Triumph der Technik? Triumph der Technik? Triumph der Technik?

Triumph der Technik?

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 2 Monaten

Die französische Marke Phantom hat sich in der Raceszene bereits etabliert. Dahinter steckt Designer und Gründer Alex Udin, der mit Computer-Technik aus dem Americas Cup neue Wege geht. Wir haben ihn interviewt.

Ins Rampenlicht hat sich die Marke Phantom zuletzt bei der Formula-Foil-WM 2020 am Silvaplaner See geschoben. Der Franzose Nicolas Goyard dominierte das Feld mit Phantom Boards, Segeln und Foils beinahe nach Belieben. Grund genug, den Gründer der Marke, Alex Udin, nach den Hintergründen des Erfolges zu fragen.

Alex Udin, Gründer von Phantom Sails

Alex, deine Wurzeln liegen auch im Segelsport.

Puh, eine lange Geschichte. Ich hab schon damals, auf meinen Schulbüchern, angefangen Entwürfe für Designs zu machen. Mit 20 bin ich nach Maui und habe bei Barry Spanier, dem damaligen Gaastra-Designer, das Handwerk gelernt. Als ich wieder zurück in Frankreich war, hab ich mich 2002 selbständig gemacht. Bin dann im Katamaran-Business gelandet, aber im Herzen war ich immer Windsurfer. Als Foilen modern wurde, habe ich auch das Windsurfen wieder entdeckt.

War das eine Umstellung bei der Arbeit?

Ich habe festgestellt, dass es im Yachtsport natürlich viel professioneller zugeht. Im Segeln wird wissenschaftlicher gearbeitet, im Windsurfen ist es meist „try and error“.

Viele Windsurfsegel werden aber doch auch am Computer designt. Wo siehst du da den Unterschied?

Im Segelsport ist es einfach ungleich teurer, einen Prototypen für ein Segel zu bauen. Wenn das Ding nicht funktioniert, hast du richtig Geld verbrannt. Deshalb wird viel mit Computermodellen gearbeitet, um die Segelprofile zu optimieren, erst am Ende wird dann der Prototyp gebaut. Solche CFD-Simulationen, das steht für „Computerized Fluid Dynamics“, also Strömungssimulationen, kommen sonst nur im Hightech-Bereich zum Einsatz, wie beim Americas Cup oder in der Formel 1. Das hört sich zwar exklusiv an, genau genommen spart ein solch wissenschaftlicher Ansatz den Firmen aber Geld, weil es die Effizienz verbessert.

Seine Segel entwickelt Alex per 3D-Modell. Im Windsurf-Business ist er damit eine absolute Ausnahme

Wenn es kostengünstiger ist, wieso machen es dann nicht auch alle Windsurf-Designer?

Viele Windsurfsegel werden auch heute noch mit 2D-Modellen gemacht. Das Standard-Programm heißt McSail, das stammt von KA Sails in Australien. Die Software arbeitet zweidimensional, das Profil wird dann später dadurch erzeugt, da die einzelnen Bahnen unter Spannung zusammengenäht werden. Wie genau das geschehen muss, fußt auf der Erfahrung des Designers. Weil die meisten Designer schon viel Erfahrung haben, klappt das trotzdem ganz gut, aber die Technik dahinter ist natürlich ziemlich rudimentär. Während meiner Zeit als Designer für Katamaransegel und Segel für Rennyachten habe ich gelernt, mit einem 3D-Modell zu arbeiten. Damit de­signen wir die Segel komplett durch – wir legen erst das Profil fest, das Programm berechnet dann die dafür nötigen Formen der einzelnen Bahnen und wenn diese vernäht sind, stimmen Modell und Ergebnis 1:1 überein.

Team Phantom bei der Arbeit

Warum verwendet nicht jeder Segeldesigner solche 3D-Modelle. Sind diese zu teuer?

Es ist schon eine Investition, aber das ist nicht der Grund, dass niemand in der Windsurfszene solche Programme, ich arbeite mit SailPack, verwendet. Es liegt eher daran, dass die Programme ziemlich komplex sind und es einige Zeit braucht, um sich da reinzufuchsen. Die Arbeitsweise ist komplett anders. Kein Designer hat Zeit, um sich im normalen Arbeitsalltag da monatelang einzuarbeiten, also bleibt man beim bekannten 2D-Modell.

Bei Phantom legst du den Schwerpunkt auf raceorientierte Segel für Slalom und vor allem Foiling. Sind solche 3D-Modelle besonders geeignet, um derartige Segeltypen zu designen?

Mit einer solchen Software kannst du jeglichen Segeltyp machen. Aber am Ende nützt dir das beste Programm nichts, wenn du keinen Desig­ner hast, der sich auskennt und weiß, was ein gutes Segel ausmacht. Die Software designt nicht, sie setzt nur das um, was du vorgibst. Wir fokussieren uns auf Foiling, weil dieser Markt stark wächst und es unsere Passion ist. Auch die etablierten Marken haben da keinen Vorsprung, deswegen ist es sinnvoll für uns, dort Gas zu geben. Und eine kleine Firma wie Phantom kann natürlich auch nicht Produkte für alle Disziplinen entwickeln.

Phantom setzt seinen Schwerpunkt auf Produkte fürs Foilsurfen

Habt ihr ausschließlich Produkte zum Foilen?

Nicolas Goyard, 2019 PWA Weltmeister auf dem Foil, entwickelt für uns die Bretter. Die meisten Linien sind Foil-Produkte, das Segel­modell Iris-RS ist aber zu 100 Prozent ein Wind­surf-Racesegel, entwickelt von Alexandre Cousin (2019 PWA Vize-Weltmeister im Foilen und in der Disziplin Slalom in den Top-25; die Red.). Auch das 2-Camsegel Iris-X ist für beide Disziplinen gedacht, als Windsurfsegel und natürlich auch für den Einsatz mit einem Foilboard. Allerdings ist auch dieses Segel so designt, dass es im Topp recht wenig twistet und bereits bei Leichtwind viel Leistung entwickelt – Aspekte, die vor allem beim Foilen wichtig sind.

Kann man eure Produkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz überhaupt bekommen?

Wir haben ein Vertriebsnetz, vertreiben aber auch direkt übers Internet. Die Preise in Shop und Internet sind identisch.

Weitere Informationen zu den Produkten unter www.phantom-windsurfing.com


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