Mistral – Comeback mit flexenden Boards?

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 5 Jahren

Lange war es ruhig um die einstige Kultmarke Mistral. Nun versuchten neue Köpfe hinter der Marke ein Comeback und dies ausgerechnet mit einer Idee aus den 80ern. Flexende Boards sollen neue Türen öffnen. Kann das klappen?

Windsurfer der ersten Stunde werden sich womöglich erinnern – Ende der 80er sorgte das von Mark Tinkler entwickelte "Challenge Flex" für Aufsehen. Das neue Mistral Freespeed VRTS ist daran angelehnt – und doch grundlegend anders umgesetzt.

Neil, in den letzten Jahren war es ruhig um Mistral-Windsurfboards. Jetzt soll es wieder aufwärts gehen. Was hat sich im Hintergrund geändert? Wir haben die Lizenzrechte von Anders Bringdal übernommen, der, abgesehen vom Speedbereich, wenig ausrichten konnte. Vor allem aber haben wir Ideen!

Wie euer Konzept Freespeed VRTS! Genau! Ich hatte keinerlei Zwänge und habe genau das gemacht, was ich für die Lösung halte, um Kontrolle, Speed und Dreheigenschaften bestmöglich zu kombinieren. Über eine verstellbare Carbonplatte unter dem Heck kann man die Wasserlage des Boards individuell tunen.

Warum ist das so wichtig und warum soll sich plötzlich etwas durchsetzen, das es in den 80ern schon nicht zur Massentauglichkeit geschafft hat? Mistral hatte damals das von Mark Tinkler entwickelte "Challenge Flex" im Programm. Man kann das VRTS nicht mit alten Konzepten vergleichen. Das Grundproblem vergangener Tage besteht aber heute noch immer: Bei jedem Fahrer unterscheiden sich die Rahmenbedingungen – Gewicht, Können, Segelgröße, Trimm und Finnen. Das führt dazu, dass statische Cut-Outs im Heck nie allen gerecht werden können. Bei Surfer A klebt die Nase im Wasser und das Brett bremst, Surfer B macht andauernd Wheelies und der Bug steigt. Mit unserem System kann man die Wasserlage individuell anpassen.

Wie funktioniert das technisch? Die am Heck aufgeschraubte Carbonplatte kann flexen – je weiter man die Schraube rausdreht, desto mehr. Dadurch sitzt das Brett etwas mehr auf dem Heck, der Bug kommt höher und schlägt nicht so stark ins Wasser ein. Wenn in einer Böe der Bug zu steigen droht, lässt die Konstruktion kontrolliert den Dampf ab, ähnlich einem Segel was oben wegtwisten kann. Und letztlich sorgt der Flex im Heck dafür, dass die Drehfreudigkeit steigt und das Brett weich auf der Geraden einsetzt. Im Chop fühlt es sich an wie ein MTB mit Federgabeln – die Räder bewegen sich, aber der Fahrer bekommt davon nichts mit.

Ist eine derart dünne Carbonplatte nicht sehr sensibel? Die Carbonplatte ist extrem hart und mit zig Tonnen Druck gepresst. Aber natürlich sollte man es, wie jedes High-End-Produkt, nicht auf die Steine hauen. 

Was ist die Zielgruppe des Boards? Alle, die sicher Schlaufenfahren und Gleiten können bis hin zu ambitionierten Racern, die Vollgas fahren wollen. Daher auch der Name Freespeed, der auf den ersten Blick womöglich etwas widersprüchlich erscheinen mag, letztlich aber den Einsatzbereich von Freeride bis Speed gut beschreibt.

Welche Größen wird es geben? Das Brett gibt’s in vier Größen: 58 x 240 cm/95 L; 64 x 243 cm/105 L; 70 x 246 cm/115 L und in 76 x 249 cm/125 L.

Sind bei Mistral auch wieder "normale"  Konzepte geplant? Ich glaube an das Flex-Konzept und wir werden bei unserem Neustart nicht anfangen, das gleiche zu machen wie andere Marken. Geplant ist, das Flex-Tail auch auf andere Linien, zum Beispiel Wave, zu übertragen.

Mistral Challenge Flex der späten 80er - ähnlicher Grundgedanke, andere Umsetzung im Vergleich zum Freespeed VRTS (unten).

Mistral Freespeed VRTS

"Wir werden nicht neu anfangen und dann das Gleiche machen wie die anderen Marken” – Neil Scheltema, Mistral-Shaper 

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Schlagwörter: Mistral VRTS


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