen Bedingungen eine beeindruckende Konstanz. Neben radikalen Wellenritten sprang er in fast jedem Heat auch einen Doppelloop. Seine Gegner Marc Paré, Adam Lewis, Antoine Martin, Victor Fernandez und Philip Köster mussten allesamt dem Mann aus Brasilien den Vortritt lassen. 

Streckenweise profitierte Browne auch von den widrigen Bedingungen, denn er überwand meistens sicher das Weißwasser, während viele andere Fahrer in der Sylter Waschmaschine festhingen. Antoine Martin kam erst nach knapp der Hälfte seines Heats überhaupt nach draußen, auch Fernandez und Köster mussten nach diversen Waschgängen die Segel streichen.

Im Finale stand Brown dann dem Sieger der Single Elimination, Thomas Traversa, gegenüber. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit nahm auch der Wind immer weiter ab, so dass der erste Versuch abgebrochen werden musste. Im letzten Licht wurde dann doch noch einmal gestartet, und dieses Mal geriet der ausgelaugte Brawzinho in den Shorebreak. Traversa sammelte währenddessen souverän seine Punkte und holt sich zum zweiten Mal hintereinander den Sieg auf Sylt. Philip Kösters Dritter Platz ist im Rennen um die WM aber nicht zu unterschätzen, er rückt auf den ersten Platz vor und fährt als WM-Führender zum Aloha Classic nach Maui.

Was bei den Herren Marcilio Browne war, war bei den Damen Maaike Huvermann. Die Niederländerin schien ebenfalls mit dem Shorebreak gut zurechtzukommen und gewann ihre Heats gegen Iballa Moreno, Lina Erpenstein und Justyna Sniady. Die Polin war am Boden zerstört, weil sie in ihrem Heat überhaupt nicht aus dem Weißwasser herauskam und am Ende mit einer Fußverletzung aufgeben musste.

Erst im Finale musste Huvermann ihrer Gegnerin Sarah-Quita Offringa den Vortritt lassen. Offringa gewinnt nach 2018 zum zweiten Mal vor Sylt und übernimmt die WM-Führung bei den Damen!

Morgen dürfte es etwas ruhiger werden, die Vorhersage verspricht nur etwa zehn bis zwölf Knoten aus östlichen Richtungen. Eventuell sehen wir dann zum ersten Mal die Foiler, bevor am Mittwoch die Double Elimination im Freestyle gefahren werden könnte.

Das Highlight-Video vom Big Day auf Sylt

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