Redaktion

Buch-Tipp "BOARDERLINES" von Andreas Brendt

  • Jeanette Borchers
12.06.2014

Der erfrischende Debüt-Roman von Andreas Brendt lässt aufhorchen: Er weckt nicht nur Fernweh bei jungen Wilden und Sinnsuchern, sondern beleuchtet mit einem Schmunzeln auch die typischen Sehnsüchte und inneren Konflikte, mit denen sich jeder identifizieren kann.

Boarderlines - Debütroman des leidenschaftlichen Surfers Andi Brendt

Andi ist Student und entscheidet spontan, sein Konto zu plündern, um nach Asien zu reisen. Auf Bali wird er mit dem Surfvirus infiziert. Das Wellenreiten wird seine lebensbestimmende Leidenschaft, die ihn vor die große Frage stellt: Gebe ich dem inneren Feuer Zündstoff oder ebne ich den Weg für die geplante Managerkarriere? Die Suche nach der Antwort führt in unfassbare Abenteuer durch ferne Länder, zeigt Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, skurrilen Typen und gefährlichen Gangstern und beschreibt das ständige Überwinden des inneren Schweinehundes.

Eine Reise beginnt...

Köln, 1996: Andi und sein Freund Alex buchen kurzentschlossen einen Flug nach Australien mit einigen Tagen Aufenthalt in Bali, sodass sie gleich zwei Ziele mit vielversprechenden Wellen anfliegen. Sie wollen surfen und einfach raus aus dem Uni-Alltag. In Bali steht Andi dann zum ersten Mal auf einem Surfbrett. Die einzige Hilfestellung, die sein Kumpel ihm gibt, sind die Worte: "Du musst einfach da raus paddeln und wie die anderen die Wellen surfen!" - "Große Pädagogik. Wahnsinn, da ganzheitliches Lernen hier so hilfreich ist wie Starkstrom im Kinderzimmer", beschreibt Andi seine Gedanken. Aber die Faszination Surfen hat ihn gepackt und er fasst einen Entschluss: "Ich will jeden Tag surfen. Weil ich das Meer liebe und das meine Bestimmung ist. Die Uni ziehe ich durch. Alles andere wäre verrückt. Und dann kommt das Leben. Mein Leben. Mein Leben als Surfer und Abenteurer an den schönsten Orten dieser Welt." Und genau davon erzählt er mit viel Humor und Gefühl in seinem Roman und nimmt den Leser mit auf (s)eine Reise über zehn Jahre.

Humor und Spannung

Andi schafft es den Leser zu fesseln. Er versucht ihn teilhaben zu lassen an seinen eindrucksvollen Erfahrungen. Er spricht offen über Siege und Niederlagen, über den Spaß am Surfen und Reisen und die Freiheit, aber auch über die Schattenseiten: gebrochene Bretter, seinen geschundenen Körper und die Einsamkeit, wenn man immer unterwegs ist.

Mit seiner Art zu Schreiben bringt Andi den Leser zum Lachen. Zum Beispiel wenn er von seiner ersten Rollerfahrt in Bali erzählt, bei der er etwas Plastikschüssel-ähnliches als Helm tragen soll: "Das ist ein Witz. Die Kopfbedeckung bietet ungefähr so viel Sicherheit, wie zwei Knieschoner beim Fallschirmspringen – ohne Schirm." Dagegen liest man voller Spannung die Zeilen, in denen er beschreibt, wie er ums Überleben kämpft (und das kommt nicht nur einmal vor).

Erhältlich im Buchhandel, über Amazon (18,95 Euro) und im Kindle Shop (als e-book 8,79 Euro) - alle Infos unter  www.boarderlines-buch.de

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Leseprobe:

"Do you wanna go out there, Andi?" Jack wohnt in der Hütte neben mir. Wir pflegen eine fantastische Nachbarschaft. Er ist 56 Jahre alt, von denen er über 40 Jahre zu einem großen Teil im Meer verbracht hat. Er baut Surfbretter und hat die Welt gesehen. Wenn wir uns unterhalten, sitzen Vater und Sohn, Lehrer und Schüler beisammen oder meine nervöse Leidenschaft neben seiner verständnisvollen Ruhe.

Er kennt die Ozeane, aber scheint weniger besessen davon zu sein. Er hat nichts mehr zu beweisen, wodurch die kindliche Freude an der Sache zurückkehren kann. Morgens hockt er meistens auf einer kleinen Holzbank am Zaun, um die Wellen zu beobachten oder um das Leben passieren zu lassen. Ich setze mich dann dazu. Normalerweise. Aber heute will ich gleich ins Wasser."I've seen some big waves today." Ich bleibe stehen und schaue ihn an. Er blickt aufs Meer. Seine Füße stehen fest auf dem Boden. Er ist so mühelos konzentriert, dass ich durchatmen muss, weil mir auf einmal bewusst wird, wie viel Anspannung in meinem Körper steckt. Jack guckt so liebevoll, allwissend und sanft, dass ich manchmal nur noch staunen kann. Nicht über das, was er sagt, sondern wie. 

Er dreht sich zu mir um. Sein Gesichtsausdruck ist präsent, weil er nicht nur mit den Lippen spricht, sondern mit den Augen, den Schultern und dem Rest. Sein Kommentar fußt auf einer genauen Beobachtung, unendlicher Erfahrung und ist so sachlich ausgesprochen, dass ich nicht im Entferntesten auf die Idee käme, daran zu zweifeln.

Und genau das beunruhigt mich jetzt. Wer weiß, was mich da draußen heute erwartet? Ich hadere einen Moment und Jack zwinkert mir zu. Acht zu geben, vorsichtig zu sein und in einem Stück zurück auf unsere kleine Holzbank zu kehren. Aber er hält mich nicht auf. Er würde nicht im Traum daran denken, mir einen Ratschlag zu geben. Das hier muss ich selbst entscheiden. Ich atme schwer und Jack lächelt, weil er weiß, was in mir vorgeht. Vielleicht besser als ich selbst. Ich gebe mir einen Ruck, gehe durch das kleine Tor und paddele in die Lagune hinaus.

Es ist absolut windstill, perfekt und clean. Das ist das Wichtigste. Saubere Wellen sind deutlich einfacher zu surfen, als wenn irgendeine Kleinigkeit nicht stimmt, ein wenig Wind bläst oder die Wasseroberfläche unruhig ist. Manchmal reichen dunkle Wolken, um an meiner Verfassung zu schrauben. Wenn aber alles perfekt ist, ist die Größe fast egal. Jacks Worte kommen mir in den Sinn. 'I've seen some big waves today.'

Nein, die Größe ist überhaupt nicht egal! Und mein Gefühl spricht schon lange Bände. Irgendetwas macht mich hier nervös. Es ist eine Menge Wasser in Bewegung. Das spüre ich schon im Channel. Als ich mich dem Riff nähere, sehe ich, dass nur ein einziger Surfer im Wasser sitzt, was bei den sauberen Bedingungen an ein Wunder grenzt. Oder etwas anderes bedeutet.

Matt hockt verdammt weiß draußen. Wieso? Ich kenne die Antwort. Matt ist in den letzten Tagen wie von Sinnen gesurft. Völlig ohne Angst, ohne Zögern und ohne Rücksicht auf Verluste. Alles sieht so furchtbar einfach bei ihm aus. Selbst in den kritischsten Situationen bleibt er ruhig und steuert sein Brett immer tiefer in die speienden Tubes, mit denen es nur wenige hier aufnehmen können. Oder wollen. Es ist mir ein Rätsel, warum die richtig guten Surfer auch die härtesten Wipeouts überstehen und gelassen wieder zurück ins LIne Up paddeln. Ich vermute: Jahreslanges Training in den Waschmaschinen und Schleudergängen dieser Welt. Vielleicht lernt man die Tortur zu ertragen, wenn man sie nur häufig genug über sich ergehen lässt. Vielleicht, weil man einen ruhigeren Geist bekommt, denn mit weniger Angst reicht die Luft länger. 

Ich setze mich direkt neben ihm auf mein Brett. Er blickt mich mit versteinerten Augen an. Er will etwas sagen, aber senkt den Blick wieder. Dann schaut er auf: "It is fucking insane, man!!!"

Klasse, einer dieser Sätze. Er kann alles bedeuten. Natürlich ist der Satz positiv gemeint. Aber positiv für Matt kann den Untergang für mich bedeuten. Ich blicke zum Horizont und dann wieder an Land. Ich paddele ein paar Meter weiter hinaus, um im Zweifelsfall rechtzeitig aus der Gefahrenzone zu kommen. Matt rührt sich nicht. Hoch konzentriert, meditativ, 200 % aufmerksam. Er ist vollkommen bereit. Faszinierend wie beunruhigend.

Dann kommt ein Set. Nein, es stürmt auf uns zu. Und ist RIESIG!

Sunset - immer wieder atemberaubend schön am Meer

...

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Über den Autor

Der Autor Andi Brendt freundete sich mit einem Lama an

Andreas Brendt, geboren am  24.12.1974 in Köln, aufgewachsen in Jülich, hat in Köln Diplom-Volkswirtschaft sowie Diplom-Sportwissenschaft studiert. Während des Studium zog es den Autor schon immer in die Ferne und nach dem Studium nutzte er die Gelegenheit für einen jahrelangen Surftrip. In dieser Zeit arbeitete er als Surflehrer und hat das größte deutsche Surfcamp in Frankreich geleitet. Seit drei Jahren arbeitet Andreas Brendt nun als Lehrer an einem Berufskolleg in Köln. Für das Schreiben des Buches nahm er ein Sabbatjahr. Andreas Brendt bildete auch Surflehrer für den Deutschen Wellenreitverband aus und betreute die Nationalmannschaft als Trainer bei den Weltmeisterschaften in Portugal und Peru. Etliche Artikel für den Deutschen Wellenreitverband und für die Wavetours GmbH sind entstanden. Die Motivation zum Schreiben entspringt der Liebe zur Sprache und vor allem seiner Passion, Geschichten zu erzählen. 

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