GunSails in Membran-Technologie

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 2 Jahren

Das Team rund um Segeldesigner Renato Morlotti hat das Modell Seal in edler Membran-Technologie gebaut. Auch Pieter Bijl war maßgeblich in die Entwicklung eingebunden – im surf-Interview verrät er die Hintergründe.

Thorsten Indra Mitentwickler Pieter Bijl mit dem neuen GunSails Seal Membrane

Auf der boot Düsseldorf war es der Hingucker schlechthin – das GunSails Seal in Membran-Technologie. Wir haben das neue Modell bereits auf Nord- und Ostsee getestet. Einen Fahrbericht lest ihr in surf #4-2019. Die Hintergründe erklärt Pieter Bijl von GunSails im surf-Interview.

Pieter, nach dem Freeracesegel Bow zaubert ihr jetzt ein Segel in Membran-Technologie aus dem Hut – das war nicht unbedingt zu erwarten.

Ja, damit wollen wir den Weg, neue und innovative Produkte zu entwickeln, weitergehen.

Das Wavesegel Seal gibt es jetzt also in zwei Bauweisen?

Die äußere Form und das Profil von Seal und Seal Membrane gleichen sich. Allerdings unterscheidet sich das Segelgefühl der beiden Modelle aufgrund der unterschiedlichen Materialien grundlegend.

Inwiefern?

Die Membran besteht ja aus Trägerfolien, zwischen die hochwertige Fasern aus Aramid eingearbeitet sind. Das Material verleiht dem Segel eine gewisse Dämpfung und hohen Fahrkomfort, bleibt dabei aber extrem reaktiv. Das heißt, man bekommt ein Segel welches einerseits weich und gedämpft wirkt, dabei aber blitzschnell in seine ideale Form zurückkehrt, etwa beim Anpumpen. Diese Kombination aus Dämpfung und Reaktionsschnelligkeit ist einzigartig und führt dazu, dass sich das Segel sehr leicht anfühlt.

Wie hoch ist das Gewicht im Vergleich zur normalen Bauweise?

Das Seal Membrane ist etwas leichter, aber nicht auf Teufel komm raus auf Gewichtsoptimierung entwickelt. Wir wollen nicht den Weg gehen, ein extrem leichtes aber fragiles Segel zu bauen. Haltbarkeit steht bei uns nicht zur Disposition. Das leichte Gefühl beim Surfen ergibt sich bei diesem Produkt eher aus dem reaktiven, straffen Verhalten des Segels, weniger aus dem tatsächlichen Gewicht an der Waage. Geringes Gewicht auf der Waage kann man immer nur durch Weglassen erreichen – bei Membransegeln bedeutet dies, dass man die Trägerfolien und Fasern dünner machen müsste. Das wollten wir nicht. Die von uns eingearbeiteten Fasern sind extrem dicht und reißfest. Ein Loch im Segel reißt dadurch nicht weiter, die Haltbarkeit im Vergleich zu normalen Materialien ist damit deutlich erhöht.

Die Trimmrollen sitzen auf beidseitig aufgebrachten Platten. Was hat es damit auf sich?

Die Trimmrollen am Vorliek werden über zwei Carbonplatten am Segelhals fixiert. Das ist extrem stabil und kann im Prinzip nicht ausreißen. Außerdem kann man die Rollen um zwei Zentimeter in Richtung Mast oder Schot­horn versetzen. Dadurch verändert sich die Charakteristik des Segels grundlegend. Versetzt man die Trimmrollen nach hinten, wird das Segelprofil etwas tiefer, man bekommt eine kraftvollere Charakteristik. Vorne montiert, reduziert sich die Biegekurve, das Segel wird flacher und neutraler.

Die Trimmrollen am Vorliek lassen sich versetzen

Die Trimmkräfte dürften etwas höher sein, aber ihr verwendet nur zwei Rollen!

Ja, diese sind etwas höher. Da wir extrem große und reibungsarme Rollen verwenden, hält sich der Mehraufwand in Grenzen. Außerdem kann man den Tampen im Loop-and-go-Modus einfach nur einhängen und muss am Vorliek nicht mehr fädeln, das spart Zeit beim Aufriggen.

Sind weitere Modelle geplant?

Erst mal beschränken wir uns auf das Modell Seal, dieses wird ab Frühjahr 2019 verfügbar sein. Große Freeridesegel wären mit diesem Material extrem teuer. Der Preis steht noch nicht ganz fest, soll aber im Bereich 800 bis 900 Euro liegen.

Themen: Segel-Design


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