Chaos an Stränden – Surfverbote drohen!

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 5 Monaten

Da Fernreisen Corona-bedingt großteils ausfallen, erleben die Spots an den deutschen Küsten gerade einen Ansturm. Die Folgen: Müll, Chaos und rücksichtsloses Verhalten an vielen Orten – es drohen Surfverbote.

Sommerzeit ist Reisezeit – wäre da nicht Corona. Dass vor einigen Wochen die Lage an typischen Urlaubsdestinationen in Italien, Spanien, Griechenland und Übersee noch schwer einschätzbar war, hat viele Menschen – natürlich auch Windsurfer – dazu bewogen, Urlaub in Deutschland zu machen.

Dass die Strände nun also aus allen Nähten platzen, war absehbar, Gleiches gilt für viele Surfspots an Nord- und Ostsee. Über Ostsee-Hotspots wie Rügen, Fehmarn und Heiligenhafen bis hin zu den Nordseespots Sankt-Peter-Ording oder Meldorf, überall zeigte sich Ende Juni das gleiche Bild: Surfer ohne Ende und viel Freude darüber, endlich wieder aufs Wasser zu können. Aber leider auch viele Schattenseiten:

An der Flensburger Förde waren die Parkplätze der Spots teilweise so voll, dass Camper und Tagesgäste in den Zufahrten der Anwohner parkten und sich auch nach Aufforderung der Bewohner weigerten, die Zufahrten freizugeben. Dass auch noch Grünflächen und die Gärten der Anwohner als Toiletten missbraucht wurden, war dann sozusagen das i-Tüpfelchen. Am Spot Dazendorf bei Heiligenhafen wurde, trotz Verbotsschildern, fleißig gecampt, der anfallende Müll wurde dann samt ausrangierter Campingstühle "fachgerecht" neben der bereits überfüllten Mülltonne entsorgt – wo er von hungrigen Möwen wieder in seine Einzelteile zerrupft und vom Wind verteilt wurde.

Reizvoll aber leider Ursache für viele Sperrungen – Wildcampen

In Dahmeshöved in der Lübecker Bucht parkten an einem windigen Sonntag mit Wind aus Nordost mehrere hundert (!) Womos und Busse am Spot – genau genommen auf einer Wiese eines Bauern im Naturschutzgebiet. Auch hier gab's Müll, Festivalstimmung und versperrte Zufahrten. Jetzt gibt's Absperrpoller, damit ist einer der besten Spots für Nordostwind de facto kaum noch nutzbar.

Beliebt aber kaum noch erreichbar – Dahmeshöved in der Lübecker Bucht

Auch in Dazendorf wehte bereits das Flatterband vor der Zufahrt, dass es abgerissen wurde, um trotzdem zum Strand zu gelangen, war perspektivisch nicht gerade ein Geistesblitz. Und auch an anderen bekannten und weniger bekannten Spots sind Surfverbote und Schließungen bereits zum Gespräch, so z.B. am Selenter See, wo Windsurfer trotz Hinweisschildern den Badestrand als Zugang nutzten und immer wieder mit Vollspeed in den Uferbereich durch die Schwimmer pflügten.

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Klar ist: Jeder das Recht an einem der vielen Spots an den Küsten seinen Spaß zu haben, jeder ist willkommen. Und natürlich hält sich die überwiegende Mehrheit der Wassersportler an die Regeln. Auch gehen die Verstöße nicht ausschließlich auf das Konto der Wassersportler. Trotzdem scheint so manchem Surfer beim Anblick eines mit Schaumkronen verzierten Meeres der gesunde Menschenverstand abhanden zu kommen. Letztlich muss man sich über die Folgen im klaren sein: Wenn die Situation an den Spots in diesem Sommer komplett aus dem Ruder läuft und sich die Beschwerden häufen, wird es Verbote geben. Und sind diese erstmal ausgesprochen, kann es lange dauern, bis sie wieder aufgehoben werden – wenn überhaupt.

Also haltet euch bitte an die wichtigsten Regeln:

  • Nehmt euren Müll mit nach Hause
  • Respektiert Camping- und Übernachtungsverbote und nutzt die offiziellen Stellplätze
  • Meidet die Hauptspots und weicht, falls möglich, auf Alternativspots aus
  • Macht andere Wassersportler auf die Problematik aufmerksam, wenn diese offensichtlich kein Bewusstsein dafür haben

Die Corona-Pandemie hat von allen bereits ein hohes Maß an Rücksichtnahme und Solidarität erfordert. Die aktuelle Situation an den Stränden ist gewissermaßen eine Spätfolge der Pandemie, auch jetzt ist daher etwas Rücksichtnahme angebracht.

Don't destroy what you came to enjoy!

Themen: Spotschließung


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