NeilPryde wird deutsch

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 3 Monaten

Eine der traditionsreichsten und größten Marken im Windsurfsport siedelt von Hongkong nach Taufkirchen bei München um und wird eine deutsche Firma. Was ändert sich für die Kunden?

Der gebürtige Amerikaner Neil Pryde gründete 1970 in Hongkong die Neil Pryde Ltd. und produzierte Segel für Yachten und Segelboote. Mitte der 1970er startete die Windsurfsegelproduktion für verschiedene Bretthersteller. 1982 folgte dann der Schritt zur eigenen Windsurfmarke, die sich zum Weltmarktführer entwickelte. Weitere Marken wie JP-Australia, Cabrinha Kiteboarding und ein komplettes Zubehörprogramm von Masten über Gabelbäume bis zu Neoprenanzügen kamen hinzu. 2014 zog sich Neil Pryde, der selbst nie Windsurfer war, aus der Company zurück. 2018 kaufte die Pryde Group Germany (PGG) in Taufkirchen bereits die Marke JP-Australia der Mutterfirma in Hongkong ab. Nun hat die PGG mit Geschäftsführer Manfred Rassweiler die Marke NeilPryde komplett übernommen. Wir haben mit „Rassi“ über den Coup und die Hintergründe gesprochen.

Manfred Rassweiler

Was steckt hinter der Entscheidung, diesen enormen Schritt zu gehen?

Die europäische Vertriebsgesellschaft der Pryde Group (NeilPryde Ltd.) , die PGG, war ja nicht nur Importeur und größter Abnehmer der Muttergesellschaft in Honkong, sondern vor allem auch die Quelle für neue Ideen und der Draht zum Markt. Daher ist es naheliegend, den Einfluss auf das Geschehen zu erweitern, indem man die Marke und den Vertrieb für den größten und wichtigsten Markt, nämlich den europäischen, zusammenlegt. Wir wollten außerdem dadurch vermeiden, dass ein neuer Investor, der lediglich den „Return“ im Sinne hat, zum Zuge kommt. Nach 18-monatigen, harten Verhandlungen und Tauziehen mit anderen Interessenten konnten wir aber dann die Marken NeilPryde und JP sowie die PGG nach Hause holen.

Wo lagen die Probleme der Vergangenheit?

Einer der Gründe, der uns als Vertrieb in den vergangenen Jahren sicher am meisten beschäftigt hat, war die Abhängigkeit von unseren Lieferanten beziehungsweise der Muttergesellschaft und die dadurch resultierenden langwierigen Entscheidungsprozesse. Teilweise haben auch die Verfügbarkeiten unserer Produkte darunter gelitten, was allerdings nichts mit den momentanen, durch Corona bedingten Lieferengpässen zu tun hat. Entscheidungsträger fernab von den relevanten Märkten machen die Entscheidungsfindung schwierig, obwohl eine andere Brille manchmal die Augen öffnet und die Firmenblindheit verhindert.

Wo werden in Zukunft NeilPryde-Produkte produziert?

Die Produktionsstandorte werden vorübergehend und auch voraussichtlich langfristig unverändert bleiben. Sollten wir bei der einen oder anderen Produktionsstätte mit der Qualitätskontrolle nicht zufrieden sein, dann werden wir sicherlich zu einer anderen Produktionsstätte wechseln, sofern uns die Qualität bei der zukünftigen mehr überzeugt. So eine Veränderung ist aber meistens ein langwieriger Prozess, da zum Beispiel Spritzgussformen für Produkte oft beim Produzenten liegen und deshalb neue angefertigt werden müssten. Obwohl diese zum Teil im Besitz der Marke sind, kann man sie nicht immer einfach zu einem neuen Produzenten weiterleiten. Geis­tiges Eigentum in Asien ist eben nicht immer mit geistigem Eigentum in der westlichen Welt zu vergleichen.

Was habt beziehungsweise werdet ihr in Zukunft verändern?

Wir wollen Trends noch schneller erkennen oder setzen und vor allem dann schnell in neue Produkte umsetzen. Das beinhaltet:

  • Schnellerer go-to-market-Plan durch kürzere Entscheidungswege zwischen dem Vertrieb, der Marke und den Produzenten
  • Noch direktere und damit effiziente Kommunikation mit unseren Abnehmern, also sowohl dem Fachhändler als auch dem Endkunden. Kundennähe ist die beste Quelle für Qualitätsmanagement und Innovationstärke einer Marke
  • Bedarfsorientiert die Entwicklung unserer Produkte voranzutreiben, ist eine unserer Maximen für die Zukunft.
  • Nachhaltig produzieren, wo immer es auch möglich ist, gehört ebenfalls zum erklärten Ziel der neuen Firmenkultur. Bereits für 2021 haben wir vieles bei Verpackungen mit unseren Produkten verändert. Plastik und große Farbdrucke wurden massiv reduziert. Eine kurz bevorstehende Kooperation mit dem Frauenhofer Institut soll unsere Foodprints weiter reduzieren. Während einer zweijährigen Kooperation ist es das erklärte Ziel, alte Rotorblätter von Windrädern und Balsaholz zum Beispiel für den Bau von Boards zu verwenden.

Die wichtigste Frage: Was verändert sich für eure Kunden?

Unser Ziel ist es, die Qualität und Lebensdauer unserer Produkte noch weiter zu steigern und den Einsatzbereich unserer Produkte noch zu erweitern (Multi-use). Die Weichen hierzu haben wir bei JP seit der Übernahme vor knapp zwei Jahren bereits gestellt. So hat JP zum Beispiel die meisten klassischen Windsurfboards am Markt, die „foil ready“ sind. Auch weiteren Produkten möchten wir einen möglichst großen und weiten Einsatzbereich implantieren. Neben der Performance-orientierten Entwicklung der Marken JP und NeilPryde, werden wir also zukünftig noch mehr den Spaß mit und an unseren Produkten in den Vordergrund stellen. Das soll heißen, dass unsere Produkte nicht nur Pokale einfahren sollen, sondern vor allem auch unbegrenzt Spaß bringen sollen. Auch wer acht Stunden auf dem Wasser bleiben möchte, sollte am Abend noch in der Lage sein, sein Bier- oder Weinglas hochzuheben.

Themen: NeilPryde


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