Hindernislauf im Pazifik

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 2 Jahren

Vor einigen Wochen wurde zwischen Kalifornien und Hawaii das erste System des Ocean Cleanup Projects installiert, um Plastikmüll aus dem Meer zu fischen. Die ersten Ergebnisse waren ernüchternd. Jetzt arbeiten Experten fieberhaft an der Lösung des Problems.

600 Meter lange, U-förmige Barrieren sollen den treibenden Plastikmüll konzentrieren.

San Francisco – Als am 8. September 2018 das erste System des Ocean Cleanup Projects von einem Schiff aus der Bucht in Richtung des großen pazifischen Müllstrudels gezogen wurde, waren die Erwartungen riesig. 1300 Seemeilen vor der Küste Kaliforniens wurde das System, welches aus einer 600 Meter langen, schwimmenden Barriere besteht, die den im Ozean treibenden Plastikmüll konzentrieren soll, nach mehrwöchiger Reise erstmals in Betrieb genommen. Die Barriere wird durch Wind und Strömung in eine Halbkreisform gebracht und treibt durch die Angriffsfläche des Windes etwas schneller als das im Wasser befindliche Plastik. Unterhalb der mit Luft gefüllten Barriereelemente soll eine drei Meter tief reichende Schürze dafür sorgen, dass auch kleinere Plastikteile nicht entkommen. Weil das System frei beweglich ist, richtet es sich bei wechselnden Wind- und Strömungsrichtungen selbst neu aus und treibt, wie der Meeresmüll selbst – nur eben etwas schneller. Sobald die Aufnahmekapazität errreicht ist, sendet das System ein Signal, der konzentrierte Müll soll dann von einem Schiff abgefischt und zum Recycling an Land gebracht werden. „Aktuell“, so Gründer Boyan Slat, „beobachten wir allerdings, dass ein beträchtlicher Teil des aufgefangenen Plastiks das System wieder verlassen kann. Noch wissen wir nicht genau, woran das liegt, eventuell treibt das System zu langsam oder die Halbkreisform der Barriere ist nicht perfekt. Deshalb arbeiten wir fieberhaft an der Lösung, sammeln Daten, füttern die Computermodelle und passen das System auf dem Wasser an. Es war absehbar, dass nicht sofort alles ohne Probleme läuft, denn alles, was wir tun, ist Pionierarbeit.“

Von San Francisco aus wurde das Modul im Schrittempo an seinen Bestimmungsort gezogen - den Pazifischen Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii.

An seinem ehrgeizigen Ziel will Slat jedoch nicht rütteln: „Wir werden dieses Problem lösen, so wie wir alle Probleme zuvor gelöst haben. Sobald das System funktioniert, werden weitere Systeme hinzukommen und wenn alles klappt, wollen wir in fünf Jahren die Hälfte des großen pazifischen Müllstrudels aus dem Wasser entfernt haben. Hintergrund: Strömungsbedingt sammelt sich der weltweite Meeresmüll, Schätzungen gehen von weit über 100 Millionen Tonnen aus, in gigantischen Müllstrudeln auf den Ozeanen. In Gebieten größer als Deutschland übersteigt dort die Konzentration der Plastikteilchen im Wasser die des natürlichen Planktons um ein Vielfaches.

Visionär, Unternehmer, Erfinder – Boyan Slat

Das Ocean Cleanup Project finanziert sich über Spenden, unter www.theoceancleanup.com/support könnt ihr mithelfen, das vielversprechende Projekt voranzubringen.

Wer wissen will, wie die Technologie im Detail funktioniert, sollte sich das folgende Video anschauen:

Alle Updates und Infos unter www.theoceancleanup.com

Themen: Ocean CleanupPlastikUmwelt


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