Redaktion

Geht nicht, gibt's nicht! Profi-Windsurf-Karriere und Beruf unter einen Hut bringen

  • Jenny Eschenbach
29.09.2017

"Geht nicht, gibt's nicht!" - Ein Studium neben dem Spitzensport macht die Uni Oldenburg möglich. Mit ihrem Studiengang "BWL für Leistungssportler" geht sie individuell auf die Bedürfnisse von Sportlern ein. Ein Fernstudium oder "Partnerhochschulen des Spitzensports" bieten ebenfalls gute Möglichkeiten für Leistungssportler. Selbst eine Ausbildung kann mit der richtigen Unterstützung machbar sein...

Ob Studium, Gleitzeitmodell oder gleich ein Job mit freier Arbeitszeit - es gibt viele Möglichkeiten, um bei Wind möglichst oft aufs Wasser zu kommen... Eins haben sie alle gemeinsam: Brett und Segel sind stets mit im Gepäck.

Du willst ganz vorne bei den Profis mitmischen, und vielleicht sogar den World Cup mitfahren? Dann musst du nicht nur flexibel sein, um möglichst viel aufs Wasser zu kommen, sondern brauchst dazu noch ein vernünftiges Budget, um dieReisekosten zu decken. Schließlich finden nur die wenigsten Contests in der näheren Umgebung statt. Die wenigsten sind "nur" deutschlandweit unterwegs - oft fliegen die (angehenden) Profis zumindest kreuz und quer durch Europe, wenn sie nicht weltweit unterwegs sind. Dazwischen wird trainiert, organisiert und um Sponsoren gekümmert. Die Flexibilität dazu kann oft nur ein Studium bieten, dort könnt ihr auch mal pausieren, euch ein Jahr komplett dem Windsurfen widmen, und falls ihr es euch doch anders überlegt, danach oft ohne große Probleme weiterstudieren.

Was kommt nach der Sportlerkarriere? Denn was, wenn man wegen einer Verletzung lange pausieren oder sogar ganz aussteigen muss? Oder, wenn man irgendwann nicht mehr ganz vorne mitmischt? Oder aufgrund von anderen Lebensplänen wie einer Familie nicht mehr so viel reisen möchte? Dann ist ein zweites Standbein nicht schlecht.

Wir haben dir hier ein paar allgemein bekannte und ein paar weniger bekannte Wege und Möglichkeiten zusammen gestellt, um eine fundierte Berufsausbildung und eine Windsurf-Karriere unter einen Hut zu bringen - und mit den Ideen hier, sind die Möglichkeiten ganz sicher noch nicht ausgereizt!

Du willst eigentlich einfach nur Spaß auf dem Wasser haben? Hast du gerade (wieder) einen Lebensabschnitt zu Ende gebracht, sei es nun deine Schulzeit, dein Studium oder deine Ausbildung, orientierst dich grade neu und willst vor allem eins - Windsurfen?! Dann klick dich mal hier rein.

So ein zweites Standbein kann zum Beispiel ein BWL-Studium an der Uni Oldenburg aufbauen – "BWL für LeistungsportlerInnen".

Prof. Jürgen Taeger, Universität Oldenburg, FK II, sagte anlässlich der Einführung des Studiengangs vor einigen Jahren:

Der neue Studiengang ist geprägt durch ein Lernen nach neuesten lerndidaktischen Kriterien, den Einsatz neuer Medien und minimierte Präsenzzeiten. Mit diesem Konzept wollen wir den zeitlich stark gebundenen Spitzensportlern eine echte Alternative zu einem Vollzeitstudium mit Präsenzpflicht bieten.

Bei einer Regelstudienzeit von vier Jahren, müssen in das Studium etwa 20 bis 30 Wochenstunden investiert werden. Ein anpassen an die individuelle Belastung durch die Sportlerkarriere ist jedoch leicht möglich. Geht nicht, gibt’s hier nicht! Die Kurse sind in Form von Onlinekursen organisiert, unterbrochen von üblicherweise zwei bis drei Präsenztagen. Wer da auch nicht kann, für den finden die Professoren auch eine andere Lösung.

15 000 Euro Studiengebühren! Beachten sollte man aber, dass solch ein Sonderangebot an individueller Betreuung und Flexibilität nicht ganz günstig ist: Neben dem Semesterbeitrag von etwa 170 Euro, fallen für jedes der zwanzig Module Kosten in Höhe von 750 Euro an! Damit muss man mit über 15 000 Euro an reinen Studiengebühren rechnen.

Ein erster Schritt hin zu mehr Zeit auf dem Wasser, ist oft der Umzug: Nah ans Wasser!

Gibt es da nicht Alternativen? Viele junge Talente, zum Beispiel auf Maui, besuchen schon zu Schulzeiten Onlinekurse. Als Fernstudium werden die verschiedensten Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten. Flexibel, zeitsparend und vor allem ortsunabhängig – für jeden Leistungssportler ein Muss. Wie schnell man mit dem Lernstoff weiterkommt, liegt an einem selbst: Ein hohes Maß an Motivation und Disziplin sollte man also unbedingt mitbringen – und wird von zukünftigen Arbeitgebern sehr geschätzt!

Wer eins der vielen Angebote der öffentlichen Unis nutzen möchte, sollte sich über das Projekt "Partnerhochschule des Spitzensports" des allgemeinen deutschen Hochschulsportverbandes informieren. 1999 wurde diese Initiative gestartet, mittlerweile engagieren sich gut 90 Hochschulen und ermöglichen Leistungssportlern ein Studium mit einem hohen Maß an Flexibilität und einem erleichterten Zugang zu Urlaubssemestern, wenn die Sportlerkarriere das verlangt.

Selbst eine Ausbildung ist möglich - Projekte zur Unterstützung gibt es bisher nur für Kader-Athleten! Die Stiftung Deutsche Sporthilfe und die Deutsche Bank erstatten mittelständischen Unternehmen beispielsweise Kosten, die ihnen durch den Ausfall von Mitarbeitern entstehen. Dadurch können Leistungssportler leichter für wichtige Wettkämpfe Urlaub nehmen - und müssen auf ihr Grundeinkommen nicht verzichten. Neben der Unterstützung durch Projekte wie "Auf dem Weg nach Olympia", gibt es auch unternehmenseigene Förderprogramme, wie bei der Bayer AG. Gerade große Konzerne haben natürlich einen größeren finanziellen Spielraum - und wissen die Disziplin und Eigenmotivation von Spitzensportlern auch für ihren Betrieb zu schätzen.

Teilzeitausbildung - ein bisher noch recht seltenes Konzept Ein Modell der Ausbildung in Teilzeit , mit 20 bis 30 Wochenstunden - ganz ähnlich der vorgesehenen Belastung durch den Studiengang an der Uni Oldenburg - ist möglich, wenn ein "berechtigtes Interesse" seitens des Auszubildenden vorliegt. Gedacht ist dieses Konzept bisher vor allem für Menschen, die sich um Kinder oder Angehörige kümmern müssen, oder aufgrund von einer Behinderung keine Ausbildung in Vollzeit machen können. Die Berufsschule muss allerdings zu den vorgesehenen Zeiten besucht werden. Für die Unternehmen geht damit in erster Linie ein Imagegewinn einher. Doch bringt nicht gerade ein Profisportler noch mehr Aufmerksamkeit?

2007 erkannte das BMI (Bundesministerium des Inneren) diesen Wert bereits. In einer Rede sagte Dr. Wolfgang Schäuble, der damals Bundesinnenminister war:

Erfreulicherweise entdecken auch Unternehmen zunehmend, dass die Unterstützung von jungen Ausnahmetalenten im Sport nicht nur eine gute PR-Maßnahme ist, sondern dass sie so auch besonders leistungsbereite Personen gewinnen können, die ihnen häufig lange über ihre sportliche Karriere hinaus als Leistungsträger erhalten bleiben.

Die Förderung des Spitzensports gehört zu den Aufgaben des BMI. Dort geht es beim Spitzensport aber in erster Linie um Olympia-Teilnehmer - und ist damit nur für einen ganz kleinen Teil der Windsurfer interessant.

Ein Vorreiter bei dem Modell der Teilzeitausbildung ist beispielsweise die IHK Schwaben - hier werden Spitzensportler sogar im Infotext angesprochen. Im größeren Rahmen wird dieser Ansatz beispielsweise durch die  "Partnerbetriebe des Spitzensports"  in Baden-Württemburg verfolgt - hierbei allerdings ebenfalls nur für Kaderathleten oder Mitglieder in einer Deutschen Nationalmannschaft!

All diese Modelle ebnen vielleicht Wege für Fußballer oder Handballer. Profiwindsurfer, die nebenbei eine Ausbildung machen wollen, müssen aktuell wohl noch eine Vorreiterrolle übernehmen. Mit viel Eigeninitiative und dem richtigen Unternehmen ist aber nichts unmöglich!

Am Ende geht es doch nur darum nach einem langen Surftag glücklich und zufrieden nach Hause zu kommen... Und wer sich seine Arbeitszeit so einteilen kann, abends im Dunkeln zu arbeiten, statt tagsüber wenn's ballert...

Ein Studium ist generell deutlich flexibler als eine Ausbildung - und damit deutlich leichter mit einer Karriere als Profiwindsurfer vereinbar! Gerade als Windsurfer ist man schließlich von den Wind- und Spotbedingungen vor Ort abhängig.

Fristen an der Uni Oldenburg An der Uni Oldenburg kann man sich jedes Jahr zwischen Mitte Juli und Mitte September für das Wintersemester und zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar für das Sommersemester einschreiben. Doch die Uni ist flexibel: Wer den Bewerbungsschluss verpasst, kann als Gasthörer starten und sich die absolvierten Module im folgenden Semester vollumfänglich anrechnen lassen.

Noch mehr Informationen zum Angebot der Uni Oldenburg findet ihr hier .

Ein normales Studentenleben wird allerdings kein Spitzensportler haben:Die Organisation von Wettkämpfen, Lern- und Trainingszeiten, Prüfungen und eventuellen Praktika erfordern ein extrem hohes Maß an Disziplin!

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