Finfoil: Finnen und Foils selbst designen

  • Tobias Frauen
 • Publiziert vor 2 Monaten

In der Windsurf-Community gibt es auch viele Bastler – es wird geshapt, repariert, designt. Finnen und Foils selbst zu bauen, erfordert allerdings tiefe Kenntnisse von 3-D-Programmen – eigentlich. Der Belgier Hans Robeers hat jetzt mit „Finfoil“ ein Programm entwickelt, mit dem auch Hobbybastler loslegen können sollen. Wir haben ihn interviewt.

Hans, es gibt auf dem Markt diverse Finnenanbieter. Warum muss man da überhaupt eine Software für den Finnenbau entwickeln?

Ich habe schon als Jugendlicher begonnen Surfboards zu bauen und bin während des Studiums beim Finnenbau gelandet. Irgendwann merkte ich, dass ich über die Designs zu wenig weiß. Das hat sich mit meinem Ingenieurs-Studium geändert und was als Hobby begann, wurde immer professioneller. Ich habe dann acht Jahre als Software-Entwickler gearbeitet und mit der Finfoil-Software kommt alles zusammen: Mein Know-how als Ingenieur und Software-Entwickler und die Leidenschaft fürs Windsurfen. Die meisten Windsurfer werden natürlich immer einfach eine Finne im Shop kaufen oder die Serienfinne verwenden, es gibt aber auch immer die Hobbybastler und Individualisten, die gerne etwas Eigenes machen wollen und eine bestimmte Idee im Kopf haben.

Was soll man an Serienfinnen überhaupt verbessern?

Viele Finnen sind auf Speed optimiert und haben dünne Profile. Für frühes Angleiten und gutes Höhelaufen sind Profile besser, die dicker sind und den dicksten Punkt weiter vorne haben – auch, wenn sie etwas langsamer sind. Dadurch kann man kleinere Finnen fahren, was wiederum die Kontrolle in starken Böen verbessert. Vor allem Aufsteigern und weniger geübten Freeridern helfen dickere Finnenprofile daher sehr.

Erkläre uns kurz, wie „Finfoil“ funktioniert.

Finfoil ist ein Programm, mit dem man Finnen und Foils selbst designen kann. Normalerweise erfordert das tiefe Kenntnisse und Zugang zu 3-D-Programmen, für Laien sind diese kaum zu durchschauen. Meine Idee war, ein Programm zu entwickeln, welches das Designen vereinfacht und für Laien zu verstehen ist. Jetzt ergänze ich nach und nach komplexere Features, mit denen sogar erfahrene Designer ihre Finnen umsetzen können. Das Programm spricht also einerseits die Hobbybastler an, sowie kleinere Finnen-, Foil- oder Boardhersteller, die bereits Know-how haben und ein entsprechendes Designprogramm suchen, um ihre Designs umzusetzen.

Finfoil soll Finnendesigns auch für Laien verständlich machen

Wie sehr greift einem das Programm unter die Arme? Ist es idiotensicher oder besteht die Gefahr, am Ende eine richtig schlechte Finne designt zu haben?

Damit Hobbydesigner loslegen können, kann man zum Beispiel aus verschiedenen Vorlagen auswählen, „Wavefinne, 20 Zentimeter Länge, US-Box“. Bei dieser Vorlage handelt es sich schon um ein Finnendesign, welches die Grundlagen bei Profilverlauf und Outline berücksichtigt, also eine entwickelte Finne, die funktioniert. Davon ausgehend kann man mit dem Finfoil-Designprogramm dann eigene Adaptionen machen, etwa Outline und Dickenverlauf verändern. Natürlich bietet das Programm die Freiheit, alle Parameter zu verändern, im Guten wie im Schlechten. Eine 3-D-Simulation zeigt einem dabei stets die aktuelle Ansicht des Entwurfs an. Anschließend kann man eine Datei exportieren.

Wie geht’s dann auf dem Weg zur fertigen Finne weiter?

Mit der Datei könnte man zum Beispiel einen 3-D-Drucker füttern. Die ausgedruckte Finne müsste man dann in Eigenarbeit schleifen und überlaminieren. Finnen über einen 3-D-Drucker auszudrucken macht natürlich nur bei kurzen Finnen Sinn, etwa Finnen für Wellenreiter oder Sidefins für Waveboards. Lange Finnen werden damit zu weich. Wer eine Wave-, Freestyle- oder Freeridefinne entworfen hat und diese produziert haben möchte, sollte mich einfach kontaktieren. Ich arbeite mit Produzenten zusammen, die das jeweilige Design für Kunden aus einem G10-Block ausfräsen.

Das fertige Design kann auf Wunsch professionell gefräst werden

Was kostet eine selbst designte Finne unterm Strich?

Man macht das nicht, um Geld zu sparen, sondern um ein bestimmtes Finnendesign endlich umsetzen zu können. Für ein Thruster-Set sollte man ungefähr 150 bis 200 Euro (zzgl. Versand) einplanen, darin enthalten ist das Verwenden der Software und die eigentliche Produktion der Finnen. Eine große Singlefin in G10-Material kostet in etwa das gleiche Geld.

Infos und Kontakt unter www.finfoil.io

Themen: FinnenFoils


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